StreetScooter: Deutsche Post könnte Käufer gefunden haben

Laut einer Recherche der Welt soll Odin Automotive alle Anteile an StreetScooter übernehmen.

Erst dieses Jahr ergänzte die Post die Modellpalette noch um die Version "Gigabox". | Foto: Deutsche Post/DHL
Erst dieses Jahr ergänzte die Post die Modellpalette noch um die Version "Gigabox". | Foto: Deutsche Post/DHL
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Wie die Tageszeitung die Welt berichtet, wurde im September 2021 in Luxemburg das Unternehmen Odin Automotive gegründet, das jetzt alle Anteile an StreetScooter Engineering mit Sitz in Aachen übernehmen wolle. Das gehe aus einer Anmeldung beim Bundeskartellamt hervor. An der Spitze von Odin stehe als Hauptgesellschafter der deutsche Manager Stefan Krause. Krause, aktuell in der Investmentbranche tätig, war bereits Vertriebs- und Marketingvorstand bei BMW, anschließend unter anderem Vorstand bei der Deutschen Bank und Gründer des E-Auto-Start-ups Canoo.

Weitere Gesellschafter des StreetScooter-Kaufinteressenten Odin sind der Welt zufolge der in Singapur lebende Finanzexperte Djamal Attamimi vom indonesischen Kohleminenkonzern Toba Bara sowie der Manager und Unternehmer Matthew Paul Richards vom indonesischen Telekommunikationsunternehmen Trikomsel Oke.

Die Post wollte mit dem vor sieben Jahren übernommenen Unternehmen ihre Flotte auf Elektroantrieb umstellen und nahm tausende Streescooter in ihren Fuhrpark, da diese sich als besser erwiesen als die damals teils noch (zu) teuren Angebote der etablierten Autoindustrie. Schon bald übernahm der größte Kunde das Start-up und bemühte sich weiter um Drittkunden – trotzdem rechnete sich StreetScooter für die Post nicht – auch weil es keinerlei Synergien mit irgendwelchen Konzernteilen des Logistikers gab, der selbst sein mit Abstand größter Kunde war. Der Logistikkonzern hat stets betont, nicht langfristig als Autohersteller tätig sein zu wollen.

Die Produktion hätte bereits 2020 auslaufen sollen. Stattdessen kam jetzt noch die "Gigabox"

Bereits 2020 sollte StreetScooter verkauft werden, allerdings hatte die Pot selbst noch weiteren Bedarf an den Fahrzeugen, deren Produktion so noch weiterlief. Noch füpr 2021 plante die Post für sich selbst die neue Version „Gigabox“. In der Folge sollte Streetscooter im schlechtesten Fall zum Betreiber seiner eigenen Bestandsflotte umgebaut werden. Ein größeres Angebot etablierter Hersteller neben Streetscooter (mit sicher viel günstigeren Leasingkosten) bewog die Post dazu, mittel- bis langfristig wieder E-Modelle anderer, etablierter Marken zu nutzen. Bis 2030 sollen 60 Prozent der weltweiten Lieferfahrzeuge für die letzte Meile elektrisch angetrieben werden – für den Konzern wären dann mehr als 80.000 E-Fahrzeuge auf der Straße unterwegs. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 18 Prozent.

Die durch das Aus der E-Transporter-Fertigung bei StreetScooter verursachten Abschreibungen wurden von der Post zuletzt auf 400 Millionen Euro beziffert. Zu den Kaufabsichten von Odin Automotive wollte sich der Konzern auf Anfrage der Welt nicht äußern. Von StreetScooter war keine Stellungnahme zu erhalten. Das Manager Magazin hatte bereits Mitte September vom Interesse des Ex-BMW-Vorstands Krause an StreetScooter berichtet und angebliche 100 Millionen Euro Kaufpreis genannt.

Was bedeutet das?

StreetScooter wurde sehr rasch von der Zeit überholt: Das Produkt bräuchte mittlerweile dringend ein technisches Update und einen Vertrieb, der auf diverseste Branchen spezialisiert ist, die man gezielter ansprechen kann. Dazu müsste man die Preise senken, die Stückzahlen erhöhen und den Vertrieb internationalisieren. Keine leichte Aufgabe für die neuen Eigentümer, trotzdem bietet das Konzept eine immer noch interessante Basis.

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