Ukrainehilfe: Spediteure springen ein

Dass die Transportbranche immer auch für Menschlichkeit und Solidarität steht, belegen die zahlreichen Aktionen, mit denen jetzt Spenden gesammelt und Hilfslieferungen organisiert werden. Und im Pannenfall springt der ADAC ein.

(Symbolbild: Pixabay)
(Symbolbild: Pixabay)
Christine Harttmann

Vor einer Woche noch blickten wir erwartungsfroh einem entspannten Frühjahr entgegen – dann kam der Krieg und katapultierte uns in eine dramatisch andere Situation. Mit dem von Russland begangenen Bruch des Völkerrechts haben wir Gewissheiten verloren, die über Jahrzehnte hinweg Garant unserer Sicherheit in Europa waren. Ein Trost in dieser Situation ist die Einigkeit mit der der Westen, ja fast schon die ganze Welt, zusammensteht. Der Logistik kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Zahlreiche Transportunternehmen haben spontan Hilfstransporte organisiert, um dringend benötigte Güter in die Region zu fahren. Auch mit anderen Aktionen versuchen Sie den Betroffenen ein wenig Unterstützung zu geben.

Mit Interkep ab München

So hat Interkep mit ihren Schwesterfirmen Delivery Experts und Last Mile Logistics aus München eine Soforthilfe organisiert. Gemeinsam transportiere man dringend benötigte Hilfsgüter in die Ukraine, teilen die Firmen mit. Interkep unterstützt mit Koordination und Sortierung, Delivery Experts bringt sein ukrainisches Team ein und führt die Shuttlefahrten an die polnisch-ukrainische Grenze durch, Last Mile Logistics stellt Transporter und Pkw mit Tankkarten zur Verfügung. Die Pkw seien vor allem dafür gedacht, um auf dem Rückweg nach München Flüchtende mitzunehmen, teilt Interkep mit. Die Hilfstransporte gehen in die polnische Stadt Chełm, direkt an der Grenze zur Ukraine. Von dort werden die Hilfsgüter durch private Initiativen und gesicherte Versorgungskanäle zu den notleidenden Menschen in die Ukraine weiterbefördert – bis zum 2. März wurden auf der Hilfsmission schon knapp 15.000 Kilometer auf der Hin- und Rückroute hinter sich gebracht.

Startpunkt Greven

Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Greven/Reckenfeld, dem Reckenfelder Bürgerverein, der STI Group aus Greven und Hölscher Transporte aus Gronau organisiert auch Greiwing logistics for you einen Hilfstransport in die Ukraine. Am Sonntag, 6. März 2022, soll er starten. Während der Bürgerverein und die Evangelische Kirche die Spendenannahme koordinieren, stellt die STI Group Verpackungen für die Pakete. Greiwing und Hölscher Transporte bringen anschließend die gesammelten Hilfsgüter an die ukrainische Grenze. Dort würden sie von lokalen Hilfsorganisationen in Empfang genommen und an die Betroffenen verteilt, berichtet Greiwing über die Aktion.

Bereits am 3. März ist von Eschwege aus die Spedition Fröhlich zusammen mit Transimeksa mit zwei Lkw ins rumänische Suceava, nahe der ukrainischen Grenze aufgebrochen. Die Transportunternehmen hätten ihre gemeinsame Aktion mit Michael Heußner, dem Bürgermeister von Lichtenau und der Organisation Oase koordiniert, um wichtige Hilfsgüter an die vom Krieg betroffenen Menschen zu senden, teilt Transimeksa auf Linkedin mit.

Trans.eu startet Transportbrücke

Die in Polen beheimatete Logistikplattform Trans.eu hat gleich ein eigenes Hilfsteam gegründet, das die aktuelle Situation beobachtet und Maßnahmen koordiniert. Um die Versorgung der ukrainischen Bevölkerung aufrechtzuerhalten, organisiert der Plattformbetrieber eine Transportbrücke zwischen der Ukraine und dem übrigen Europa. Dafür arbeitet er eigenen Angaben zufolge mit „bewährten Organisationen“ zusammen, die humanitäre Hilfe leisten. Ihnen vermittelt der Plattformbetreiber über eine polnischsprachige Website den Kontakt zu Transportunternehmen, die zu Fahrten in die Ukraine bereit sind, und bürgt diesen gegenüber für die Transportkosten. Schon nach nur wenigen Tagen hatten sich für die Aktion laut Trans.eu mehr als 220 Frachtführer angemeldet, die Fahrzeugkapazitäten für Hilfstransporte bereitstellen.

60 Tonnen Hilfe für die Ukraine

Der Berufsverband Camion Pro ist ebenfalls aktiv. Er organisiert den Transport mehrerer Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern. Von München aus wollen die Organisatoren in der zweiten Märzwoche rund 60 Tonnen Hilfsgüter in Richtung Ukraine bringen. Bei entsprechenden Spendenaufkommen könnten noch weitere Transporte folgen.

Die Spenden kommen von Unternehmen, Privatpersonen und Freunden aus dem Netzwerk des Berufsverbands. Ziel der Lieferungen ist der Osten Polens nahe der polnisch-ukrainischen Grenze. Andreas Mossyrsch, Vorsitzender des Verbands, stellt dazu jedoch klar:

„Wir werden nicht auf ukrainisches Staatsgebiet fahren.“

Der Transport soll von Transportunternehmen durchgeführt werden, die die Menschen in der Ukraine unterstützen wollen. Dafür brauche man entweder freiwillige Fahrer oder Transportunternehmen, die Transporte durchführen oder Speditionen, die Rückladungen nach Polen suchen.

Der Verband bietet außerdem Initiativen und Organisationen, die Sachspenden sammeln und noch nicht wissen, wie diese in das Kriegsgebiet gelangen sollen, Unterstützung an. Mossyrsch dazu:

„Wir haben bereits Kontakt zu polnischen und ukrainischen Hilfsorganisationen aufgenommen. Nach Rücksprache mit unseren Partnern sind für die Menschen im Kriegsgebiet auch medizinische Produkte und Medikamente besonders wichtig.“

Bei Pannen hilft der ADAC

Zur Unterstützung und damit alle Hilfstransporte möglichst sicher zur Ukrainischen Grenze und zurück kommen, will die ADAC Pannenhilfe Flüchtlingen aus der Ukraine sowie allen, die sich für die vom Ukraine-Konflikt betroffenen Menschen einsetzen, zur Verfügung stehen. Der Pannendienst informiert, dass er Flüchtenden, die eine Panne haben, sowie Ukraine-Helfern unbürokratisch und unabhängig von einer ADAC Mitgliedschaft weiterhelfen wird.

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