Studie: Fahrerlose Trucks werden kommen

Roland Berger hat eine Studie zum autonomen Lkw veröffentlicht. Die Erkenntnis: Geister-Trucks werden der nächste wichtige Zukunftstrend in der Automobilindustrie.
Im Platooning ist nur ein Schritt hin zum vollkommen fahrerlosen Geister-Truck, meinen die Analysten von Roland Berger. (Foto: Volvo)
Im Platooning ist nur ein Schritt hin zum vollkommen fahrerlosen Geister-Truck, meinen die Analysten von Roland Berger. (Foto: Volvo)
Christine Harttmann

Die automatisierten Lkw könnten helfen, Probleme mit Lenkzeiten, Sicherheit und Betriebskosten zu lösen. Allerdings werden sich die Investitionen nicht so schnell rechnen. Erst fahrerlose Lkw werden die wirklich signifikanten Einsparungen bringen und bis dahin dauert es noch etwas. Das hemmt die Nachfrage in der Transportbranche. Dafür könnten strengere Sicherheitsvorschriften die Entwicklung beflügeln.

So lässt sich in Kürze das Ergebnis einer Studie zum automatisierten Lkw zusammenfassen, die Nutzfahrzeugexperten der Unternehmensberatung Roland Berger verfasst haben. „Automated Trucks - The next big disrupter in the automotive industry?“ analysiert den Stand der Technik und erfasst Vorteile sowie Schwierigkeiten für Hersteller und Transportunternehmen.

„Der Zeitpunkt rückt näher, an dem Lkw zunächst auf Autobahnen vermehrt von technologischer Intelligenz gesteuert werden“, ist Norbert Dressler überzeugt. Der Nutzfahrzeugexperte hat an der Studie mitgearbeitet. „Schon heute verfügen viele Lkw über Systeme wie Stauassistent oder Spurhalteassistent.“ Dressler rechnet damit, dass irgendwann Fahrzeuge unter allen Verkehrsbedingungen automatisch fahren können, eventuell ohne Fahrer. Dabei steigen die Kosten für die Technik mit jeder Automatisierungsstufe. Am Ende werden sie bei etwa 23.400 US-Dollar je Lkw liegen.

Andererseits sinken mit der zunehmenden Automatisierung die Betriebskosten. Insbesondere bei den Kraftstoff- und Fahrerkosten macht Dressler hohes Einsparpotenzial aus. Schon in einem ersten Stepp seien durch das Platooning Kraftstoffeinsparungen von rund sechs Prozent möglich. Wenn der Fahrer die vorgeschriebenen Ruhezeiten einlegen kann, während der Lkw autonom weiterfährt, erwartet Dressler noch einmal sechs Prozent, weil die Kosten für den Fahrer sinken. Sobald der Langstrecken-Lkw ganz ohne Fahrer unterwegs ist, könnten die Fahrerkosten sogar um 90 Prozent sinken. Sparpotenzial erwartet Dressler aber auch, weil mehr Sicherheit zu weniger Unfällen führt und so die Versicherungskosten weniger werden.

Allerdings, relativiert Dressler, hänge die Amortisationsdauer sehr stark vom Einsatzbereich ab: „Lkw im Fernverkehr mit Lkw-Korridoren könnten einfacher in Kolonnen fahren, sodass sich die Investitionen schneller bezahlt machen.“ Bei anderen Einsatzbereichen wird die Amortisation länger dauern, als die Flottenbetreiber in der Regel erwarten. Das Bild ändert sich wiederum, wenn die Kosten für Fahrer sinken. Dann ist eine schnellere Amortisation möglich.

Treibende Kraft bei der Automatisierung werden der Studie zufolge allerdings weder die Hersteller selbst, noch die Flottenbetreiber sein. Erstere hadern mit der ungeklärten Haftungsfrage, die Zweiten tun sich schwer mit der Investition. Helfen können da nur strengere Vorschriften, die die Einführung automatisierter Lkw vorantreiben. Dass automatisierte Lkw künftige Geschäftsmodelle beeinflussen, davon gehen die Autoren der Studie fest aus. Und wenn die Beteiligten unter Druck geraten, werden 
große Flottenbetreiber gegenüber selbstständigen Kraftfahrern im Vorteil sein. Sehr viel leichter können sie eigene Konvois bilden oder Kooperationen mit anderen Unternehmen eingehen.

Alles in Allem sprechen die Experten von Roland Berger der Automatisierung von Lkw erhebliche Vorteile und Chancen für die gesamte Transportbranche zu. Diese in die Praxis umzusetzen, werde jedoch nicht leicht sein. Dressler geht dennoch davon aus, dass die Technologie sehr viel früher zur Verfügung stehen wird, als sie von der Transportbranche angenommen wird. Er fordert Unternehmen, aber auch Branchenorganisationen und den Gesetzgeber dazu auf, sich rechtzeitig damit auseinandersetzen. „Denn die Art des Lkw-Fahrens und damit der Gütertransport insgesamt werden sich grundlegend verändern.“

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