Rotterdam: Hafen-Umschlag bleibt auf Vorjahresniveau

Dennoch gibt es große Veränderungen im Hafen Rotterdam. Kohle und LNG treten an Stelle des russischen Erdgases und die Zahl der Container ist gesunken.

Gas Agility bebunkert die „CMA CGM Jacques Saade“ mit LNG in Rotterdam. (Foto: Jerry Lampen/Port of Rotterdam)
Gas Agility bebunkert die „CMA CGM Jacques Saade“ mit LNG in Rotterdam. (Foto: Jerry Lampen/Port of Rotterdam)
Christine Harttmann

In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurde im Rotterdamer Hafen nahezu dieselbe Menge von Gütern umgeschlagen wie im selben Vorjahreszeitraum: 351 Millionen Tonnen, was um 0,3 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt. Allerdings gab es hinsichtlich der Art der umgeschlagenen Güter große Unterschiede zum Vorjahr, vor allem infolge des Kriegs in der Ukraine, der Sanktionen gegen Russland und der Veränderungen in den weltweiten Energieströmen. So wird nun – als Alternative zum russischen Erdgas – weitaus mehr Kohle und LNG (Flüssiggas) importiert. Der Containerumschlag entwickelte sich rückläufig, vor allem durch den Wegfall des Handels mit Russland.

Allard Castelein, CEO des Hafenbetriebs Rotterdam spricht von großen Veränderungen, mit denen der Hafen umgehen muss:

„Aus dem Gesamtumschlagsvolumen könnte man schließen, dass der Hafenbetrieb wie gewohnt verläuft, aber die großen Veränderungen insbesondere im Bereich LNG und Kohle beweisen, dass sich die Energielandschaft umfassend gewandelt hat. Durch die hohen Energiepreise hat es vor allem die energieintensive Chemieindustrie schwer. Eine schnellere Energiewende verringert langfristig unsere Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen. Kurzfristig gilt es, die für unsere Gesellschaft so wichtige Chemieindustrie zu erhalten.“

Der Umschlag von Eisenerz und Schrott ging um deutliche 17,9 Prozent zurück, ebenso wie der von Agrarmassengütern, der um 14,8 Prozent sank. Ersteres sei eine Folge der schwächeren Wirtschaft, teilt der Hafenbetrieb mit. Letzteres sei hauptsächlich auf die geringeren Ernteerträge in verschiedenen Teilen der Welt zurückzuführen. Auch die hohen Energiepreise für die Verarbeitung von Agrarmassengütern spielen der Habenbetrieb zufolge eine Rolle. Das Volumen des Kohlenumschlags stieg dagegen um 24,8 Prozent an, vor allem weil in Elektrizitätswerken mehr Kohle verfeuert wurde. Bei den übrigen Massengütern, unter anderem bei den Roh- und Baustoffen, wurde ebenfalls ein erheblicher Zuwachs von 22,6 Prozent verzeichnet. Insgesamt wurden 2,9 Prozent mehr trockene Massengüter umgeschlagen.

Beim flüssigen Massengut registrierte der Hafen eine Zunahme von 3,9 Prozent. Das Volumen der umgeschlagenen Mineralölprodukte ging zwar 13,1 Prozent zurück – vor allem infolge des geringeren Angebots von russischem Heizöl –, der Umschlag anderer Güter entwickelte allerdings positiv. So wurde 5,4 Prozent mehr Rohöl und 18,4 Prozent mehr anderes flüssiges Massengut umgeschlagen. Auch bei weiteren flüssigen Gütern verzeichneten alle Kategorien einen Zuwachs: Chemie, Biokraftstoffe, pflanzliche/tierische Öle und Fruchtsäfte. Das LNG-Volumen stieg besonders stark an – um 73,8 Prozent. Unter anderem aus den USA wird als Ersatz für das russische Erdgas, das früher per Rohrleitung nach Nordwesteuropa befördert wurde, weitaus mehr LNG importiert.

Im Containersegment belief sich der Rückgang in den ersten neun Monaten auf 8,6 Prozent im Gewicht und auf 4,4 Prozent in der Zahl der 20-Fuß-Container (TEU). Infolge der Sanktionen kam der Containerverkehr zwischen Russland und Rotterdam fast vollständig zum Erliegen. In den letzten Jahren entfielen etwa acht Prozent des Containerverkehrs auf Russland. Den Unterschied zwischen dem umgeschlagenen Gewicht und der umgeschlagenen Containerzahl erklärt der Hafen damit, dass relativ gesehen mehr Leercontainer über Rotterdam befördert wurden. Obwohl die Containerlogistik noch immer unter Störungen durch nicht pünktlich einlaufende Schiffe und einen hohen Auslastungsgrad der Terminals leidet, führt der Rückgang des Volumens doch allmählich zu einer Verringerung der logistischen Probleme. Auch sind die Frachtraten für Container deutlich gesunken. Sowohl der Roll-on/Roll-off-Verkehr als auch der übrige Stückgutumschlag stiegen um 15 Prozent an.

Angesichts des anhaltenden Kriegs in der Ukraine, der hohen Inflationsrate und des ungünstigeren Wirtschaftsklimas sehen die Prognosen für die makroökonomische Entwicklung nicht rosig aus. Der Hafenbetrieb Rotterdam erwartet dennoch, dass das Umschlagsvolumen für das gesamte Jahr 2022 in etwa dasselbe Niveau erreichen wird wie im Vorjahr.

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