Vans sollen bis 2030 um ein Drittel sparsamer werden

Die Europäische Union hat sich auf schärfere CO2-Grenzwerte für Pkw geeinigt. Nun beklagt der VDA die aus seiner Sicht überzogene Neuregelung. Vor allem die Vorgaben für Vans würden an der Realität vorbeigehen, so der Verband. Umweltverbände wiederum kritisieren die Anrechenbarkeit von Elektrofahrzeugen.

Den Verkauf ihrer Elektrofahrzeuge können sich die Hersteller künftig auf die Verbrennermodelle anrechnen lassen.(Foto: C. Harttmann)
Den Verkauf ihrer Elektrofahrzeuge können sich die Hersteller künftig auf die Verbrennermodelle anrechnen lassen.(Foto: C. Harttmann)
Johannes Reichel

Nach der Einigung auf schärfere CO2-Grenzwerte für Pkw durch die EU-Gremien am Montag haben sich Branchen- und Umweltverbände unzufrieden mit den Ergebnissen gezeigt. Für die Autobranche kommen die Verschärfungen einer Überforderung gleich, die Umwelt-NGOs sehen die Option der Flottenkompensation von Verbrennermodellen mit Elektrofahrzeugen kritisch. EU-Parlament, Kommission und Rat hatten sich nach zehnstündigen Verhandlungen auf eine stufenweise Absenkung geeinigt: Nach 2021 sollen die Verbräuche für Pkw und Transporter noch mal um 15 Prozent bis 2025 und um 37,5 Prozent bis 2030 sinken, bei leichten Nutzfahrzeugen sind es 31 Prozent. Damit dürfen in zwölf Jahren die Flottenwerte der Autohersteller nurmehr bei 60 g CO2 pro Kilometer liegen. Derzeit werden die Werte auf 118,5 Gramm, bei den deutschen Anbietern sogar 127,1 Gramm, taxiert. Entsprechend scharf fiel die Reaktion des Verbandes der Automobilindustrie aus:

„Diese Regulierung fordert zu viel und fördert zu wenig“, befand VDA-Präsident Bernhard Mattes und beklagt, die Vorgaben setzten zu wenige Impulse für neue Technologien.

„In keinem anderen Teil der Welt gibt es vergleichbar scharfe CO2-Ziele. Damit wird die europäische Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet.“

So sieht es jedenfalls der VDA-Mann. Die Förderung der E-Mobilität beurteilt er als zu schwach ausgestaltet, zudem beklagt er das Fehlen von Anreizen für sogenannte E-Fuels aus regenerativen Quellen und deren etwaige Anrechnung in der Flotte.

Das 31-Prozent-Ziel für Transporter geht aus Sicht des VDA-Präsidenten „an der technischen Realität in diesem Segment vorbei“. Die Entwicklungs- und Produktzyklen seien mit bis zu zehn Jahren deutlich länger als bei Pkw. „Zudem ist ein niedriger Kraftstoffverbrauch bei Nutzfahrzeugen seit jeher ein entscheidendes Kaufargument, insofern ist der Markt aus sich heraus auf CO2-Effizienz getrimmt“, meint Mattes.

Umweltverband: Hersteller müssen gar nicht viel machen!

Der alternative Mobilitätsclub VCD anerkannte, dass „es endlich einen Deal gibt“ und die Mehrfachanrechnung von Elektroautos auf Hinwirken des EU-Parlaments immerhin begrenzt worden ist. Es sei zudem das erste Mal, dass ein Vorschlag der EU-Kommission nicht „aufgeweicht, sondern verschärft wurde“, wie der verkehrspolitische Referent Michael Müller-Görnert erklärte. Dennoch befand er insgesamt betrachtet:

„Aus Klimasicht wäre mehr nötig und möglich gewesen. Wie so oft haben die Regierungen der Mitgliedsstaaten die Interessen der Autoindustrie über den Klimaschutz gestellt“.

Die Autoindustrie müsse nun liefern: „Statt zu jammern, muss sie die Antriebswende endlich angehen und auf Elektroautos setzen“, forderte Müller-Görnert. Weitere Umweltverbände kritisierten die zugleich verabschiedete Bonus-Regelung, nach der man sich den Verkauf von Elektrofahrzeugen auf die Verbrennermodelle anrechnen lassen kann. Laut dem Leiter Verkehrspolitik beim Nabu Dietmar Öliger „müssten Verbrenner damit gar nicht weit unter die heutigen 95 Gramm sinken“, wie der NGO-Mann gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte. VW-Chef Herbert Diess meinte dagegen, dass man jetzt noch stärker umbauen müsse, damit im Jahr 2030 vier von zehn Neuwagen mit Strom betrieben würden.

Zufrieden war eigentlich nur die Politik mit dem Ergebnis. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) glaubt, dass die Regelung „uns bei Klimaschutz und Zukunftsjobs voranbringen wird“, sie hält sogar einen „Innovationsschub“ für möglich, der die alternativen Antriebe „raus aus der Nische“ bringen werde.

In jedem Fall üppig sind die Strafen bei Verstößen, die für VW laut Hochrechnung der Automobilwoche für 2021 bei 1,4 Milliarden Euro lägen, für FiatChrysler bei 700 Millionen. Zudem wird angeführt, dass die Hersteller mit Elektroautos weniger Marge erwirtschaften können.

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