Russland-Konflikt: Krieg in der Ukraine bremst Welthandel

Eine Studie von Euler Hermes geht vor allem für Europa von einer deutlich steigenden Zahl von Insolvenzen aus.

Umwege, die Containerschiffe kriegsbedingt fahren müssen, erhöhen den Druck auf die weltweiten Lieferketten. (Symbolbild: kalafoto / Fotolia)
Umwege, die Containerschiffe kriegsbedingt fahren müssen, erhöhen den Druck auf die weltweiten Lieferketten. (Symbolbild: kalafoto / Fotolia)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Der Welthandel und die Weltwirtschaft erhalten durch den Ukraine-Konflikt einen erheblichen Dämpfer und Insolvenzen steigen, insbesondere in Europa. Der Hamburger Kreditversicherer Euler Hermes rechnet in seiner aktuellen Studie nur noch mit einem Wachstum des Welthandelsvolumens um vier Prozent für 2022 und damit mit konfliktbedingten Einbußen um mindestens zwei Prozentpunkte. Beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) gehen die Volkswirte laut einer Pressemitteilung vom 22. März von einem Zuwachs um 3,3 Prozent für 2022 aus (0,8 Prozentpunkte weniger als vor Beginn des Konflikts) und um 2,8 Prozent für 2023.

Für Deutschland hat der Kreditversicherer seine Prognose beim BIP-Wachstum ebenfalls um 1,4 Prozentpunkte auf +1,8 Prozent gesenkt. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen könnten die Insolvenzen in Europa mit +23 Prozent im Jahr 2022 Euler Hermes zufolge deutlich stärker steigen als ursprünglich erwartet. Auch in Deutschland erwartet der Kreditversicherer mit plus vier Prozent eine Trendwende bei den Pleiten.

„Bei einer weiteren Eskalation des Konflikts droht 2023 eine Rezession für die gesamte Weltwirtschaft, für die Eurozone und auch für Deutschland“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes.

Rezession in Russland bringt Schockwellen in Zentral- und Osteuropa

Die aktuellen Sanktionen treffen Russlands Wirtschaft laut der Erhebung hart und das Land fällt mit minus acht Prozent beim BIP in eine starke Rezession. Bei einer weiteren Eskalation dürfte die Wirtschaftsleistung sogar um 16 Prozent schrumpfen, so die Mitteilung. Für den Welthandel insgesamt sei Russland zwar nicht systemrelevant, in einigen Bereichen dürften die jüngsten Entwicklungen dennoch spürbare Schockwellen auslösen: „Insbesondere die stark abhängigen Exporteure in Zentral- und Osteuropa könnten herbe Einbußen erleiden“, sagt Subran. „Zudem geraten Lieferketten in einigen Branchen erneut unter großen Druck, insbesondere in der Halbleiter- und Automobilindustrie. Benötigte Metalle, spezielle Gase und Kabel sind knapp und könnten zu unterbrochenen Lieferketten führen.“

Umwege von Containerschiffen setzen Fernost-Lieferketten unter Druck

Containerschiffe vermeiden zudem konfliktbedingt aktuell das Schwarze Meer und nehmen weniger direkte und deutlich zeitaufwendigere und kostspieligere Routen in Kauf.

„Die Umleitung von Frachtschiffen hat zusammen mit den hohen Energiepreisen Auswirkungen auf Frachtraten und Lieferzeiten – und damit auch auf die Lieferketten aus Fernost“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Hinzu kämen die strikten Covid-Maßnahmen in China, die zu Produktionsunterbrechungen und teilweise zu vorübergehenden Schließungen von einzelnen Häfen führten, so Bogaerts weiter. Eine Stabilisierung der angespannten Situation in der Logistik liege dadurch aktuell auf Eis und bringe viele Unsicherheiten mit sich.

Risiko von Zahlungsausfällen und Insolvenzen steigt

Durch die ausgebremste Weltwirtschaft steigt Euler Hermes zufolge vielerorts das Risiko von Zahlungsausfällen und auch Insolvenzen dürften wieder merklich ansteigen, insbesondere in Europa:

„Der potenzielle Anstieg der Insolvenzen in Europa hat sich durch den Konflikt in diesem Jahr um sieben Prozentpunkte auf +23 Prozent erhöht und im kommenden Jahr um vier Prozentpunkte auf +17 Prozent, sofern keine entsprechenden Gegenmaßnahmen implementiert werden“, sagt Bogaerts.

In Deutschland seien die Insolvenzen immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau – aber die verlangsamte Konjunktur dürfte 2022 wahrscheinlich eine Trendwende auslösen, mit höheren Risiken in den sensibelsten Sektoren wie Energie, Transport und Automobilzulieferer, so Bogaerts weiter. Euler Hermes geht derzeit von etwa vier Prozent mehr Insolvenzen aus als im Jahr 2021

Zahlreiche weitere Risiken stellen Unternehmen der Erhebung zufolge aktuell vor große Herausforderungen: Insbesondere die Entwicklung der Energiepreise, die zu einer deutlich höheren Inflationsrate führen als ursprünglich erwartet. Die Euler Hermes-Volkwirte haben die Prognose durch den Konflikt in der Ukraine für Deutschland um 2,2 Prozentpunkte nach oben korrigiert: Sie erwarten für die Bundesrepublik im Jahr 2022 nun eine Teuerung um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr – bei einer weiteren deutlichen Eskalation des Ukraine-Konflikts sogar um sieben Prozent.

Aber auch weitere potenzielle (geo-)politische Risiken sollten Unternehmen im Auge behalten, rät der Kreditversicherer. Die Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China bergen zahlreiche Unsicherheiten. Zudem stehen in Frankreich und Brasilien Wahlen an, die zahlreiche Veränderungen mit sich bringen könnten.

Gewinner gibt es Euler Hermes zufolge in der aktuellen Situation nur wenige. Lediglich Rohstofflieferanten in Mittelost sowie in einigen lateinamerikanischen Staaten könnten von den Bemühungen einiger europäischer Staaten profitieren, sich unabhängiger von russischen Gas- und Öl-Lieferungen zu machen.

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