Radlogistik-Verband sieht großes Klimaschutz-Potenzial

Der Radlogistik Verband Deutschland (RLVD) veröffentlicht eine Studie zur CO2-Reduktion in der Paketbranche. Fazit: Ohne Lastenräder geht's nicht, wenn man steigendes Paketaufkommen mit sinkenden Emissionen koppeln will. Die Autoren mahnen: Nicht nur auf KEP, sondern auf den gesamten Wirtschaftsverkehr schauen.

Nur die Spitze eines Eisbergs: Zwar operieren alle großen KEP-Logistiker mittlerweile mit Lastenrädern, UPS in Hamburg als einer der Pioniere. Allerdings sei das nur der sichtbarste Teil, die Wirtschaftsverkehre böten ebenso großes Umstiegspotenzial. Im Bild: Start der ONO-Flotte in Hamburg im April 2022. | Foto: ONOMOTION
Nur die Spitze eines Eisbergs: Zwar operieren alle großen KEP-Logistiker mittlerweile mit Lastenrädern, UPS in Hamburg als einer der Pioniere. Allerdings sei das nur der sichtbarste Teil, die Wirtschaftsverkehre böten ebenso großes Umstiegspotenzial. Im Bild: Start der ONO-Flotte in Hamburg im April 2022. | Foto: ONOMOTION
Christine Harttmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Die Entlastung des Verkehrs durch weniger Zustellfahrzeuge wird erst möglich, wenn bis 2030 mindestens 30 Prozent der Zustellungen in deutschen Städten per Lastenrad erfolgen. Das ist die Erkenntnis aus einer jüngst veröffentlichen Kurzstudie des Radlogistik Verband Deutschland e.V. (RLVD) zum Klimaschutzpotenzial auf der letzten Meile. Die Paketmengen in Deutschland werden der Prognose nach in den nächsten Jahren weiter zulegen. Gleichzeitig zeige sich die Paketbranche bestrebt, mittel- bis langfristig CO2-neutral zuzustellen, so die Ausgangsfeststellung. Erzielt werden soll dies unter anderem durch den zunehmenden Einsatz von Lastenrädern und -anhängern auf der allerletzten Meile in Städten. Manche Experten beziffern hier das Potential auf 30 bis 50 Prozent der urbanen Zustellungen, so der Verband.

„Wir erkennen an den Ergebnissen deutlich, ohne einen hohen Anteil von Lastenrädern werden sich CO2-Emissionen auf der allerletzten Meile in Städten in den nächsten 10 Jahren nicht annähernd auf null senken lassen", fasst der Vorsitzende Tom Assmann zusammen. 

Die zeitnahe Umsetzung in den nächsten zehn Jahren sei gemäß der Einschätzung des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) aber nötig, um das 1,5°C noch einzuhalten. In der Studie wurde der Einsatz von konventionellen Vans mit der Paketzustellung per Lastenrad verglichen. Bei den Vans geht man zusätzlich davon aus, dass ab 2029 keine Verbrenner mehr eingesetzt werden. Durch diesen Umstieg sollen sich die CO2-Emissionen ungefähr halbieren. Relevant sei aber, was danach passiert. Hinkt der Ausbau der Erneuerbaren Energie und der Einsatz von Lastenrädern weiter hinterher, würden steigende Paketmengen die CO2-Emissionen wieder mit nach oben ziehen, so die Mahnung.

„Wer sich nicht abhängig machen will von der hinkenden Energiewende, der steigt ideal jetzt ambitioniert auf Radlogistik um. Damit ist gesichert, dass die CO2-Emissionen dauerhaft gemindert werden. Das bringt auch kaufmännisch viele Vorteile", meint dazu Jonas Kremer, Politischer Fachvorstand des RLVD.

Besonders erstaunt habe ein Zwischenergebnis: Durch die steigenden Paketmengen nimmt allgemein der Fahrzeugeinsatz zu. Damit Lastenräder nicht nur die Zuwächse kompensieren, sondern den Straßenraum von Vans entlasten können, brauche es bis 2030 mehr al 30 Prozent Radlogistik, präzisiert Tom Assmann. Besonders für Kommunen, die bereits jetzt besorgt um zunehmende Lieferverkehre seien, sei dies ein relevantes Ergebnis. Die aufgeführten CO2-Minderungspotentiale durch Lastenräder auf der letzten Meile der Paketzustellung sind in der Gesamtschau Deutschlands gering.

„Deswegen ist es wichtig, dass wir in Zukunft nicht nur auf die Spitze des Eisbergs, den Paketmarkt, schauen. Im Wirtschaftsverkehr wie bei Handwerkern, Pflegediensten und vielen anderen lassen sich bei analogen Radlogistikanteilen um die 2 Mio. t CO2 pro Jahr sparen,“ betont Jonas Kremer.

Hier sieht man die Kommunal- bis Bundespolitik in der Pflicht, Marktbedingungen fair zu gestalten, die Spielräume für nachhaltige Logistik und Wirtschaft auszubauen und zu nutzen um eine Verkehrswende, statt  bloß eine Antriebswende voranzutreiben, warnen die Radlogistiker.

Über den Radlogistik Verband Deutschland

Der Einsatz moderner Cargobikes und Lastenanhängern in der Logistik bietet große Potenziale für Klimaschutz, Luftreinhaltung, urbane Lebensqualität und effiziente multimodale Logistiksysteme. Der Radlogistik Verband Deutschland (RLVD) will den Einsatz moderner Cargobikes und Lastenanhängern in der Logistik voranbringen und vertritt die Interessen der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Pioniere der Radlogistik sind. Der Radlogistik Verband Deutschland e.V. wurde im September 2018 in Berlin gegründet, ist als eingetragener Verein mit Sitz in Berlin registriert.

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