Setlog: Frachtkosten explodieren bis weit nach Weihnachten

Das Bochumer Softwarehaus Setlog hat seine zweijährige Analyse zum Thema Supply Chain Management abgeschlossen und seine Prognosen veröffentlicht. Diese sind für Verlader alles andere als rosig.

Zwischen China und Europa gibt es seit Monaten Kapazitätsengpässe in der Seefracht. (Foto: Diego Fernandez/unsplash)
Zwischen China und Europa gibt es seit Monaten Kapazitätsengpässe in der Seefracht. (Foto: Diego Fernandez/unsplash)
Radosveta Angelova

Das Softwareunternehmen Setlog führte von Juli 2019 bis Juli 2021 eine Analyse von rund 100 Marken durch, die Setlogs SCM-Software OSCA verwenden. Die Ergebnisse lassen zu wünschen übrig: Fehlende Frachtkapazitäten und explodierende Transportkosten für Waren aus Fernost stehen auf der Tageskarte. Laut Analysen des Softwareexperten soll sich voraussichtlich an der Situation bis weit nach Weihnachten nichts ändern. Die Experten prognostizieren Lieferverzögerungen, Kapazitätsengpässe und Frachtraten auf hohem Niveau bis mindestens Ende Januar 2022. Frühestens zu Ostern werde sich die Lage etwas entspannt haben, betonen die Fachleute.

Ralf Düster, Vorstandsmitglied von Setlog erklärt:

„Zwar sind neue Schiffe und Container bestellt, aber es dauert Monate diese in den Verkehr zu bringen. Unvorhersehbare Ereignisse wie die Havarie der Ever Given im Suezkanal, die Schließung des Hafens Yantian oder vor Kurzem die Teilschließung des Hafens in Ningbo verschlimmern die Situation dann noch.“

Der globale Güterverkehr ist bereits seit Monaten an seiner Belastungsgrenze angelangt, Importeure von Konsumgütern aus Asien treffe es dieses Jahr am härtesten. Ein Mix aus verschiedenen Ursachen habe dazu geführt: Auf der einen Seite spielen die durch die Pandemie ausgelösten Effekte verlangsamter Lieferketten und überlaufender Lager noch immer eine entscheidende Rolle. Zum anderen gab es von einigen Branchen und Importeuren erhöhte Nachfragen, während Reeder indes ihre Kapazitäten heruntergefahren hatten, um die Preise auf hohem Niveau zu halten. Verschärfend komme hinzu, dass es in Asien zu einem Exportboom gekommen sei, der die Nachfrage nach freien Transportkapazitäten zusätzlich treibe.

Bisheriger Höhepunkt der Preisexplosion im Bereich Seefracht von China nach Europa war der Transport eines 40-Fuß High Cube-Containers, für den 20.000 US-Dollar bezahlt wurden. Das entspricht je nach Relation, Reederei und Loop dem Sechs- bis Achtfachen – verglichen mit den Preisen vor der Pandemie. Für den Transport von Weihnachtsartikeln aus Asien auf dem Seeweg prognostiziert Setlog, je nach Produktionsland, den sechs- bis achtfachen Preis verglichen mit dem Niveau des Jahres 2019. Außerdem sei die Ware aus Asien im Schnitt acht Tage länger unterwegs gewesen als vor der Pandemie – insgesamt ergebe die Berechnung von Setlog eine Dauer des Seecontainertransports von bis zu 42 Tagen. Auch hier spielen unter anderem abgesagte Fahrten (Blank Sailings), langsame Schiffe und verzögerte Löschungen an den Bestimmungshäfen eine Rolle, so die Analyse des Softwareunternehmens.

Zusätzlich kam es zu Volumenrückgängen in der Luftfracht, da die sonst per Flug transportierten Textilien und leichten Konsumgüter in den überfüllten Lagern vorrätig gewesen seien, und die Mengen nur langsam abgebaut werden konnten. Und auch der Bahnverkehr stieß an seine Leistungsgrenzen, sodass Kapazitätsengpässe auftraten, die – mit verzögerter Zollabfertigung in China – aktuell für Verspätungen von bis zu zwei Wochen sorgen würden. Die Daten ergeben, dass derzeit Buchungen vier bis sechs Wochen vor dem Abfahrttermin des Zugs vorgenommen werden, so Setlog. Auf die angespannte Lage im weltweiten Güterverkehr reagierten bereits einige Unternehmen: Die Führungsriege von KiK und Rossmann prognostizierten Anfang Juli, dass Preiserhöhungen im Handel kommen würden. Und Wirtschaftsexperten schließen derzeit nicht mehr aus, dass die Inflationsrate hierzulande vorübergehend auf vier Prozent steigen könnte.

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