Studie: Städte sollten Letzte Meile in Eigenregie steuern

Das Beratungsunternehmen Arcadis kann auch in Corona-Zeiten keine Entlastung im Innenstadtverkehr erkennen. Vom "Innenstadt-Kollaps" ist die Rede.

Mithilfe welche Konzepte lässt sich die Letzte Meile entlasten? (Foto: Bluraz / Fotolia)
Mithilfe welche Konzepte lässt sich die Letzte Meile entlasten? (Foto: Bluraz / Fotolia)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Trotz vermehrtem Homeoffice sind die Straßen in Deutschlands Großstädten voll wie zu Vor-Corona-Zeiten. Das niederländische Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis sieht in einer Ende Dezember 2020 veröffentlichten Analyse die Innenstädte gar kurz vor einem „Logistik-Kollaps“. Getrieben werde der vom boomenden Onlinehandel und der damit verbundenen Lieferlogistik der Paketdienste, so das Unternehmen. Anbieter und Marktplätze profilieren sich Arcadis zufolge durch immer schnellere und punktgenauere Zustellung. Da es unter den Paketdienstleistern bisher wenig Kooperationen gebe, behinderten die unterschiedlichsten Flotten die Straßen und stießen Abgase aus. Die zunehmenden Lieferdienste für Lebensmittel und Getränke machen die Verkehrslage nach Ansicht von Arcadis noch angespannter.

„Wenn die Metropolen ihre innerstädtische Logistik jetzt nicht regulieren, hat das langfristige Folgen für ihre Klimabilanz“, warnt Marcus Herrmann, CEO Europe Central bei Arcadis. „Zudem verpassen sie die Chance, die gesamte City-Mobilität nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen.“

Zwar haben die Städte, Stand heute, noch keine direkten CO2-Strafen zu befürchten, argumentiert Arcadis. Perspektivisch müssten sie als Hauptverursacher von Treibhausgasen aber mit staatlichen Eingriffen rechnen, schließlich müssten die EU und die Bundesrepublik Klimaziele erreichen und hätten dazu bereits strengere Vorgaben für die Automobilwirtschaft, die Industrie und die Kapitalmärkte erlassen.

Paketdienste liefern bis zur Stadtgrenze

Als Lösungskonzept für eine klimaschonende Städtelogistik empfiehlt das Beratungsunternehmen eine urbane Logistik, die von einer eigens gegründeten städtischen Logistikgesellschaft gesteuert wird. Die Paketdienste liefern in diesem Konzept die Waren nur noch an zentrale Abholungsstationen an den Stadtgrenzen. Von dort werden sie über ein City-Logistik-Netz bestehend aus ÖPNV, E-Fahrzeugen und Lastenrädern weiterverteilt. Finanziert werden kann die städtische Logistikgesellschaft Arcadis zufolge durch teilhabende Unternehmen - etwa den Paketdiensten selbst, um Synergien zu heben und eine gute Koordination an Schnittstellen sicherzustellen.

„Für die Paketdienste mögen die Verbannung aus der Stadt sowie die ,Zwangsteilhabe' an der städtischen Gesellschaft ein harter Eingriff sein“, so Gordon Mauer, Logistikexperte bei Arcadis. „Doch auch sie profitieren davon, wenn geplante Investitionen für nachhaltigere und punktgenauere Lieferungen auf mehrere Schultern verteilt werden.“

Als Beispiel nennt Arcadis die Logistikgesellschaft Incharge, die in Düsseldorf Warenströme der verschiedenen Paketdienstleister an einem zentralen Lager im Gewerbegebiet „Düsseldorf-Hafen“ sammelt und sie, bestmöglich konsolidiert, auf der Letzten Meile in der City ausliefert. In Stuttgart seien zentrale Anlieferungshubs im neu entwickelten „Rosensteinviertel“ geplant, die in Randzeiten von den Logistikdienstleistern angefahren werden sollen.

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