Schifffahrtsbranche setzt Kurs Richtung Klimaschutz

Bei der Jubiläumsausgabe der Weltleitmesse SMM in Hamburg zeigte sich die maritime Wirtschaft entschlossen, die Energiewende in Angriff zu nehmen.

Eine „grüne“ Seeschifffahrt war auch Thema der begleitenden Diskussionspanels. (Foto: SMM)
Eine „grüne“ Seeschifffahrt war auch Thema der begleitenden Diskussionspanels. (Foto: SMM)
Claus Bünnagel

Nach vier Jahren Wartezeit traf sich die internationale maritime Community wieder zur SMM in Hamburg: 2.000 ausstellende Unternehmen und mehr als 30.000 Fachbesucher aus über 100 Ländern bildeten damit für vier Tage die „United Nations of Shipbuilding“. Die maritime Energiewende und die dafür notwendige Technologie sowie der klare Wille zum Wandel bildeten den roten Faden auf dem komplett belegten Messegelände und im begleitenden Konferenzprogramm der SMM.

Grußbotschaft des Bundeskanzlers

Bundeskanzler Olaf Scholz, Schirmherr der SMM, sagte in einer Videobotschaft, es sei mehr als willkommen, dass die SMM ihren Fokus auf klimafreundliche Technologien gelegt habe, denn „jede Innovation im maritimen Sektor nützt der globalen Ökonomie als Ganzes“. Die Maritime Koordinatorin der Bundesregierung, Claudia Müller, lobte das Motto „Driving the maritime transition“ der 30. SMM.

Keine Frage: Auf der SMM 2022 hat die Branche den Kurs in Richtung Klimaneutralität gesetzt. Das Ziel steht: klimaneutrale Schifffahrt bis 2050. Gebraucht werden dafür praktikable Lösungen von Ingenieurdienstleistern, Werften und Zulieferern, aber auch von Treibstoffproduzenten.

Technologien für die Energiewende

Auf der SMM als internationaler Plattform der maritimen Industrie vom Start-up bis zum Weltmarktführer stellte beispielsweise der Antriebsspezialist Wärtsilä Voyage sein neues Fleet Optimisation System (FOS) vor.

Die ganzheitliche Datenanalyse-, Reiseplanungs- und Flottenleistungsplattform kann maritimen Akteuren helfen, Schiffe und Flotten mit optimaler Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit zu betreiben. (Sean Fernback, President von Wärtsilä Voyage)

Der Motorenhersteller Rolls-Royce präsentierte Brennstoffzellenkonzepte, Hybridsysteme und Motoren, die mit E-Methanol laufen sollen.

Wir setzen für die Zukunft ganz klar auf diesen Schiffskraftstoff und wollen hier als Pionier vorangehen. (Denise Kurtulus, Vice President Global Marine bei Rolls-Royce)

Die Mecklenburgische Metallguss (MMG) hat strömungsoptimierte Schiffspropeller im Portfolio, mit denen beispielsweise Hapag-Lloyd zahlreiche seiner Bestandsschiffe nachrüstet. Sprit- und CO2-Ersparnis: mehr als 10 %. Der Technologiekonzern ABB zeigte einen neuen Halbleiterleistungsschalter für die nächste Generation von sicheren und energieeffizienten Gleichstromsystemen. RWO, ein führender Anbieter von smarten Wassermanagementlösungen, hat im Rahmen der Weltleitmesse seinen neuesten Ölabscheider (OWS) vorgestellt.

Großes Thema Nachrüstung

Nachrüstung – also Retrofitting – war ohnehin eines der großen Themen der SMM. Denn eine der Herausforderungen besteht darin, die aktuell 60.000 Handelsschiffe sukzessive umwelt- und klimafreundlicher zu machen. Dies sei ein gewaltiger Markt auch für Europas Zulieferindustrie, wie Stephen Gordon, Geschäftsführer von Clarksons Research, prognostizierte.

Einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten dabei Erfindungen wie der Mewis-Duct, für den die beiden Schiffbauingenieure Friedrich Mewis und Dirk Lehmann in der SMM-Woche den Deutschen Umweltpreis erhalten haben. Dank des Strömungsoptimierers, den Becker Marine Systems anbietet, wurden weltweit bereits mehr als 12 Mio. t CO2 eingespart.

Vernetzung und Know-how-Transfer

Flankiert wurde die Expo erneut von Fachkonferenzen, die Themenfelder wie Digitalisierung (Maritime Future Summit), Meeresforschung (Offshore Dialogue) sowie Sicherheit und Verteidigung (International Conference on Maritime Security & Defense) erörterten. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr in diesem Jahr der Umweltkongress gmec (the global maritime environmental congress): Eines der Panels war erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Umweltschützer und Verantwortliche aus der Industrie diskutierten über die Verantwortung der Schifffahrt für den Klimaschutz.

Neben der Vertiefung von Fachkenntnissen setzten die SMM-Macher konsequent auf Networking- Formate und schufen mit den neuen „Transition Stages‘“ Ausstellenden eine besondere Bühne für ihre Themen. Die Verleihung des Start-up-Awards und der Maritime Career Market, bei dem junge Talente Kontakte zu interessierten Unternehmen knüpfen konnten, waren weitere Highlights.

Die nächste SMM findet vom 3. bis zum 6. September 2024 in Hamburg statt.

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