Ukraine: EU-Kommission plant Logistikplattform für Getreideausfuhr

Zusätzliche Güterwagen, Schiffe und Lastkraftwagen – die Europäische Kommission will in den kommenden drei Monaten möglichst schnell und effektiv Getreide aus der Ukraine in die EU-Länder holen. Als Teil der Lösung sind auch Europas Transport- und Logistikdienstleister gefragt.

EU-Verkehrskommissarin Adina Vălea, will Logistikketten koordinieren und optimieren sowie neue Routen für die Ausfuhr der Ukrainischen Getreides einrichten. (Foto: European Union, 2022)
EU-Verkehrskommissarin Adina Vălea, will Logistikketten koordinieren und optimieren sowie neue Routen für die Ausfuhr der Ukrainischen Getreides einrichten. (Foto: European Union, 2022)
Christine Harttmann

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der Blockade ukrainischer Häfen können ukrainisches Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse ihre Bestimmungsorte nicht mehr erreichen. Die Lage gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit. Deshalb hat die EU-Kommission am gestrigen Donnerstag, 12. Mai 2022, alternative Verkehrswege, sogenannte Solidaritätskorridore vorgeschlagen, über die Getreide aus der Ukraine exportiert werden kann.

EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean erklärte dazu:

„20 Millionen Tonnen Getreide müssen die Ukraine innerhalb von weniger als drei Monaten unter Nutzung der EU-Infrastruktur verlassen. Dies ist eine gigantische Herausforderung, weshalb es von entscheidender Bedeutung ist, die Logistikketten zu koordinieren und zu optimieren, neue Routen einzurichten und Engpässe so weit wie möglich zu vermeiden.“

Engpässen begegnen

Aktuell warten auf ukrainischer Seiten Tausende von Lkw auf ihre Abfertigung. Für Güterwagen nennt die Kommission eine durchschnittliche Wartezeit von 16 Tagen. An einigen Grenzen seien es bis zu 30 Tage. Noch lagert aber Getreide, das zur Ausfuhr bereitsteht in ukrainischen Silos.

Zu den Herausforderungen gehören unterschiedliche Spurweiten: Ukrainische Wagen sind mit dem größten Teil des EU-Eisenbahnnetzes nicht kompatibel. Die meisten Güter müssen daher auf Lastkraftwagen oder Güterwagen mit EU-Standardspurweite umgeladen werden. Das ist zeitaufwändig, und die Umschlageinrichtungen entlang der Grenzen knapp.

Logistikplattform soll vernetzen

Die Kommission ist daher auf der Suche nach alternativen Exportwegen. Sie will zusätzliche Güterwagen, Schiffe und Lastkraftwagen einsetzen und fordert europäische Unternehmen auf, Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Die Kommission will dazu eine Logistikplattform zur Vermittlung von Kontakten einrichten. Dort sollen Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt und die entsprechenden Kontakte hergestellt werden können. Die Mitgliedstaaten sollen spezielle Kontaktstellen für Solidaritätskorridore benennen.

Zugleich sollten in den Verkehrsnetzen und Umschlagterminals ukrainische landwirtschaftliche Ausfuhrsendungen vorrangig behandelt werden. Die Infrastrukturbetreiber sollten Schienenplätze für diese Ausfuhren zur Verfügung stellen. Außerdem braucht es Getreideladegeräte, um den Getreideumschlag zu beschleunigen. Dabei sind nach Auffassung der Kommission die Branchenunternehmen gefragt. Zusätzlich soll ein Straßenverkehrsabkommen mit der Ukraine Engpässe beseitigen. Die Kommission prüft außerdem zusätzliche finanzielle Garantien für Transportunternehmen, die mit ihren Fahrzeugen in die Ukraine einreisen.

Schienenwege ausbauen

Was Zollvorgänge und sonstige Kontrollen betrifft, fordert die Kommission nationale Behörden nachdrücklich auf, größtmögliche Flexibilität walten zu lassen. Außerdem sollten sie für eine angemessene Personalausstattung sorgen, um die Verfahren an den Grenzübergangsstellen zu beschleunigen.

Um mehr Kapazitäten für die ukrainischen Ausfuhren im Gebiet der EU zu schaffen, wird die Kommission die in der EU verfügbaren Lagerkapazitäten bewerten und sich dazu mit den Mitgliedstaaten abstimmen.

Mittel- bis langfristig wird die Kommission auch darauf hinarbeiten, die Infrastrukturkapazität neuer Exportkorridore zu erhöhen. Im Rahmen des Wiederaufbaus der Ukraine will sie neue Infrastrukturverbindungen aufzubauen. Sie will Projekte zur Verbesserung der Verkehrsverbindungen mit der Ukraine, einschließlich Schienenverbindungen und Schienen-Straßen-Terminals unterstützen.

Unter normalen Umständen werden 75 Prozent der Getreideproduktion der Ukraine exportiert, was rund 20 Prozent der nationalen jährlichen Ausfuhrerlöse entspricht. Vor dem Krieg entfielen 90 Prozent der Ausfuhren von Getreide und Ölsaaten auf ukrainische Schwarzmeerhäfen. Rund ein Drittel der Ausfuhren ist für Europa, China oder Afrika bestimmt.

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