Tiroler Fahrverbote: BGL veröffentlicht aktuellen Lagebericht

Seit Jahresbeginn hat Österreich die Sektoralen Fahrverbote für den Lkw-Transit durch Tirol erheblich verschärft – mit fatalen Folgen für deutsche Transportunternehmen.

(Symbolbid: Pixabay)
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Christine Harttmann

Bis Ende 2019 sei die Transitbeförderungen für zwei Drittel aller anfallenden Güter gesperrt gewesen, seit Anfang 2020 könnten 83,4 Prozent aller deutschen Lkw das Land nicht mehr durchqueren. Diese Rechnung macht der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) auf, nachdem er die ersten Rückmeldungen zur Situation deutscher Unternehmen erhalten hat.

Es zeige sich, dass die betroffenen mittelständischen Transportunternehmen Umsatzeinbrüche von etwa 40 Prozent hinnehmen müssen. Die Transportdauer und damit auch die Transportkosten hätten sich in etwa verdoppelt. Eine Fahrt von Deutschland nach Italien dauert demzufolge statt wie bisher fünf Stunden nun zusätzlich vier bis fünf Stunden –Zeit, die vor allem wegen der Rola verloren geht. Der Umstieg auf die Schiene kostet außerdem noch zusätzliches Geld, ein Aufschlag von noch einmal 30 Prozent auf die Transportkosten.

Ganz besonders leiden laut dem BGL die Unternehmer, die auf Verkehre zwischen Deutschland und Italien spezialisiert sind. Sie können oft über die Hälfte ihres Fuhrparks nicht nutzen, weil ihre Fahrzeuge zwar dem Euro-VI-Standard entsprechen, aber vor dem 1. September 2018 zugelassen sind und sie demzufolge nicht unter die Ausnahmeregelung fallen.

Diese insgesamt sehr unbefriedigende Situation schlägt dem BGL zufolge bereits auf die Fahrer durch, die unter den langen Stand- und Wartezeiten leiden. Durch das zusätzliche Tiroler Samstagfahrverbot kämen sie häufig am Wochenende nicht mehr nach Hause.

Schwierigkeiten gibt es außerdem mit der Rola, weil sie unzuverlässig fahre, keine ausreichenden Kapazitäten habe und auch in der Organisation vielfach problematisch sei, fass der BGL die Rückmeldungen der Unternehmen zusammen. Am Ende leiden dann die Kunden und folglich auch Kundenbeziehungen der deutschen Transportunternehmer.

Tiroler Spediteure hingegen stehen laut BGL bereit und übernehmen die Ladungen, ohne dass für die Mehrkosten anfallen. Sie können das Fahrverbot nämlich übergehen. Dafür nutzen sie die Ausnahmen für Quell- und Zielverkehre. Der Auftraggeber erteilt ihnen dafür formell zunächst den Auftrag zur Einlagerung der Waren und suggeriert anschließend mit deren Auslagerung, dass der Lkw in Tirol beladen wurde. Für die Behörden sei dies, so jeden falls sieht es der BGL, faktisch nicht zu überprüfen.

Auch die osteuropäischen Unternehmen seien gegenüber den deutschen im Vorteil, weil sie deutlich niedrigere Gehälter zahlen und demzufolge die Wartezeiten und andere Verzögerungen weniger kosten.

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