Seefracht: Beherzt gegen die Schädlinge

Für die Schädlingsprävention beim Im- und Export per Schiff sind die Anforderungen komplex. Oft werden dabei die Waren begast – eine komplexe Behandlungsmethode, wie das Beispiel der „Morgenstond 1“ zeigt.

Die Experten von S&A Service und Anwendungstechnik rückten mit großer Ausrüstung an, um Maschinenteile für die Windenergiebranche für den Transport gegen Schädlinge zu wappnen. (Foto: S&A Service und Anwendungstechnik)
Die Experten von S&A Service und Anwendungstechnik rückten mit großer Ausrüstung an, um Maschinenteile für die Windenergiebranche für den Transport gegen Schädlinge zu wappnen. (Foto: S&A Service und Anwendungstechnik)
Christine Harttmann

Für Waren im Schiff, die in die EU importiert oder aus der EU exportiert werden, sind die Anforderungen an die Schädlingsprävention und -bekämpfung hoch. Ob Produkte, Paletten, Verpackungen, Baumstämme – immer muss individuell eine gut geeignete Behandlungsmethode gewählt werden, damit Wert und Qualität erhalten bleiben.

Oft führen Spezialfirmen die Begasung der Ware direkt im Transportbehälter des Schiffes so durch, dass dabei keine Rückstände zurückbleiben – so auch beim Frachtschiff „Morgenstond 1“. In einem Zeitraum von insgesamt vier Tagen mussten im Auftrag eines Kunden aus der Windenergiebranche insgesamt sieben Stapel mit Maschinenteilen auf dem Frachtschiff im Rostocker Hafen begast werden.

Wie Tim Szemjonneck, Technischer Direktor bei S&A Service und Anwendungstechnik, berichtet, konnten die sperrigen und schweren Ladungsteile nicht in die dafür vorgesehene Halle gebracht werden. In Abstimmung mit allen Beteiligten sei die Begasung der Ware daher im Schiffsladeraum organisiert worden. Die Experten gingen dabei schrittweise vor.

Vorbereitungen und Einrichtung des Sicherheitsbereichs

Nachdem das Team mitsamt dem Spezialequipment im Rostocker Hafen angekommen war, wurde mittels Absperrband ein gesicherter Bereich entlang der Anlegestelle eingerichtet und die Gerätschaften vor dem Schiff und auf dem Schiff abgeladen. Ein vorbereitender Check der Mess- und Funkgeräte sollte im Anschluss sicherstellen, dass die Gaszufuhr und -konzentration zuverlässig überwacht werden kann und wichtige Absprachen zwischen den Kollegen während des Begasungsvorgangs stattfinden können.

Abdichtung des Behandlungsbereiches

Der aufwendigste und wichtigste Schritt sei, so berichtet Szemjonneck, die komplette Abdichtung des Transportbehälters des Schiffes gewesen. Damit während der Behandlung kein Gas entweichen kann war dabei besondere Sorgfalt gefragt. Üblicherweise werden rieselfähige Vorratsgüter im Transit, also direkt vor Ort, mit Phosphorwasserstoff behandelt. Das Team der S&A allerdings entschied sich allerdings für eine Begasung mit Sulfuryldifluorid. Dies habe an den Metallteilen und am Schiff keine korrosive Wirkung, so Szemjonneck. Eine weitere Herausforderung: Corona-bedingte Einschränkungen sowie der Tidenhub ließen eine Evakuierung der Crew nicht zu. Also wurde ein Konzept zur sicheren Durchführung der Behandlung im Beisein der Crew erarbeitet. Um die Sicherheit aller zu gewährleisten, wurde die Begasung über den gesamten Behandlungszeitraum durch mindestens einen Begasungsleiter vor Ort überwacht.

Installation der Lüfter und Düsen und Verlegen der Begasungsleitungen

Damit sich das Gas gleichmäßig im Schiffsladeraum verteilt und so eine komplette Schädlingsbekämpfung sichergestellt ist, installierte das Team von S&A im Laderaum an ausgewählten Stellen Lüfter und Düsen. Im Anschluss erfolgte die Verlegung der Begasungsleitungen in den Transportbehälter. Um die angestrebte Behandlungszeit von 48 Stunden im Laderaum ohne Verzögerung zu ermöglichen, wurde vorab am Kai die kalkulierte Menge des Begasungsmittels den jeweiligen Ladeluken zugeordnet. Nachdem der „Last Minute Fumigation Check“ (LMFC = Einleitung von zehn Prozent der nötigen Begasungsmittelmenge in Hold 1 mit einer kontinuierlichen Konzentrationsüberwachung in den Mannschaftsräumen) positiv ausgefallen war, standen insgesamt fünf Eingasleitungen zur gleichzeitigen Applizierung des Begasungsmittels in den Laderaum zur Verfügung.

Einleitung des Gases und Überprüfung auf Leckagen

Nach einer letzten Besprechung wurden dann die Gasflaschen geöffnet und das Sulfuryldifluorid strömte kontrolliert durch die gelegten Leitungen in den Laderaum der „Morgenstond 1“. Um ein unbemerktes Entweichen des Gases zu verhindern, wurden die Verbindungsstücke der Leitungen noch einmal mit Messgeräten auf austretendes Gas gecheckt.

Überwachung der Gaskonzentration

Mittels Permanent-Messgeräten wurde über den gesamten Begasungszeitraum geprüft, ob die Gaskonzentration im behandelten Bereich über einem bestimmten Schwellenwert lag. Dies war notwendig, um feststellen zu können, ob Gas entweicht und damit der geplante Behandlungszeitraum eingehalten werden konnte.

Entlüftung des Schiffsladeraums

Nach Abschluss der Begasung wurde das Sulfuryldifluorid aus dem Transportbehälter nach oben in die Umgebungsluft freigegeben. Da die „Morgenstond 1“ nur über ein leistungsarmes Belüftungssystem verfügt, stellte von S&A dafür zusätzliche leistungsstarke Ventilatoren bereit. Als Lüftungsschächte wurden die sogenannten Mannlöcher genutzt, die als Röhren bis auf den Boden der jeweiligen Laderäume führen. Im Anschluss wurde im Abstand von einigen Stunden an verschiedenen Stellen wiederholt gemessen, ob noch Rückstände des Gases vorhanden waren.

Die Dauer des Entlüftungsprozesses ist wetterabhängig und kann bei Schiffen bis zu 24 oder auch 36 Stunden dauern. Aufgrund der ungünstigen Windrichtung und -stärke wurden die Ventilatoren bei der „Morgenstond 1“ etwa 24 Stunden lang zum Ausblasen des Gases genutzt. Als keine Gasrückstände mehr nachgewiesen werden konnten, war die Behandlung abgeschlossen und die Waren haben ein Zertifikat über die erfolgten Maßnahmen für die Abnahme im Zielhafen erhalten.

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