Ulm: Iveco und Nikola setzen ein Benchmark

Das Nikola-Werk in Ulm hat eröffnet – nur knapp zwei Jahre nach Baubeginn. Ab 2022 sollen hier die ersten batterieelektrischen Serienmodelle des Nikola Tre vom Band rollen. Zunächst allerdings in erster Linie für den US-amerikanischen Markt.

Noch in diesem Jahr wollen Iveco und Nikola in Ulm mit der Produktion des batterieelektrischen Nikola Tre starten. (Foto: Iveco)
Noch in diesem Jahr wollen Iveco und Nikola in Ulm mit der Produktion des batterieelektrischen Nikola Tre starten. (Foto: Iveco)
Christine Harttmann

Am 15. September 2021 – knapp zwei Jahre nachdem der Starschuss für den gemeinsamen Aufbau einer Lkw-Produktion gefallen ist – haben Iveco und Nikola das Werk in Ulm für Journalisten aus ganz Europa geöffnet. Zum Jahresende soll hier die Produktion des batterieelektrischen Nikola Tre starten. Spin-of für das Joint Venture zwischen der US-amerikanischen Gruppe und dem italienischen Nutzfahrzeugkonzern war im September 2019, im Februar 2020 fiel der Starschuss für den Aufbau des Ulmer Werks. Kurz vor Anbruch der Corona-Krise habe man die Pläne bekannt gegeben, sagte Gerrit Marx, President Commercial & Specialty Vehicles bei CNH Industrial und designierter CEO der Iveco-Groupe, bei der feierlichen Eröffnung.

„Damals wussten wir noch nicht, was in den nächsten Monaten auf die Welt zukommen wird.“

Umso beachtenswerter sei, dass die „pünktliche und planmäßige Fertigstellung des Produktionswerks“ gelungen sei.

Gleich zwei Produktionslinien soll es in der Werkshalle in Ulm geben: eine für die batterieelektrischen Version des Nikola, die Ende des Jahres anlaufen soll. Eine Zweite ist für das Brennstoffzellen-Modell des Nikola Tre geplant. Dessen Fertigung ist zwar erst ab Ende 2023 avisiert.

Auf einer Fläche von 50.000 Quadratmetern, von denen 25.000 überdacht sind, verfügt das Ulmer Produktionswerk über einen Endmontageprozess, der speziell für elektrisch angetriebene Fahrzeuge konzipiert ist. Iveco und Nikola investierten in den Standort und in die erste Phase der Industrialisierung. Von Anfang bis Ende des Produktionsprozesses seien etwa 160 Zulieferer involviert, teilen die beiden Unternehmen mit. Die Produktionslinie sei in der Lage, im Einschichtbetrieb 1.000 Einheiten pro Jahr zu fertigen, und werde in den kommenden Jahren schrittweise hochgefahren. Der Standort arbeitet nach den Grundsätzen des World-Class-Manufacturing-Modells mit dem Ziel: keine Abfälle, keine Unfälle, keine Ausfälle und keine Lagerbestände zu haben. Dies wird durch die Kerncharakteristiken bestätigt, zu denen ein vollständig digitales Werkstattmanagement gehört, das eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit und einen papierlosen Betrieb gewährleistet.

Die in Ulm gefertigten Fahrzeuge sollen allerdings zunächst Richtung Nordamerika exportiert werden. Fahrzeuge für den europäischen Markt sollen dann sukzessive folgen.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier unterzeichneten Nikola und Iveco auch eine Absichtserklärung mit Hamburg Hafen Marketing, die in den kommenden zwei bis drei Jahren 25 Stück der Nikola Tre in BEV-Ausführung abnehmen wollen. Darüber hinaus ist geplant, einen ersten Nikola Tre in Wasserstoffausführung auf der baden-württembergischen Oberleitungsteststrecke im Murgtal mitfahren zu lassen. Das Ziel ist ein Vergleich mit anderen Antriebstechnologien. Rund 800 Kilometer soll der Truck mit einer Tankfüllung schaffen – H2-Gas, das mit einem Druck von 700 bar in die Behälter in einem Aufbau hinter dem Fahrerhaus gepumpt wird. Etwa 20 Minuten soll das dauern, also nicht länger als das Tanken eines Diesel-Lkw.

Der batterieelektrische Nikola Tre, der bereits ab dem kommenden Jahr in Ulm vom Band laufen soll, kommt laut Hersteller mit einer Akkuladung 545 Kilometer weit. Danach dauert es 120 Minuten, bis der Akku wieder vollgeladen ist.

An einen Knackpunkt für alternative Antriebstechnologien ist die Infrastruktur. Auch die hat man in Ulm im Blick. Für den Ausbau einer Wasserstofftankstellen-Infrastruktur hat sich das Joint Venture OGE als Kooperationspartner an Bord geholt. Unterstützt werden sie bei ihren Vorhaben von der Politik. Das Bundesverkehrsministerium hat gerade erst ein finanziell gut ausgestattetes Förderprogramm für den Kauf von emissionsarmen Fahrzeugen und den Ausbau der Infrastruktur aufgelegt. Das Ziel ist dabei, so formuliert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), klar:

„Wir wollen, dass im Jahr 2030 ein Drittel der Fahrleistung CO2-neutral mit Strom oder Strombasierten Kraftstoffen erfolgt.“

Unterstützung gibt es auch seitens Baden-Württemberg, des Bundeslandes in dem das Nikola-Werk angesiedelt ist. Es sei gut, dass dieser historische Standort wiederbelebt werde für ein Zukunftsprojekt, freute sich Landesverkehrsminister Winfried Herman bei der Eröffnung des Werks.

„In zwei Jahren eine neue Produktionsstätte aufzubauen – das ist schon ein Benchmark!“

Herman hob hervor, dass im Ulmer Werk in dieser kurzen Zeit gleich zwei neue Produktionslinien aufgebaut wurden. Das Landesministerium fördert unter anderem das Pilotprojekt im Murgtal, erste Bewährungsprobe für den Nikola hierzulande.

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