VW-Betriebsratschef Osterloh kritisiert Werksschließungen wegen Corona

Die Meldungen über das Schließen von Werken in der Automobil- und Zuliefererbranche reißen nicht ab. Conti in Aachen, MAN in Wittlich, Plauen oder Steyr – überall stehen vor allem an kleineren Standorten Arbeitsplätze auf dem Spiel – in erster Linie an den Hochlohnstandorten.

VW Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh kritisiert die geplanten Werksschließungen vor allem in den Hochlohnregionen Europas. | Foto: VW
VW Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh kritisiert die geplanten Werksschließungen vor allem in den Hochlohnregionen Europas. | Foto: VW
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Jetzt meldet sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zu Wort und hat inhaltlich Recht: Denn die Pandemie werde von vielen Unternehmen als Chance für Werksschließungen und Produktionsverlagerungen gesehen, Osterloh wörtlich:

„Das ist nichts anderes als Tarif- und Standortflucht und darf nicht zugelassen werden."

Tatsächlich reißen die Meldungen über Betriebsschließungen vor allem in Hochlohnländern seit Mitte des Jahres – trotz Kurzarbeitsmöglichkeiten - nicht ab: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat jetzt gegenüber der "Braunschweiger Zeitung". erklärt, die Krise werde von vielen Unternehmen als Chance gesehen, Werke zu schließen und die Produktion in andere Länder mit geringeren Lohnkosten zu verlagern. Ähnlich äußerte sich zum Thema auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Er warf den Industriekonzernen vor, die Corona-Krise als Vorwand für massiven Stellenabbau zu nehmen und dabei vor allem ohnehin schon bedrohte oder kleinere Standorte jetzt schnell zu schließen:

„Eine Reihe Arbeitgeber nutzt die Krise, um in Deutschland zum Kahlschlag anzusetzen und Arbeit in Billiglohnländer zu verlagern.“

Das erklärte Hofmann der "Süddeutschen Zeitung". Besonders ärgerte ihn dabei, dass „manche Betriebe gleichzeitig Liquiditätshilfen oder andere steuerfinanzierte Stützungen in Anspruch nehmen“. Dann seinen die geplanten Werksschließungen „skandalös." So wird zum Beispiel geplant, die Umfänge des MAN-Werks Steyr nach Polen und in die Türkei zu verlagern, obwohl die Österreicher 2020 trotz Corona den gleichen Auftragsbestand vorweisen können wie 2019. Doch 2300 Arbeitsplätze in der Türkei und in Polen sind eben günstiger als in Österreich, wo diese dann wegfallen sollen. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte sich am Wochenende irritiert über das Ausmaß der Pläne beim Autozulieferer Continental gezeigt: Gegenüber der „Rheinischen Post" erklärte der SPD-Politiker:

„Es ist ohne Frage so, dass die Automobilbranche von der Corona-Krise hart getroffen ist und zusätzlich in einem Transformationsprozess steckt. Trotzdem habe ich kein Verständnis für ein radikales Jobabbau-Programm in diesem Bereich."

Was bedeutet das?

Tatsächlich schwappt die befürchtete Corona-Kündigungswelle jetzt erst los: Zahlreiche Unternehmen und Zulieferer aus der Automobilbranche haben große Stellenstreichungen angekündigt. Auffällig und ärgerlich ist dabei aber, dass in ganz vielen Fällen vor allem Standorte in Deutschland und Österreich betroffen sind und hier vor alle kleine Standorte, wo die Fabriken und Montagen oft große Arbeitgeber sind. Vor allem diese Orte bluten dann sehr schnell aus. Gleichzeitig dürfte die proklamierte „Verkehrswende“ an Fahrt verlieren. Denn wer hat den Mut und Nerv, sich jetzt ein neues umweltfreundliches Fahrzeug zu bestellen, wenn er nicht weiß, ob er zum Jahresende noch sein Gehalt erhält? Darum sägen die Hersteller hier auch am eigenen Ast, auf dem sie sitzen. Denn die großen Stückzahlen hochpreisiger Fahrzeuge setzt man in er EU immer noch in den Hochlohnnationen ab und viele Kunden kommen direkt aus der Autoindustrie.

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