Skandi Network: Sieben Pharmalogistiker gründen Allianz

Das aktiv temperaturgeführte Skandi Network startet in 22 europäischen Ländern und will bis Ende 2025 bis zu 36 Staaten abdecken. Transporte für Pakete und Paletten geplant.

Die sieben Gründungsmitglieder von Skandi Network plus Geschäftsführer Rudy Smets . | Bild: Skandi Network
Die sieben Gründungsmitglieder von Skandi Network plus Geschäftsführer Rudy Smets . | Bild: Skandi Network
Nadine Bradl
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Sieben auf die Healthcare Logistik spezialisierte Transportdienstleister haben sich unter dem Namen Skandi Network in einer europäischen Allianz zusammengeschlossen. Das internationale Netz konzentriert sich ausschließlich auf Sendungen für die Healthcare-Branche und transportiert diese temperaturgeführt nach den EU-GDP-Vorgaben für Arzneimittel

„Immer mehr Unternehmen der Healthcare-Industrie wünschen sich internationale Distributionslösungen, mit denen sie zuverlässig die GDP erfüllen können, die Regeln der EU-Good Distribution Practice für Pharmatransporte”, so Rudy Smets, Geschäftsführer der neu gegründeten Allianz.

Skandi Network kombiniere die Kapazität und das Know-how führender europäischer Spezialisten auf dem Gebiet aktiv temperaturgeführter Transporte und der Verteilung von Life-Science-Produkten, so Smets weiter. All das brächte man in ein europäisches Netz ein, so dass alle Beteiligten profitierten: Versender, Empfänger, Patienten, Transportfirmen und die Umwelt.

Für Morten Studsgaard, CEO des nordeuropäischen Skandi-Mitglieds BHS Logistics, liegt der Hauptvorteil für Versender darin, “dass sie Experten für temperaturgeführte Transporte nach GDP-Standards einfach, sicher und kostengünstig für ihre internationalen Sendungen beauftragen können.”

Bei den Skandi-Mitgliedern werde die Kombination nationaler und internationaler Sendungen in einem Netz zu höherer Auslastung führen, und sei ein ideales Tool, um Qualität zu erhöhen sowie Kosten und Emissionen zu senken.

Gemeinsame Datenintegration

Laut Paul Wilkinson, Präsident des britischen Skandi-Mitglieds Movianto UK, ist das Collaborative Information Platform System (CIPS) einer der wichtigsten Vorzüge von Skandi Network. Das IT-Tool sei speziell für das Netzwerk entwickelt worden. Die Software greift alle Daten internationaler Sendungen aus den IT-Systemen der Skandi-Mitglieder ab und macht sie über eine gemeinsame Bedienoberfläche zugänglich.

„Nehmen sie beispielsweise eine Sendung von Dänemark nach Portugal”, erläutert Wilkinson. „Dank CIPS wird es nicht nur für die Skandi-Mitglieder, sondern auch für ihre Kunden und Empfänger möglich sein, direkt nach dem Zustellscan den kompletten Temperaturverlauf der Sendung zu sehen.”

Die Informationen sollen sowohl auf Sendungs- wie auf Packstückebene abrufbar sein. CIPS soll dabei auch neuen Skandi-Mitgliedern die Mitarbeit in der Allianz erleichtern, denn sie könnten dafür ihre bestehende Hard- und Software weiternutzen.

Die Information darüber, wo eine Sendung ist, wo sie hingeht und in welchen Temperaturbereich sie gehört, ist überdies eine wesentliche Voraussetzung, um die angestrebte Sendungskonsolidierung umzusetzen. Die Informationen sollen in jedem der zehn strategischen, regionalen Konsolidierungsknoten des Skandi Networks multinationale Sendungsbündelung ermöglichen.

„Und wichtig ist nicht zuletzt,” so Wilkinson, „dass durch dieses Tool Kunden und Empfänger in Echtzeit auf die Informationen zugreifen können und volle Transparenz erhalten.”

