Verkehrssicherheit: DVR betont Bedeutung von Assistenzsystemen

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sieht das EU-Ziel, bis 2050 keine Todesfälle mehr im Verkehr zu haben, in Gefahr und verweist darauf, dass viele Unfälle durch den vermehrten Einsatz etwa von Brems- und Abbiegeassistenten vermeidbar wären.
Viele Unfälle ließen sich mit den entsprechenden Assistenzsystemen verhindern oder abmildern, so der DVR. Auf dem Bild zu sehen: ein Fußgänger-Erkennungssystem von Ford.(Foto: Ford)
Viele Unfälle ließen sich mit den entsprechenden Assistenzsystemen verhindern oder abmildern, so der DVR. Auf dem Bild zu sehen: ein Fußgänger-Erkennungssystem von Ford.(Foto: Ford)
Johannes Reichel

Fast 50 Prozent der Unfälle mit Fahrzeugen ließen sich mit entsprechenden Fahrerassistenzsystemen vermeiden, so die Einschätzung von Experten, die der DVR bei der Vorstellung einer Zwischenbilanz zur "Vision Zero" der EU- Kommission zitiert.
Diesem Plan zufolge soll es bis 2050 überhaupt keine Todesfälle mehr im Verkehr geben. Derzeit gehe dieses Vorhaben aber nur schleppend voran, konstatiert der DVR mit Bezug auf die jetzt ausgewerteten Zahlen von 2015. Das vorläufige Ziel, die Anzahl der Todesfälle auf den Straßen von 2010 bis 2020 zu halbieren, werde vermutlich weit verfehlt werden, fürchtet die Organisation.
Laut einem Bericht der EU-Kommission zur Straßenverkehrssicherheit kamen 2015 rund 26.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Der Durchschnitt in den EU-Mitgliedsländern beträgt damit 51,5 Tote pro eine Million Einwohner und ist damit ähnlich hoch wie in den vergangenen Jahren. Deutschland liege mit 43 Verkehrstoten pro Million unter dem Durchschnitt, Länder wie Bulgarien und Rumänien mit jeweils über 90 Toten pro Million weit darüber.
Menschliches Fehlverhalten ist nach wie vor Hauptunfallursache. 2015 wurden in Deutschland 2,5 Millionen Unfälle verursacht, darunter 2,2 Millionen mit Sachschaden und 305.659 mit Personenschaden.
Häufigste Unfallursachen sind das Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, das Ein- und Anfahren sowie die Missachtung der Vorfahrt. Viele dieser Fahrfehler ließen durch den konsequenten Einsatz von Fahrerassistenzsystemen verhindern, schätzt der DVR. Die Systeme könnten kritische Situationen frühzeitig erkennen, reagierten darauf mit entsprechenden Warnhinweisen oder griffen direkt in die Fahrdynamik ein.
Notbremssysteme, deren Sensoren die Umgebung vor dem Fahrzeug erfassen, registrieren die Gefahr einer Kollision und aktivieren etwa selbsttätig die Bremse. Die EU beziffert ihr Potenzial zur Reduzierung der Unfallopferzahlen auf elf Prozent.
Geschwindigkeitsassistenten sollen den Fahrer bei zu hoher Geschwindigkeit warnen und überlassen ihm, je nach System, die Entscheidung, ob er sie reduziert, drosseln sie selbstständig oder geben ihm eine Maximalgeschwindigkeit vor, die nicht überschritten werden kann.
Wenn dieses System obligatorisch die Geschwindigkeit auf die jeweils erlaubte begrenzen würde, könnten die tödlichen Unfälle um bis zu 46 Prozent reduziert werden, so der Verkehrssicherheitsrat. Auch der unbeabsichtigte Spurwechsel führe oft zu bedrohlichen Situationen: Ein Spurhalteassistent soll ihn durch Eingriff in die Lenkung verhindern und die Sicherheit auf den Straßen erhöhen.

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