Wasserstoffstrategie: Deutschland soll vorangehen

Die Bundesregierung erkennt, dass man für die Klimawende auch Wasserstoff als Energieträger braucht, auch für den Einsatz in Trucks, Loks oder Schiffen. Die Pläne aus dem Eckpunktepapier sollen jetzt konkretisiert werden.

Wasserstoff Marsch! Die Bundesregierung will es Ländern wie Japan oder China gleichtun und sieht H2 als zentralen Baustein der Klimawende, etwa auch im Lkw-Verkehr. Hier will Iveco bis 2023 gemeinsam mit dem US-Start-up Nikola einen Fuel-Cell-Truck für den Fernverkehr entwickeln. | Foto: Iveco/Nikola
Wasserstoff Marsch! Die Bundesregierung will es Ländern wie Japan oder China gleichtun und sieht H2 als zentralen Baustein der Klimawende, etwa auch im Lkw-Verkehr. Hier will Iveco bis 2023 gemeinsam mit dem US-Start-up Nikola einen Fuel-Cell-Truck für den Fernverkehr entwickeln. | Foto: Iveco/Nikola
Daniela Kohnen
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Bundesregierung hat im Rahmen des jüngsten Konjunkturpakets Pläne bekanngegeben, Deutschland zu einer führenden Nation in Sachen Wasserstofftechnologie machen zu wollen und will darüber am Mittwoch im Kabinett beraten.

Der Energieträger sei "vielseitig einsetzbar und ein zentraler Bestandteil unserer Dekarbonisierungsstrategie", heißt es aus der Koalition. Ziel soll es sein, Deutschland "bei modernster Wasserstofftechnik zum Ausrüster der Welt zu machen", so das Eckpunktepapier wörtlich. Damit man den Einsatz dieser Technologien auch in Deutschland im Industriemaßstab demonstrieren könne, will die Regierung bis 2030 industrielle Produktionsanlagen von bis zu 5 GW Gesamtleistung errichten, einschließlich der dafür erforderlichen Offshore-und Onshore-Energiegewinnung.

Das Augenmerk liegt grundsätzlich auf der Erzeugung von "grünem Wasserstoff" aus regenerativen Energien. Für den Zeitraum bis 2035 würden "nach Möglichkeit" weitere 5 GW zugebaut, bis 2040 die weiteren 5 GW. Die Mengen waren zuletzt schwer umstritten in der Koalition aus Union und SPD, weil man den Bedarf im Jahr 2030 auf 110 Terawattstunden taxiert. SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch kritisierte den Zwist um Zielmarken und meinte:

"Wenn das einmal rollt, wird sich schnell zeigen, dass wir eher mehr Wasserstoff produzieren müssen als jetzt geplant".

Um den Hochlauf zu beschleunigen, will die Regierung die Mehrkosten, die bei der Umstellung auf H2 entstehen, erstatten.

"Neben der Prüfung, ob die Wasserstoffproduktion über Ausschreibungen von Elektrolyseleistungen gefördert werden kann, soll der Umstieg von fossilen Energieträgern auf Wasserstoff insbesondere bei industriellen Prozessen in der Entwicklung und Prozessumstellung gefördert werden", formuliert die Regierung.

Dabei will man bei den Fördermaßnahmen darauf achten, dass alle Regionen Deutschlands von den neuen Wertschöpfungspotenzialen der Wasserstoffwirtschaft profitierten. Ausgebaut werden soll auch die Infrastruktur, um etwa Lkw, Lokomotiven, Schiffe oder gar Flugzeuge mit dem neuen Kraftstoff zu versorgen. Auch Lieferantenstrukturen ins Ausland will man aufbauen. So soll im Anschluss an das Treffen der Koalition eine Vereinbarung mit Marokko unterzeichnet werden unter Federführung von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU).

Was bedeutet das?

Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt, um es einmal mehr mit einem Schiller-Zitat zu sagen. Während Länder wie Japan, aber auch China und die USA die Chancen und Potenziale des Energieträgers Wasserstoff für industrielle Anwendungen aber auch im Schwerlast-Verkehr längst erkannt haben, "dieselt" Deutschland hinterher und stellt erst jetzt die Weichen. Hoffentlich nicht zu spät. Autohersteller wie Toyota oder Hyundai, die zugleich auch als Industriekonzerne agieren, packen das Thema längst ganzheitlich an, inklusive Erzeugung und Vertrieb von grünem Wasserstoff. Eigentlich hätte Olympia für die Japaner zum großen Wasserstoff-Aufschlag werden sollen ...

Schade für die hiesige Forschung, schließlich stammten in der Frühzeit der Hydrogen- und Brennstoffzellenentwicklung zahlreiche Patente aus Deutschland, wie auch bei den Batterien war das Land in der Grundlagenforschung führend, meinen viele Leute, die sich damit auskennen. Auch Daimler und BMW waren übrigens vorne mit dabei - Daimler nimmt das Thema jetzt mühsam auf "Wiedervorlage", allerdings ausschließlich für Trucks und stationäre Anwendungen. Es lief ja lange super mit den fossilen Energieträgern, wozu etwas ändern. Das fällt der Regierung nun auf die Füße und sie muss mit Hochdruck wie in einem Wasserstofftank aufholen, was versäumt wurde.

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