Timocom Transportbarometer: Ein wenig Licht schimmert am Horizont

Steigende Nachfrage nach Frachtangeboten und knappe Kapazitäten trotz höherem Laderaumangebot – im ersten Quartal des Jahres 2023 deutet sich eine leichte Trendumkehr an. Der Ausblick auf die kommenden Monate bleibt dennoch ungewiss.

Auch wenn einen Manches im ersten Quartal 2023 positiv stimmen kann - der Ausblick ist eher durchwachsen. (Foto: Pixabay)
Auch wenn einen Manches im ersten Quartal 2023 positiv stimmen kann - der Ausblick ist eher durchwachsen. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Gestiegene Energiepreise, Konsumzurückhaltung, hohe Lagerbestände und geringere Auftragseingänge prägten die Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres 2023. Der Ausblick auf das laufende Jahr ist uneinheitlich. Mehr als ungewiss sind auch die Auswirkungen auf die Transportbranche. Eine leichte Tendenz lässt sich allerdings erkennen: Seit März macht sich eine leichte Trendumkehr bemerkbar. Das ist das Fazit des Timocom Transportbarometer des ersten Quartals 2023.

Mit dem März kommt der Aufschwung 

Nachdem in den ersten beiden Monaten dieses Jahres nochmal deutlich weniger Frachtangebote eingestellt wurden als im Vorquartal, ist die Anzahl im März mit einem Plus von 42 Prozent europaweit wieder spürbar angestiegen. Erstmals seit Herbst 2023 zeigt sich also eine Trendumkehr beim Rückgang der Nachfrage an Laderaum. Das gesamte Quartal liegt laut der Statistik dennoch um 25 Prozent unter dem Vorquartal.

Was die Zahl der Eingaben an freiem Laderaum betrifft verzeichnet die Statistik im ersten Quartal 2023 einen deutlichen Anstieg. Im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt er bei 16 Prozent. Gegenüber dem vierten Quartal 2022 zeigt sich sogar ein Anstieg um 24 Prozent. Dies sei aber, so die Einschätzung von Tiomcom, eher eine Folge der geringeren Verfügbarkeit an Frachtangeboten und nicht etwa auf zusätzliche Kapazitäten am Markt zurückzuführen. Letztere bleiben knapp, nicht zuletzt auch wegen des Fahrermangels und der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Zudem bestätigen die Zahlen die steigende Tendenz aus dem Vorquartal, langfristige Verträge mit Dienstleistern abzuschließen und sich verfügbare Kapazitäten zu sichern.

Kontrakte sind im Kommen

Wohl wegen der in den vergangenen Jahren immer wieder stark gestiegenen Preise ist das Interesse an Kontrakten gestiegen. Auch ohne hohe Nachfrage würden sich die Preise robuster zeigen – dafür die Kosten zu stark steigen, sagt Prof. Dr. Christian Kille, Studiengangleiter an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt.

„In diesem Zusammenhang kann eine erfolgreiche Strategie in den nächsten Monaten mitunter darin bestehen, verfügbare Kapazitäten auf dem Spotmarkt zu suchen und zu einem geeigneten Zeitpunkt Kontrakte zu schließen.“

Zudem lässt sich beobachten, dass trotz des höheren Angebotes an Frachtraum und des damit steigenden Konkurrenzkampfes, der durchschnittlich angebotene Frachtpreis im Fernverkehr im Vergleich zum Vorjahr deutschlandweit um über sieben Prozent gestiegen ist. In Europa ist ein Anstieg von fast drei Prozent zu erkennen. Die deutlich gestiegenen Kosten lassen ein Absinken der Preise auf das Vor-Corona-Niveau nicht mehr zu.

Nachfrage und Angebot weitgehend ausgeglichen

Prozentual betrachtet seien Nachfrage und Angebot im ersten Quartal dieses Jahres europaweit weitgehend ausgeglichen, resümieren die Statistiker. Im Schnitt habe das Verhältnis von Fracht- zu Laderaumangeboten in Europa bei circa 59:41 gelegen. Das gleiche Bild zeige sich auch im innerdeutschen Transportmarkt. Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei Tiomcom, will zwar ein Aufhellen der Stimmung in der deutschen Wirtschaft erkennen. Dennoch stehe die Transportbranche weiterhin vor massiven Herausforderungen.

