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Transport Logistic: Branche wappnet sich für den Brexit

Während die Regierungen noch über die Ausgestaltung des Brexit verhandeln, haben sich viele Unternehmen der Transportlogistikbranche bereits Maßnahmen getroffen, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Das ergab eine Umfrage im Vorfeld der Transport Logistic 2019.

Foto: Messe München
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Torsten Buchholz

Trotz des drohenden Brexit-Chaos zeigt sich die Transportlogistikbranche in einer aktuellen Umfrage unter 2.680 Messeteilnehmern der Transport Logistic unaufgeregt. Dazu sagt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München:

„38 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf alle Eventualitäten eingestellt sind. 50 Prozent sehen sich nicht unmittelbar betroffen und nur zwölf Prozent befürchten massive Beeinträchtigungen durch einen harten Brexit.“

Dass die Briten sich wappnen, belegt auch das Transportbarometer von Timocom: Die Lkw-Transporte ins Vereinigte Königreich sind im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark gestiegen. Die Statistik der Frachtenbörse zu Transportangebot und -nachfrage in Europa weist bei Transporten auf die Insel einen Zuwachs von 112 Prozent aus. Daneben plant rund jedes dritte britische Unternehmen, seine Geschäfte ins Ausland zu verlegen. Das ergab eine Umfrage des britischen Wirtschaftsverbands Institute of Directors (IOD) unter 1.200 Firmenchefs im Januar 2019.

Vor allem zwischen Calais und Dover, wo täglich über 11.000 Lkw verkehren, wird es im Falle eines ungeregelten Austritts zu Staus und Wartezeiten kommen. Auf dieses Szenario bereitet sich auch der Logistikdienstleister Dachser intensiv vor. In einem internen Projektteam setzen sich Experten aus verschiedenen Unternehmensbereichen mit dem Brexit auseinander, mit Fragen zur Verzollung über Mengensteuerung und Verkehrsführung bis hin zu IT-, Personal- und Kommunikationsthemen. Steffen Wiese, Head of Sales European Logistics, North Central Europe bei Dachser:

„Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau, stimmen uns zentral mit allen betroffenen Unternehmensbereichen ab und stehen im engen Kontakt mit unseren Kunden.“

Der Transport- und Logistikdienstleister aus Kempten ist seit 1975 mit einer Landesgesellschaft in UK präsent und beschäftigt dort an vier Standorten knapp 450 Mitarbeiter. 2018 erwirtschaftete Dachser UK 105,4 Millionen Euro Brutto-Umsatz und transportierte rund 780.000 Sendungen mit einer Tonnage von rund 600.000 Tonnen. Wiese betont:

„Der Brexit ist sicherlich eine nicht alltägliche Herausforderung. Doch wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen getroffen, den Warentransport aus und von Großbritannien weiterhin so flüssig wie möglich abzuwickeln. Egal was passiert, die Waren müssen fließen.“

Auch die Niederlande sind als logistische Drehscheibe und aufgrund ihrer eng verflochtenen Lieferketten mit Großbritannien stark betroffen. So gingen rund 8,8 Prozent der niederländischen Exporte laut Eurostat 2017 ins Vereinigte Königreich. Der größte Hafen Europas, der Hafen Rotterdam, bereitet sich intensiv auf den Brexit vor und hat hier bisher etwa 1,5 Millionen Euro investiert. Es wird erwartet, dass durch den Brexit rund 10.500 Schiffe pro Jahr zusätzlich kontrolliert werden müssten. Hierfür wären hunderte zusätzliche Mitarbeiter, unter anderen aus den Bereichen Zoll, Veterinärmedizin und Lebensmittelkontrolle, nötig. Daneben wurde in ein neues digitales Meldesystem investiert. Hier sollen Handelsfirmen, die mit Großbritannien Geschäfte machen, ihre Ladung anmelden. Betroffen sind nach Schätzungen der Hafengesellschaft rund 4.200 Unternehmen.

Zudem hat der Hafen mit einer Simulation die Auswirkungen des Brexit auf die Fährterminals analysiert. Daraufhin wurden zusätzliche Lkw-Parkplätze eingerichtet und Flyer an die Fahrer mit den wichtigsten Änderungen verteilt. Mark van Dijk, Manager External Affairs beim Port of Rotterdam:

„All diese Vorbereitungen sind notwendig, um die negativen Folgen des Brexits so weit wie möglich abzumildern. Sie sind jedoch nur dann wirksam, wenn alle in der Logistikkette zusammenarbeiten. Dies ist eine Voraussetzung für reibungslose Handelsströme, wie wir immer wieder betonen.“

Laut Rummel haben sich zwar viele Unternehmen der Transportlogistikbranche bestmöglich für den Brexit gewappnet. Er sieht aber gerade bei KMUs noch Nachholbedarf:

„Doch längst nicht jedes Unternehmen ist ausreichend vorbereitet – gerade kleine und mittelständische Firmen sind hier herausgefordert.“

Die Transport Logistic biete eine Plattform, sich zum Brexit zu informieren und untereinander auszutauschen.“

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