Skandi Network unterscheide sich von bestehenden Transportnetzen dadurch, dass es sich ausschließlich auf Sendungen mit Healthcare-Produkten konzentriert. Dazu gehören etwa Arzneimittel, Diagnostika, Medizinprodukte oder Impfstoffe. Sie werden sowohl an Krankenhäuser, Apotheken, Pharmagroßhändler, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Labore, aber auch an Heimpatienten oder Pharmavertreter geliefert. Die meisten dieser Produkte sind temperaturempfindlich und benötigen eine kontrollierte Temperaturführung in den Bereichen 2 bis 8, 15 bis 25 oder sogar minus 25 Grad Celsius. Skandi Network wird sich auf Pakete und Sendungen mit bis zu fünf Paletten konzentrieren.

Die Netzwerkmitglieder im Überblick

Im Skandi Network haben sich folgende sieben Unternehmen zusammengeschlossen (in Klammern die Länder, die von ihnen bedient werden):

  • Arra Group (Polen)
  • BHS Logistics (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen)
  • BL Turkey Biopharma Logistics (Türkei)
  • Eurotranspharma (Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Spanien, Tschechien und Slowakei sowie über Partner auch Deutschland, Österreich und Slowenien)
  • Movianto UK (Großbritannien)
  • PHSE (Italien)
  • Rangel Logistics Solutions (Portugal)

Damit decken Mitglieder des Networks von Beginn an 22 Länder ab. Ziel sei es, bis spätestens Ende 2025 mit Mitgliedern den Service in 36 Ländern anbieten zu können. Schon heute haben die Mitglieder der Allianz mehr als 4.000 Beschäftigte, sie steuern 4.780 Fahrzeuge mit aktiver Temperaturführung, betreiben an zehn strategischen Punkten regionale Konsolidierungsknoten, 165 temperaturgeführte Depots und transportieren jährlich fast 15 Millionen temperaturgeführte Sendungen.

Für einen weltweiten Sendungsaustausch unterstützen sich Life Logistics Network und Skandi Network gegenseitig als „Supporting Partner“. Life Logistics Network ist ein weltweiter Zusammenschluss von Speditionen mit Pharma-Schwerpunkt, die durch die Partnerschaft Zugang zum Skandi Network erhalten. 

Nachhaltigkeit im Netzwerk

„Eines der strategischen Themen von Skandi Network und einer der Hauptgründe für seine Gründung ist Nachhaltigkeit”, fügt Nuno Rangel, CEO der portugiesischen Rangel Logistics Solutions, hinzu. “Als einzelnes Unternehmen ist es für einen Logistikdienstleister nahezu unmöglich, wirklich ein vertrauensvoller und verantwortlicher Teil der Lösung für eine nachhaltige Weiterentwicklung der europäischen Life Science-Industrie zu werden. Gemeinsam ist es möglich!”

So könnten die Mitglieder laut Rangel zwei große Nachhaltigkeitsziele erreichen und zwei konkrete nachhaltige Vorteile anbieten. Das erste Ziel sei, zu untersuchen, was realistische Lösungen für nachhaltige Kraftstoffe, Fahrzeuge und Kühltechnik sein können. Im zweiten Schritt soll ein Nachhaltigkeitsfahrplan entworfen werden, der die erfolgreichsten Schritte von Mitgliedern zusammenführt. So sollen im Skandi-Netz bis 2030 die CO2-Emissionen entsprechend dem Pariser Klimaschutzabkommen sinken und spätestens bis 2050 das Ziel von Null CO2-Emissionen erreicht werden.

Neben solchen Best-Practice-Modellen soll auch die Kombination nationaler und internationaler Sendungen zu höherer Transportbündelung auf der Langstrecke und zu einem höheren Drop-Faktor (Menge, die bei einem Empfänger zugestellt wird) führen. Zweitens erübrige sich durch die aktive Temperaturführung Produktion, Transport und gegebenenfalls Rückführung  von Passiv-Verpackungen, die ansonsten zu höheren Transportgewichten, zusätzlichen Rücktransporten sowie höheren Entsorgungskosten führen.

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