Port of Antwerp-Bruges: Leichtes Wachstum

Das Containersegment steht allerdings weiterhin unter Druck.

Die Zahlen des fusionierten Port of Antwerp-Bruges in den ersten neun Monaten des Jahrs 2022 können sich sehen lassen. (Grafik: Port of Antwerp-Bruges)
Die Zahlen des fusionierten Port of Antwerp-Bruges in den ersten neun Monaten des Jahrs 2022 können sich sehen lassen. (Grafik: Port of Antwerp-Bruges)
Claus Bünnagel

Nach neun Monaten verbucht der Port of Antwerp-Bruges einen Gesamtgüterumschlag von 217,4 Mio. t, was einer leichten Steigerung von 0,8 % im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr entspricht. Trotz der negativen Einflüsse des geopolitischen und makroökonomischen Umfelds verzeichnen alle Frachtströme ein Wachstum – mit Ausnahme des Containersegments, das weiterhin unter Druck steht.

Der Containerumschlag ist nach neun Monaten im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr um 8,8 % (in Tonnen) bzw. um 5 % (in TEU) zurückgegangen. Dieser Rückgang sei auf die anhaltende Beeinträchtigung der Containerlogistik und die Folgen des Konflikts in der Ukraine zurückzuführen, heißt es von Seiten der Hafenverwaltung. Die Container rotierten aufgrund von Engpässen immer noch nicht ausreichend, so dass der Umschlag an vollen Containern sinke, während der Umschlag an leeren Containern steige. Und obwohl die betrieblichen Herausforderungen langsam abnehmen würden, sei eine Normalisierung der weiterhin stark beeinträchtigten Containerlinienschifffahrt nicht vor dem ersten Quartal 2023 in Sicht.

Zuwachs bei Stückgütern

Der Umschlag von Stückgütern nahm dagegen um 9,7 % zu. Während die Abfuhr von Stahl stabil bleibt, gehen die angelieferten Stahlmengen aufgrund hoher Lagerbestände und sinkender Nachfrage zurück. Trotz einer rückläufigen Tendenz beim Umschlag von Holz und Baustoffen verzeichneten diese Produktgruppen – genau wie Obst – weiterhin ein Wachstum, so der Hafen.

Der Roll-on/Roll-off-Verkehr weist einen Anstieg um 8,1 % auf. Der Umschlag von Neufahrzeugen ist um 8,5 % gestiegen, was vor allem auf die hohe Zufuhr aus China zurückginge. Dagegen ist die Zahl der Gebrauchtfahrzeuge und Lastwagen um 7,3 % bzw. 17 % zurückgegangen. Die unbegleitete Fracht (außer Container) stieg um 13 %.

Das Wachstum im Schüttgutsegment (+21,5 %) sei vor allem auf den steigenden Kohletransport zurückzuführen. Die gestiegene Nachfrage nach Kohle für die Stromerzeugung führte zu einem Umschlag von 2,43 Mio. t gegenüber 364.000 t im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Der Umschlag von Eisenerz nahm zu, während Schrott, Sand und Kies rückläufig waren und andere Baustoffe auf demselben Niveau blieben. Obwohl die Zu- und Abfuhr von Düngemitteln im Vergleich zum zweiten Quartal zunahm, wurde immer noch ein Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2021 verbucht (–11,8 %).

Starkes Wachstum bei LNG

Das Segment der flüssigen Massengüter verzeichnete einen Anstieg von 13,3 %. Insbesondere LNG wies ein starkes Wachstum auf (+66,5 %). In diesem Jahr sind bereits 215 LNG-Schiffe in Zeebrugge eingelaufen, gegenüber 121 im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Zuwächse gibt es auch bei LPG (+30 %), bedingt durch die hohen Erdgaspreise, sowie bei Benzin (+12,2 %), Diesel/Heizöl (+9,7 %) und Naphtha (+14,6 %). Der Umschlag von Chemikalien wuchs ebenfalls noch um 6,3 %. Aber vor allem bei der Abfuhr war ein deutlicher Rückgang zu sehen, da die Produktion aufgrund der gestiegenen Energiekosten zurückgefahren wird.

102 Kreuzfahrtschiffe eingelaufen

Zeebrugge verzeichnete in den ersten neun Monaten 102 Kreuzfahrtschiffe mit 325.406 Passagieren, was eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, als die Kreuzfahrtbranche durch Covid-19 weitgehend zum Erliegen gekommen war.

Vereinigter Hafen lockt Investoren an

Seit dem offiziellen Start des Fusionshafens Port of Antwerp-Bruges vor sechs Monaten haben bereits mehrere Investoren und neue Projekte ihren Weg auf die Hafenplattformen von Antwerpen und Zeebrugge gefunden. Beispielsweise wird Conti Seafrigo Antwerp ein neues Tiefkühllager bauen, Antwerp Euroterminal (AET) das größte Parkhaus Belgiens in Betrieb nehmen und Fluxys zusammen mit Advario ein Ammoniakterminal errichten. In der Zwischenzeit hat Covestro mit dem Bau einer Anilinfabrik begonnen, ITC Rubis expandiert mit einer zusätzlichen Tankanlage und Lanxess installiert ein neues Klimaschutzsystem. Ineos hat beschlossen, von Antwerpen aus ein Pilotprojekt für CCS (CO2-Abscheidung und -Speicherung) einzurichten. In Zeebrugge gründet die Ziegler-Gruppe eine Niederlassung für unbegleitete RoRo-Fracht nach Irland und Großbritannien, und die Immobiliengruppe Intervest eröffnete diese Woche offiziell den Logistikkomplex, den sie im April vom chinesischen Entwickler Lingang übernahm.

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