Projekt44: Wo es weltweit in den Häfen hakt

In den globalen Lieferketten holpert es. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Überlastete Häfen und Störungen im Schifffahrtsplan sind ein Teil davon.

Wenn zu viele Container in den Häfen liegen, stört dies das Gleichgewicht. (Foto: Pixabay)
Wenn zu viele Container in den Häfen liegen, stört dies das Gleichgewicht. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Weltweit gibt es in diesem Jahr Probleme in den Lieferketten. Eine der Ursachen ist die Überlastung der Häfen. Als weitere Gründe für Lieferverzögerungen und Unterbrechungen identifiziert Projekt44 Störungen im Schiffsfahrplan, Container die nicht auf das geplante Schiff umgeschlagen werden, längere Transitzeiten sowie die Zunahme von Blank Sailings, das Auslassen geplanter Häfen also.

Eine Verbesserung der Situation erwartet Josh Brazil, VP of Data Insights bei Project44, nicht. Die Plattform, die der Weitergabe von Tracking-Informationen für Container-Fracht dient, hat die Daten nachverfolgt und analysiert. Auf Basis der jetzt vorliegenden Auswertung kommt Josh Brazil zu dem Schluss:

„Wir erwarten erst nach dem chinesischen Neujahrsfest eine Entspannung der Lage, da China dann für etwa zwei Wochen geschlossen wird. Hinzu kommt, dass Mitte 2022 voraussichtlich 60.000 bis 70.000 neue Container in Betrieb genommen werden. Und mit vielen Schiffsneubestellungen ist erst Mitte bis Ende 2023 zu rechnen.“

Verzögerungen in der Containerabfertigung in den großen internationalen Umschlaghäfen sowie die Zunahme, die auf ein anders Schiff als das geplante umgeschlagen wurden _ man spricht hier von der sogenannten Rollover-Rate – sorgen laut Projekt44 dafür, dass der gesamte globale Container-Verkehr beeinträchtigt wird.

„Häfen waren nie als Lagerplatz gedacht. In den meisten Fällen betrug der Durchschnittsaufenthalt eines Umschlagscontainers maximal fünf Tage“, so Brazil.

Die nun durchgeführte Datenanalyse zum Container-Umschlag der letzten drei Jahre veranschaulicht, dass seither die Container-Rollover-Raten deutlich angestiegen sind. So verzeichnet der Hafen in Shanghai im Jahr 2021 eine Container-Rollover-Rate von 38,66 Prozent. Das sind 45,22 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in Algeciras, Jebel Ali, Pusan, Tanjung Pelepas, Hong Kong und Singapur liegt die Rollover-Rate 2021 über der des Vorjahres. Dennoch seien die prozentuale Veränderung geringer gewesen als zwischen 2019 und 2020, so Projekt44. So stieg auf europäischer Seite in Rotterdam der Rollover von 38,95 Prozent im Jahr 2020 auf 51 Prozent im Jahr 2021. Das entspricht einer Steigerung von 30,94 Prozent. Vom Jahr 2019 zum Jahr 2020 betrug Veränderung gerade einmal 7,42 Prozent.

Die Zunahme der Rollover-Rate an den wichtigen globalen Umschlaghäfen sei ein besorgniserregendes Zeichen für die nachlassende Terminzuverlässigkeit, fasst Josh Brazil zusammen.

„Dies hat eine anhaltende Unsicherheit in der Zeitplanung sowie Verzögerungen und stetige Verlängerungen der Frachtlieferzeiten zur Folge.“

Den Daten von project44 zufolge sind auch die Container-Transitzeiten auf den Hauptrouten von China nach Europa zwischen 2019 und 2021 drastisch angestiegen. Für die Analyse wurde dabei der gesamte Zeitraum von der Verladung des Containers am Verladehafen bis zum Erreichen des Entladehafens erfasst. Auf der Strecke nach Europa kam dabei Shanghai auf die größte prozentuale Steigerung der Transitzeiten im Jahr 2021 – sie verlängerten sich um 30,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Qingdao verbucht den niedrigsten Transitzeitanstieg mit 25 Prozent.

Auch Auslassen geplanter Häfen, das sogenannte Blank Sailing, Faktoren, beeinflusst den Container-Rollover beeinträchtigen. Josh Brazil sagt hierzu:

„Blank Sailing führt zu Störungen im Netzwerk. Die Menge der Container, die an Umschlagshäfen auf ‚Sweeper-Schiffen‘ liegen, stört das globale Gleichgewicht.“

Die von project44 zusammengestellten Daten zeigen, dass die Zahl der Container-Schiffe, die geplante Hafenanläufe auslassen, zunimmt. Hunderttausende Container und mehrere Millionen Sendungen sind verspätet. Dies belastet nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Containerterminals und deren Personal.

Project44 hat die Fahrpläne der Reedereien analysiert. Es ist damit zu rechnen, dass sich der Blank-Sailing-Trend im November und Dezember 2021 fortsetzen wird. Auf manchen Routen wird mit bis zu 50 Blank Sailings gerechnet.

Blank Sailings habe größere Auswirkungen auf Zubringer-Services sowie kleinere Häfen und Märkte, sagt Brazil. Die Exportmärkte in den USA und Europa würden erlahmen, da den Reedereien die Möglichkeit fehle, leere Container zurück nach Asien zu verschiffen.

„Wir beobachten, dass Redereien nach Möglichkeiten suchen, zwei bis drei zusätzliche Container-Schiffe in den Ost-West-Verkehr zu integrieren. Die Verlagerung von leeren Containern ist wirtschaftlicher, als Schiffe für den Export zu nutzen, da viele dieser Exporte im Niedrigpreissektor liegen und die Ausrüstung binden.“

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