VW: Erdgas-Antrieb wird nicht weiterentwickelt

VW-Konzernchef Diess will die Erdgas-Technologie nicht weiter vorantreiben und stattdessen auf Elektromotoren setzen. Auch die weitere Entwicklung der Brennstoffzelle wird zurückgefahren.

Auslaufmodell an der Tankstelle: Der erst 2018 präsentierte neue, stärkere und effizientere TGI-Motor erhält keinen Nachfolger, die Technologie wird nicht mehr weiterentwickelt. | Foto: VW
Auslaufmodell an der Tankstelle: Der erst 2018 präsentierte neue, stärkere und effizientere TGI-Motor erhält keinen Nachfolger, die Technologie wird nicht mehr weiterentwickelt. | Foto: VW
Daniela Kohnen
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der Volkswagen-Konzern zieht offenbar die Reißleine beim Thema Erdgasantrieb und will die Technologie mittelfristig nicht mehr weiterentwickeln. Das gab VW-Konzern-Chef Herbert Diess nach einem Bericht des Handelsblatts offenbar schon vor zwei Wochen am Rande eines Führungskräftetreffens in Berlin bekannt.

Bei dem hatte er auch Tesla als den größten Konkurrenten bezeichnet und mehr Tempo gefordert. Neben Erdgas wird es demnach auch für die Brennstoffzelle eng: Die Fuel Cell und andere alternative Kraftstoffe betreibe man auf Grundlevel, hatte Diess laut Handelsblatt geäußert. Allerdings seien diese Antriebe während eines absehbaren Zeithorizonts von mindestens einem Jahrzehnt keine Alternative zu Pkw-Motoren. „Wir brauchen die volle Konzentration auf den Durchbruch der Elektromobilität“, zitiert das Blatt den Top-Manager. Der Konzern könne es sich nicht erlauben, sich bei der Fahrzeugentwicklung zu verzetteln und müsse die finanziellen Möglichkeiten gezielt einsetzen.

Weiter soll Diess konkret gesagt haben: "Die Gasantriebe werden wir auslaufen lassen“. Seine Begründung: Sie leisteten keinen hinreichenden Beitrag zum Klimaschutz, Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis. Den Flotteneffekt hatte VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch auf lediglich 0,3 Gramm CO2/km hochgerechnet. Die erst 2019 avisierte Erdgas-Offensive ist damit schon wieder hinfällig.

Der letzte seiner Art: Der 1,5-Liter-TGI erhält keine Weiterentwicklung

Einstweilen kommen aber auf Basis des erst vor kurzem neu präsentierten 1,5-Liter-Erdgas-Turbomotors weitere Modelle aus dem Konzern auf den Markt. Vor allem Seat, aber auch Skoda hatten das Feld für sich entdeckt und forcierte den alternativen Antrieb, der dank immer höherem Biomethan-Antreil nahezu klimaneutralen Betrieb ermöglicht.

Zuletzt hatte die Marke VW Nutzfahrzeuge auch für den neuen Caddy V eine Erdgasvariante präsentiert, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Auch in Polo, Golf und Passat gibt es noch TGI-Varianten mit CNG-Antrieb, Audi vermeldete zuletzt, die lange nicht lieferbaren G-tron-Modelle seien wieder verfügbar. Hier gab es sogar einen leistungsstarken 2,0-Liter-Erdgas-Motor. De facto bedeutet die Entscheidung aber, dass keine Nachfolgetechnologie mehr entwickelt wird. Das soll einen Aufwand in zweistelliger Millionenhöhe sparen.

 

Nur Fiat ist noch beim Thema CNG aktiv - und mit LNG die Lkw

Neben dem VW-Konzern betreibt aber eigentlich nur noch Fiat den CNG-Antrieb, der auf dem Heimatmarkt Italien traditionell stark ist. In der Zwischenzeit wird CNG in seiner tiefgekühlten Form als LNG aber auch bei den schweren Nutzfahrzeugen als reelle und verfügbare Alternative zum Diesel gehandelt, die auch für Fernstrecken geeignet ist.

Derzeit wird das LNG-Tanknetz sukzessive ausgebaut, es sollen spezielle Korridore quer durch Europa entstehen. Auch die VW-Tochter Scania setzte in den vergangenen Jahren verstärkt auf CNG und LNG, speziell auf Biomethan-Basis, MAN war hier außer im Busbereich zurückhaltend. Als Pionier gilt hier allerdings der Hersteller Iveco, der das Thema seit vielen Jahren vorantreibt und damit auch im Busbereich erfolgreich ist. Marktseitig hat bei den Pkw der CNG-Antrieb zuletzt wieder nachgelassen: 2019 wurden nicht einmal 8.000 Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Auch das Tankstellennetz war wieder rückläufig, von einst 900 Zapfstellen waren 2019 nur mehr 837 verblieben. 

Rundumschlag: Fuel Cell und Synfuels auf der Streichliste

Auch das ohnehin wenig ausgeprägte Engagement beim Thema Brennstoffzelle sowie synthetische Kraftstoffe fährt der Konzern offenbar zurück: Es gebe nur einige kleinere Forschungs- und Vorentwicklungsaktivitäten bei Audi, meinte Welsch gegenüber dem Handelsblatt.

„Wenn wir die Mobilitätswende und die Umweltziele ernst nehmen, müssen wir uns auf den batterieelektrischen Antrieb konzentrieren. Alles andere ist Verschwendung der begrenzten regenerativen Energie“, findet der oberste Entwickler.

Es sei aufgrund der weit schlechteren Wirkungsgrade nicht sinnvoll, mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen die CO2-Emissionen senken zu wollen. Hier sei der batterielektrische Antrieb weit überlegen, meint Welsch. Mit 100 kWh an regenerativer Energie könne ein Batterieauto rund 500 Kilometer weit fahren, ein Brennstoffzellenfahrzeug 200 Kilometer, und ein Auto mit Synfuel-Einsatz schaffe 80 Kilometer.

„Es wird deshalb auf absehbare Zeit keine Brennstoffzellenfahrzeuge von unseren Pkw-Marken in Serienfertigung geben“, lautet sein Fazit.

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