Stadtlogistik: Unterirdisches Transportsystem für Logistikzentrum

Nach erfolgreicher Machbarkeitsstudie folgt die konkrete Planungsphase für das innovative Logistikkonzept. Das soll das Verkehrsaufkommen verringern und das Klima entlasten. Projektbeginn im Oktober 2020.

So wird ein Loop draus: Das Projekt für ein Röhrensystem in Hamburg zur nachhaltigeren Stadtlogistik darf starten. | Foto: Four Parx
So wird ein Loop draus: Das Projekt für ein Röhrensystem in Hamburg zur nachhaltigeren Stadtlogistik darf starten. | Foto: Four Parx
Daniela Kohnen
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Das Logistikkonzept des Hamburger Projektentwicklers Four Parx mit einem unterirdischen Röhrensystem zur Anbindung an ein Logistikzentrum nimmt konkrete Formen an. Nach der erfolgreichen Machbarkeitsstudie will man jetzt in die konkrete Planung und Umsetzung einsteigen.

Für die Studie hatte der Immobilienspezialist die Smart City Loop GmbH beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur unterirdischen logistischen Ver- und Entsorgung der Innenstadt von Hamburg zu erstellen. Das zu prüfende Konzept sah vor, ein Lager in einer Distanz von ca. fünf Kilometern mit einem Verteilzentrum („City“) in der Innerstadt zu verbinden.

Im Zentrum der Studie standen als Hauptthemen das Konzept einer Innenstadtlogistikimmobilie, das Transportsystem, die Suche nach geeigneten Flächen für die Errichtung der Distributionszentren sowie die Wirtschaftlichkeit und Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Verkehr. Untersuchungsgegenstände waren unter anderem geeignete Fördertechniken, geologische sowie topografische Anforderungen, Bautechniken und rechtliche Bewertungen, die Gestaltung und Ausstattung der Logistikimmobilien sowie die Nutzungskosten, der Einfluss auf Verkehr und Umwelt etc.

Technisch und wirtschaftlich machbar

Die Studie komme nun zu dem Ergebnis, so der Immobilienentwickler, dass die unterirdische Transportlösung technisch durchführbar sowie wirtschaftlich betreibbar ist und darüber hinaus einen beträchtlichen Beitrag zur Senkung von CO2-Emissionen sowie der Verkehrsbelastung der Stadt leisten könne. Demnach könnte über das Röhrensystem – bei einem eventuell möglichen 24 Stunden/300 Tage Betrieb – in den beiden Hubs eine Lieferkapazität von rund 2,7 Mio. Paletten pro Jahr verarbeitet werden. Dies entspricht ca. 540.000 Transportfahrten und bedeutet eine CO2-Einsparung von über 10.000 Tonnen pro Jahr.

Handlungsbedarf gegeben

Im Laufe der Projektentwicklung wurden intensive Kontakte zu Hamburger Institutionen wie der Logistik Initiative Hamburg, der Hafengesellschaft sowie namhaften Hamburger Logistikunternehmen aufgebaut. Die Behörde für Wirtschaft und Innovation begrüßt die Idee einer Umsetzung des Projektes in Hamburg und hat in einem Letter of Intent (LoI) die Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Grundstücken für das Projekt zugesagt.

„Die ständig wachsenden Transportvolumina machen mit Blick auf die zunehmenden Stau-, Lärm- und Abgasproblematiken der Städte die Suche nach alternativen Transportsystemen immer dringender“, sagt Francisco J. Bähr, Geschäftsführender Gesellschafter von Four Parx.

Es sei nunmehr das Ziel, gemeinsam mit der Stadt Hamburg und Smart City Loop, in die Realisierungsphase des Projektes treten zu können, so Bähr weiter. Während viele Städte bereits an einer Verkehrswende arbeiten, richtet sich der Fokus dabei vor allem auf den Personenverkehr sowie eine Steuerung wachsender Transportvolumina aus dem Paketbereich. Da dieser Transportbereich nur einen kleineren Teil des gesamten Warenaufkommens einer Stadt ausmacht, fehlen ganzheitliche Lösungsansätze auf der Grundlage einer Betrachtung des Gesamtwarenverkehrs.

Visionär: Unterirdirsche Ver- und Entsorgung

Ein möglicher Lösungsweg sei die unterirdische Ver- und Entsorgung über ein Röhrensystem. Da man zur Zeit am Standort Wilhelmsburg in Hamburg seine erste zweistöckige Logistikimmobilie („Mach2“) mit ca. 102.000 qm Nutzfläche errichtet, und die Stadt Hamburg zu einer der am stärksten verkehrsbelasteten Städte in Deutschland gehört, entschied sich Four Parx, Hamburg als geeigneten Standort für eine solche Lösung zu prüfen. Dazu hatte der Projektentwickler im vergangenen Jahr die Smart City Loop GmbH beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur unterirdischen logistischen Ver- und Entsorgung der Innenstadt von Hamburg zu erstellen. Das zu prüfende Konzept sieht vor, ein Lager in einer Distanz von ca. fünf Kilometern mit einem Verteilzentrum („City“) in der Innerstadt zu verbinden.

„In der Vergangenheit ist oft argumentiert worden, unterirdische Transportsysteme seien zu kostenaufwändig oder nicht realisierbar. Im Fall der Machbarkeitsstudie für die Stadt Hamburg konnte klar gezeigt werden, dass dies nicht der Fall ist", kommentierte Christian Kühnhold, Geschäftsführer von Smart City Loop.

Zustellung auf der letzten Meile mit e-Cargobikes

Four Parx hat auch für die Versorgung der Städte auf der letzten Meile eine spezielle innerstädtische Logistikimmobilie („City“) entwickelt, welche sich platzsparend in ein städtisches Bild einfügt. Diese verfügt über 12.000 qm Nutzfläche, die sich über sechs Stockwerke aufteilt. Damit diese Logistikimmobilie eine nachhaltige Akzeptanz in der Kommunalpolitik, der Bevölkerung und der Wirtschaft findet, ist ein innovatives und umwelt- sowie umfeldentlastendes Transportkonzept erforderlich. Bei der Suche nach einer Lösung für eine die Stadt entlastende Transportlösung war der Entwickler auf das Konzept von Smart City Loop aufmerksam geworden, welches die Städte auf der so genannten vorletzten Meile über eine unterirdische Transportröhre versorgen soll. Auf der letzten Meile vom mehrgeschossigen „City“- Gebäude zum Kunden hat der Projektentwickler eine Transportlösung ohne Verbrennungsmotoren vorgesehen (e-Bikes, Fahrradkuriere, oder Elektro- bzw. Wasserstofffahrzeuge).

Weitere Schritte geplant

Als weitere Schritte hat das von Four Parx geführte Konsortium nun diverse Planungsvorbereitungen für die Umsetzung vorgesehen, die Identifikation potenzieller Investoren für den Bau der Röhre sowie die Flächensuche für die Errichtung der Distributionszentren in Hamburg Mitte respektive Altona. Nach erfolgreicher Implementierung der Lösung könnten weitere Städte in Deutschland und Europa folgen, kündigte man an.

 

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