Trailer-Bremse gesucht: BPW gibt Tipps

Warum verwenden manche lieber Trommelbremsen, obwohl in den meisten europäischen Ländern Scheibenbremsen bevorzugt werden? Der Trailerspezialist und Nfz-Zulieferer gibt Tipps zur Entscheidungsfindung.

BPW Produktmanager Thorsten Grahl erläutert, was Sie bei der Wahl der passenden Trailerbremse beachten sollten. | Bild: BPW.
BPW Produktmanager Thorsten Grahl erläutert, was Sie bei der Wahl der passenden Trailerbremse beachten sollten. | Bild: BPW.
Redaktion (allg.)
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Als Systemanbieter für Trailerhersteller bietet BPW (Bergische Patentachsenfabrik Wiehl, heute Bergische Achsen KG) Achssysteme, Bremsentechnologien sowie Bauteile rund um Federung und Lagerung an – bis hin zu kompletten Fahrwerkssystemen. Mit den Produkten des 1898 gegründeten Unternehmens sind nach eigenen Angaben weltweit Millionen Fahrzeuge unterwegs. Großen Wert legt man auf umfangreiche Qualitätsprüfungen. Die Trommel- und Scheibenbremsen zum Beispiel werden „fortwährend weiterentwickelt und auf Herz und Nieren getestet“, sowohl am Prüfstand wie iauf der Straße, versichert der Anbieter. Welche Gesichtspunkte bei Trailern für eine Trommel- oder Scheibenbremse sprechen, erläutert BPW-Profi Thorsten Grahl.

Auch Euro 7 könnte mitspielen

Im Fahrzeugbau, so berichtet das nordrhein-westfälische Unternehmen, wird die Scheibenbremse gegenüber der Trommelbremse prinzipiell als überlegene Technologie bevorzugt. Das beweise auch der Marktanteil von rund 80 Prozent in Europa. Allerdings sind hier offenbar starke regionale Unterschiede zu verzeichnen. So gelte in England die Trommelbremse als Favorit, während Ost- sowie Südeuropa immer mehr auf Scheibenbremsen setzten. Doch es gebe gute Gründe, bei der Wahl auch eine Trommelbremse in Betracht zu ziehen, sagt BPW Produktmanager Thorsten Grahl. So könnte zum Beispiel die Trommel aufgrund besonderer technischer Eigenschaften derzeit auch im Zuge der Ambitionen für eine umweltverträglichere Mobilität mit der Einführung der Abgasnorm Euro 7 an Bedeutung gewinnen. BPW-Produktmanager Grahl hat die wichtigsten Vor- und Nachteile der beiden Bremssysteme aufgelistet.

Offroad: Trommelbremse

In der Trommelbremse ist das System aufgrund der geschlossenen Bauweise besser vor Schlamm und Schmutz geschützt: so eignet sie sich vor allem zum Einsatz auf unbefestigten Wegen, also im Offroad- Bereich. Fahrzeuge, die überwiegend in solchen Gefilden unterwegs sind wie Kippsattel und –anhänger oder Tieflader, sind mit diesem Bremssystem also gut beraten.

Saisonaler Einsatz: Trommelbremse

Auch wenn ein Fahrzeug über das Jahr nur zu bestimmten Zeiten genutzt und ansonsten stillgelegt wird, eignet sich dem Experten zufolge eher das geschlossene System, unter anderem da Bremsbeläge von Scheibenbremsen „bei zu geringer Beanspruchung und während langer Stillstandzeiten zu verglasen“ drohten und sich Witterungseinflüsse beim offenen System stärker auswirken und diese beispielsweise korrodieren können. Davon betroffen seien auch Trailer im land- und forstwirtschaftlichen Einsatz oder Auflieger im multimodalen Verkehr, die „weite Strecken auf der Schiene oder dem Wasser und nur kurze Strecken auf eigener Achse“ zurücklegen.

Harter Einsatz: Trommelbremse

Grundsätzlich ist dieser Typ Bremse robuster ausgelegt und widerstandsfähiger, verzeihe daher auch mäßige Pflege, so Grahl. Diese Eigenschaft sei von besonderem Vorteil, wenn Auflieger mit wechselnden oder ebenfalls mit Trommelbremse ausgestatteten Zugmaschinen betrieben werden: „Die Scheibenbremse dagegen erfordert eine gute Zugabstimmung, damit der Trailer im Lastzug nicht überbremst“ – die Folge wäre ungleichmäßiger Abrieb an den Bremsbelägen und damit einhergehend ein Verlust an maximaler Lebensdauer.

Weniger Partikelemissionen: Trommelbremse unkomplizierter (Euro VII)

Zwar ist das geschlossene System unpraktischer für Wartungsarbeiten, da die Verschleißteile nicht so zugänglich sind. Allerdings könnte sich diese Einschätzung mit Einführung der Abgasnorm Euro VII, die voraussichtlich ab Juli 2027 gelten soll, ändern. Denn mit dieser Verfügung will der Gesetzgeber erstmals auch die Partikelemissionen regeln, die beispielsweise auch durch den Abrieb von Bremsbelägen entstehen. Und da punktet aktuell die Trommelbremse, weil hier der Verschleiß und damit auch die Partikelemissionen geringer ausfallen. Laut BPW sei es bei diesem System „voraussichtlich“ sehr viel einfacher, die unerwünschten Staubpartikel einzufangen, noch bevor sie in die Luft gelangen. Der Hersteller prognostiziert jedoch: „Auch für Scheibenbremsen wird es geeignete Lösungen geben, die aber einen größeren Aufwand erfordern könnten“.