„Dabei haben viele Auftraggeber bereits damit begonnen, ihre Strategien im Transportwesen den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Dies spiegelt sich auch in dem Frachtaufkommen wider.“

Frankreich streikt

Als Problem identifiziert Timocom die flächendeckenden und anhaltenden Streiks in Frankreich. Sie führen zu Verzögerungen und Lieferengpässen. Spediteure werden gezwungen, alternative Routen und Transportmittel zu nutzen. Das erhöht den Kostendruck. Blockierten Straßen und Grenzübergänge sowie Streiks haben den Warenverkehr zwischen Frankreich und den Nachbarländern stark beeinträchtigt. Auch Deutschland ist betroffen. So ist bei den Transporten von Deutschland nach Frankreich ein Minus von 55 Prozent und in umgekehrter Richtung ein Rückgang von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. Auch die Transporte innerhalb von Frankreich haben abgenommen. Profitieren konnte davon ein anderes Land: Die Transporte von Italien nach Frankreich stiegen im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent.

Der Brenner, dauerhaftes Ärgernis in der Branche, hat ebenfalls erheblichen Auswirkungen auf den Straßengüterverkehr. An einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen für den internationalen Warenverkehr bremst die Lkw-Blockabfertigung die Fahrer regelmäßig über Stunden hinweg aus. Einen Auftrag nach Italien zu fahren ist daher für Viele unattraktiv. Die hohen Kosten und der hohe Zeitdruck machen es vielen Unternehmen schwer, profitabel zu arbeiten. Oft müssen alternative Routen und Transportmittel gefunden werden, um die Transportaufträge abwickeln zu können. Dies hat unter anderem auch Auswirkungen auf das Fracht- und Laderaumangebot. So lässt sich beispielsweise mit Blick auf die Relation Österreich nach Italien im ersten Quartal insgesamt ein Rückgang von 68 Prozent feststellen.

Post-Corona-Boom hat abgenommen

Demgegenüber scheint vor allem der italienische Export nur wenig von den wirtschaftlichen Turbulenzen zu spüren: Dieser hat im ersten Quartal deutlich zugelegt. Insgesamt hat der Post-Corona-Boom von 2022 jedoch wie erwartet abgenommen. Entgegen dem europäischen Trend ist in Italien ein Laderaumüberhang festzustellen. Schon im Januar rutschte der Frachtanteil auch im nationalen Verkehr unter 40 Prozent. Dabei waren die Frachtangebote im Februar und März zwar noch leicht rückläufig, aber weitestgehend stabil.

Im ersten Quartal 2023 gab es in Polen insgesamt rund 39 Prozent weniger Frachtangebote als im Vorjahresquartal. In demselben Zeitraum sanken auch die Einzelhandelsumsätze in Polen im Februar vergleichend zum Vorjahr um fünf Prozent – rund 3,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch die Industrieproduktion in Polen war rückläufig und sank im Jahresvergleich um 1,2 Prozent.

Der allgemeinen Entwicklung in Europa folgend, stieg das Frachtvolumen in Polen im März zum Vormonat jedoch um 40 Prozent. Als ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Europa bleibt Polen dynamisch.

Ungewisser Ausblick

Mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen am Transportmarkt ist wie im Vorjahr in den kommenden Feiertagswochen wieder ein deutlicher Anstieg an Fracht- und Laderaumangeboten zu erwarten. Gburek erwartet, dass sich der Trend bis bis Ende Mai weiter fortsetzt, bevor mit dem Ferienbeginn in NRW ab Ende Juni die Rate wieder abnimmt.

„Der restliche Verlauf des Jahres 2023 und die damit verbundenen Entwicklungen hängen zurzeit stark von den fortschreitenden Trends in der Wirtschaft ab.“

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