Paketzustellung: Konsolidierung bringt wenig

Ob mit der Konsolidierung von Paketsendungen für ein Stadtgebiet eine merkliche Verkehrsreduzierung erreicht werden kann, war Gegenstand einer vom Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) beauftragten Studie. Sie kommt zu dem Schluss, dass die konsolidierte Paketzustellung sich nicht lohnt.

Paketzusteller des BIEK-Mitglieds DPD | Foto: DPD
Paketzusteller des BIEK-Mitglieds DPD | Foto: DPD
Torsten Buchholz

In der aktuellen Studie „Quantitative Untersuchung der konsolidierten Zustellung auf der letzten Meile am Beispiel zweier KEP-Unternehmen in den Städten Nürnberg und München“ wurde laut BIEK erstmals anhand realer Sendungsdaten eine Gebietskonsolidierung zweier KEP-Unternehmen am Beispiel der Städte Nürnberg und München in Szenarien quantitativ untersucht. Dabei ist herausgekommen, dass die Gebietskonsolidierung die Zahl der Zustellfahrzeuge in den Szenarien entweder nicht oder um maximal ein Zustellfahrzeug reduziert, das heißt um circa zehn Prozent. Positive verkehrliche Effekte seien damit in den Zustellgebieten kaum spürbar, so der BIEK.

Weitere Ergebnisse der Studie sind:

  • Die konsolidierten Zustelltouren haben kürzere Stoppdistanzen und Tourenlängen bei nur geringfügig veränderter Auslastung, infolgedessen sinkt teilweise die erforderliche logistische Leistung auf den einzelnen Touren.
  • Die geringen Konsolidierungsgewinne an logistischer Leistung gehen durch die dann erforderlichen Inter-Depot-Verkehre selbst bei günstigen Depotlagen ganz oder teilweise verloren. Ungünstige Depotlagen führen zu erheblichen Mehrverkehren.
  • Die eigentliche tourenplanerische Restriktion auf der letzten Meile ist die Arbeitszeit des Zustellers und nicht die Auslastung der Fahrzeuge in Gewicht oder Volumen.
  • Inter-Depot-Verkehre verursachen zusätzliche Schwerlastverkehre und Transportkosten und führen zu Laufzeitverlusten in der Zustellung und Abholung von jeweils einem Tag.
  • Die Wettbewerbsposition beider KEP-Unternehmen verschlechtert sich, insbesondere die des abgebenden KEP-Unternehmens.

Parallel zur Studie hat der BIEK ein Positionspapier zum Thema erstellt, in dem unter anderem das Konzept der konsolidierten Zustellung bewertet wird. Das Konzept wird abgelehnt, weil

  • die möglichen verkehrsreduzierenden Wirkungen sehr gering sind;
  • Qualitätsverluste zu Lasten der Versender und Empfänger erheblich sind;
  • die erforderlichen Voraussetzungen hinsichtlich neuer Flächen für Konsolidierungsdepots praktisch nicht gegeben sind;
  • erforderliche Personalmehrbedarfe nicht gedeckt werden und nicht durch das bestehende Personal sozial angemessen (Arbeitszeit) aufgefangen werden können;
  • betriebswirtschaftliche Zusatzkosten wegen fehlender Produktivitätssteigerung nicht zu erwirtschaften sind.

Nach Ansicht des BIEK sind Konzepte sinnvoller, die folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Interaktion mit den Empfängern,
  • Routenoptimierung, Ladezonen,
  • Arbeitsplatzbelieferung, Mikro-Depots und Lastenräder,
  •  anbieterübergreifende Paketstationen,
  • Paketshops
  • optimierte Verpackungen.

Dazu der BIEK-Vorsitzende Marten Bosselmann:

„Diese Maßnahmen und Konzepte garantieren eine effiziente und bürokratiearme Zustellung. Ihre Wirkungen können durch Unterstützung der Beteiligten erheblich verstärkt werden. Im Gegensatz dazu bedeutet ein Regulierungskonzept wie die konsolidierte Gebietszustellung erheblichen Verwaltungsmehraufwand für die diskriminierungsfreie Ausschreibung, Installation und Steuerung bei den Städten, ohne spürbare verkehrliche Entlastungswirkungen im gesamten Stadtgebiet.“

Autor der Studie ist Prof. Dr.-Ing. Ralf Bogdanski, Professor für Nachhaltige Unternehmensführung und Logistik an der Fakultät Betriebswirtschaft der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Die vollständige Studie steht unter https://www.biek.de/publikationen/studien.html zum kostenlosen Download bereit.

Das BIEK-Positionspapier zur konsolidierten Zustellung von Paketsendungen kann unter https://www.biek.de/publikationen/positionspapiere.html heruntergeladen werden.

Im 1982 gegründeten Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) sind die KEP-Dienste DPD, GLS, GO!, Hermes und UPS organisiert.

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