E-Mobilität: eher Trommelbremse

E-Fahrzeuge werden von Pkw-Herstellern bereits mit einer Trommelbremse an der Hinterachse ausgestattet, berichtet BPW. Durch die Rekuperation wird Bewegungsenergie aus dem elektrischen Bremswiderstand beim Abbremsen der Achse zurückgewonnen und diese gewonnene Bewegungsenergie als elektrischer Strom zurückgeführt in die Antriebsbatterie. „Die Bremse an der Hinterachse von E-Fahrzeugen hat dadurch deutlich weniger zu tun als bei einem herkömmlichen Fahrzeug“. Wegen dieser Eigenschaft könnte bei E-Lkw der gleiche Effekt auftreten wie bei den saisonal oder im kombinierten Verkehr genutzten Fahrzeugen mit Scheibenbremse: eine mögliche Korrosion der Scheibe könne eine ungleichmäßige Abbremsung bewirken und die Lebensdauer verkürzen. Hier biete die Trommelbremse also Vorteile für elektrifizierte Lkw.

Onroad: Scheibenbremse

Für den Standard-Einsatz auf befestigten Straßen, für den Fern- wie den innerstädtischen Verkehr dagegen eigne sich die Scheibenbremse besonders. Zunächst in Lkw eingeführt, ist dieses System laut BPW heute auch für Trailer das übliche. Man beobachte hier, vorausgesetzt der Auflieger sei mit der Zugmaschine gut abgestimmt, unter anderem eine bessere „Bremsperformance“. Denn aufgrund des unterschiedlichen Konstruktionsprinzips reagiere diese Bremsenvariante bei sehr starker Beanspruchung weniger sensibel auf Überhitzung und das von der Trommelbremse her bekannte „Fading“, bei dem durch die Wärmeentwicklung die Bremsleistung nachlässt, entfalle hier.

Mehr Nutzlast: Scheibenbremse

Auch in Bezug auf das Gewicht erweist sich die Scheibenbremse gegenüber dem Trommelsystem als vorteilig. Zum Beispiel bringt die Trailerscheibenbremse ECO Disc (Bremsengröße TS2 4309, ET 120) im Dreiachs-Aggregat dreißig Kilogramm weniger auf die Waage, die Variante ECO Disc TS2 3709 sogar bis zu 90 Kilogramm. Das eingesparte Gewicht erhöht also die Nutzlast und kann ausschlaggebend sein, wo es auf jedes Kilogramm ankommt: zum Beispiel bei Tank-Silo-, Coil-, Papier- oder Getränketransporten.

Restwert des Trailers: Scheibenbremse

Laut BPW werden mit Scheibenbremsen ausgestattete Trailer im Zweitmarkt mehr nachgefragt und können daher zu höheren Preisen verkauft werden. Allerdings sinke der Wert auch wieder mit steigender Laufleistung.  

Wartungsaufwand: eher Scheibenbremse

Durch die offene Bauweise von Scheibenbremsen sind die Verschleißteile zumindest theoretisch leichter und schneller austauschbar. Allerdings lägen bei einem größeren Schaden mit Austausch des gesamten Bremssattels die Wartungskosten schnell deutlich höher als bei einer Trommelbremse, führt der Experte aus.

Hier betont das Unternehmen, dass die Reparaturfreundlichkeit beider Bremsentechnologien durch das patentierte „ECO Prinzip“ von BPW optimiert wurde, so dass sich Scheibe, Trommel und Beläge über eine zentrale Achsmutter „nach dem Formel-1-Prinzip“ besonders zeitsparend demontieren und montieren ließen. BPW: „Gegenüber herkömmlichen Wettbewerbslösungen macht das bei der ECO Disc im Dreiachser sogar bis zu drei Stunden Zeit- und damit Kostenersparnis in der Werkstatt aus“.

Systembedingt nachteilig wirke sich bei der Trommelbremse jedoch das “regelmäßige Abschmieren der Lagerung von Nockenwelle und Automatischem Gestängesteller“ aus, weswegen dieser Bremsentyp sorgfältigere Wartung erfordere. Andererseits seien hier Verschleißteile wie Trommel und Bremsbeläge auch wieder langlebiger als die Bremspads und Bremsscheiben der Scheibenbremse. BPW:

„Die Entscheidung für oder gegen ein Bremssystem ist gerade in diesem Punkt sehr individuell und abhängig von mehreren Faktoren wie den Standzeiten der Verschleißteile, Ersatzteilpreisen, der Haltedauer des Fahrzeugs und ob man beispielsweise eine eigene Werkstatt hat oder auf Fremdwerkstätten angewiesen ist“.

Preis: individuell verschieden

Je nach den individuellen Voraussetzungen kann bei der Wahl zwischen Scheiben- und Trommelbremse auch der Preis entscheidend sein. Dieser Punkt, so der Trailerexperte, sei aufgrund der vielen verschiedenen Flottenbedingungen der am schwierigsten zu bewertende Faktor. Maßgeblich sei die Preispolitik des Fahrzeugherstellers, in Bezug auf Verschleiß- und Ersatzteile auch diejenige der OE-Hersteller oder der Anbieter des freien Teilemarkts. Bei der Anschaffung, so Grahl, müssten zwischen Scheiben- und Trommelbremse nicht unbedingt große Preisunterschiede liegen. Jedenfalls könnten Flotten mit eigenem Servicebetrieb die Preise eindeutig besser einschätzen, „während alle anderen auf die Informationen der Werkstätten angewiesen sind“.

Mehr Informationen gibt es auf der Website von BPW.

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