VW Nutzfahrzeuge und Hermes sortieren Pakete digital

Für ein Pilotprojekt in Bayern optimieren beide Partner die Zustellfahrzeuge mit einem Sortiersystem des Start-ups Viscopic. Eine Software sortiert hunderte Pakete je Fahrzeug in eine für die Auslieferung optimale Reihenfolge.

Fracht im Blick: Mit einer Sortiersoftware von Viscopic soll Zustellern die Arbeit erleichtert werden. | Foto: VWN
Fracht im Blick: Mit einer Sortiersoftware von Viscopic soll Zustellern die Arbeit erleichtert werden. | Foto: VWN
Redaktion (allg.)
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat ein Pilotprojekt mit dem KEP-Logistikdienstleister Hermes gestartet, um die Paketzusteller bei der Zustellung mit einem Sortiersystem des Start-ups Viscopic zu unterstützen. Die Software-Lösung des Münchener Jungunternehmens lernt zunächst die örtlichen Routen und ordnet dann die Pakete für die nächste Auslieferung in eine logische Reihenfolge für die Beladung und soll dem Fahrer lästiges Suchen und Sortieren unterwegs ersparen.

„Wir unterteilen die große Frachtmenge zunächst in kleine Portionen, die jeweils in einer Packtasche Platz finden“, erklärt Geschäftsführer Felix Meißgeier von Viscopic.

Diese quaderförmigen Taschen würden anschließend im Crafter-Transporter verstaut. Entscheidend sei dabei die Reihenfolge, so Meißgeier. Weil die Touren einem ähnlichen Ablauf folgten, könnten die Taschen auch entsprechend beladen werden, skizziert er weiter. Der Vorteil für den Fahrer: Er sieht auf einer dazugehörigen App, in welcher Tasche sich welches Paket für den jeweils nächsten Kunden befindet. Auf Basis der GPS-Koordinaten des Vans werden im Infotainment-System des Fahrzeugs sowie auf einem Handheld die Taschen der aktuell in der Nähe abzuliefernden Pakete angezeigt. Hierdurch sollen erhebliche Zeitersparnisse beim Auffinden von Paketen an der Zustelladresse realisiert werden, verspricht man. Doch es gehe nicht allein darum, Zeit zu sparen, sondern auch die Arbeits-bedingungen für die Fahrer zu verbessern, erläutert VW-Nutzfahrzeuge-Projektleiter Artur Hasselbach.

„Die Paketzustellung ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Besonders der innerstädtische Verkehr verlangt volle Konzentration, die Haltezonen für unsere großen Fahrzeuge sind rar und gerade durch Corona und die damit verbundenen einzuhaltenden Sicherheitsmaßnahmen ist die Zustellung noch komplexer geworden. Da sind solche intelligenten Lösungen für die letzte Meile hochinteressant für unsere Kunden im Logistik-Sektor“, analysiert Hasselbach.

Die digitale Unterstützung käme zur rechten Zeit, denn das Wachstum der Branche soll laut Parcel Shipping Index 2021 anhalten. Für den Zeitraum bis 2026 prognostiziert die Studie eine jährliche Wachstumsrate von mindestens sechs Prozent. Allein im Weihnachtsgeschäft 2020 (Oktober bis Dezember) hat Hermes in Deutschland die Rekordmenge von 126 Millionen Sendungen zugestellt. Dies entspricht einem Plus von etwa 25 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Nach einem Rekordjahr für die Kurier-, Express- und Paketbranche in Deutschland mit einem geschätzten Volumen von bundesweit mehr als vier Milliarden Paketen (Quelle: „Parcel Shipping Index 2021“, Pitney Bowes) steht die Branche vor der Frage, wie die Zustellung der Pakete zu den Kunden weiter optimiert werden kann.

In der Future Logistics Challenge von Hermes und dem Hannoveraner Hersteller, einem Wettbewerb um die vielversprechendsten Lösungen zu den Themen „Delivery Driver Experience“ und „Smart Delivery Vehicles“, hatte sich Viscopic und ein weiteres Projekt unter 180 Bewerbungen aus ganz Europa durchgesetzt. Im Zeitraum bis Ende März 2021 gehe es darum, den Effizienzgewinn und die Akzeptanz des Systems an einem Standort bei Augsburg im Alltag mit verschiedenen Fahrern zu testen.

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