Nutzfahrzeugmarkt: Leichte Erholung 2021

Lieferkettenprobleme und Materialmangel verhindern stärkere Erholung. Daher bleibt Westeuropa noch deutlich unter Vor-Corona-Niveau.

Die Lkw-Bauer schauen zuversichtlicher in die Zukunft. Die Absätze ziehen wieder an. (Foto: MAN)
Die Lkw-Bauer schauen zuversichtlicher in die Zukunft. Die Absätze ziehen wieder an. (Foto: MAN)
Claus Bünnagel

Die internationalen Märkte für schwere Nutzfahrzeuge (> 6 t) haben sich nach Angaben des VDA im vergangenen Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr leicht erholen. Lieferkettenprobleme und der damit verbundene Materialmangel wirkten sich jedoch nach wie vor dämpfend auf die Dynamik aus. Dadurch konnten viele Märkte ihr Potenzial nicht vollständig ausschöpfen. 

Deutschland mit Plus von 6 %

In Europa (EU, EFTA und GB) stieg 2021 der Absatz von schweren Nutzfahrzeugen gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf rund 320.000 Lkw. Nach einem erheblichen Rückgang der Neuzulassungen im Jahr 2020 konnte die Teilregion Westeuropa (EU14, GB und EFTA) im Jahr 2021 ebenfalls einen Zuwachs verbuchen: Die westeuropäischen Märkte für schwere Lkw legten gegenüber 2020 um rund 10 % zu. Dies entspricht einem Absatzvolumen von rund 250.700 Einheiten. Von den fünf größten Absatzmärkten für schwere Nutzfahrzeuge in Europa erzielten Italien (+27 %), Spanien (+10 %) und das Vereinigte Königreich (+10 %) zweistellige positive Wachstumsraten. Frankreich und Deutschland setzten gegenüber 2020 jeweils 6 % mehr Lkw ab. Trotz der positiven Wachstumsraten konnten die europäischen Top 5 im vergangenen Jahr ihr Corona-Vorkrisenniveau nicht erreichen. Einzige Ausnahme: Italien, das seinen Absatz von schweren Nutzfahrzeugen im Jahr 2021 um 13 % gegenüber 2019 steigerte. 

Erholung auch in Amerika

Der amerikanische Markt für schwere Nutzfahrzeuge fuhr im Jahr 2021 ebenfalls wieder ein positives Ergebnis ein: Es wurden 461.600 Einheiten neu zugelassen (+13 %), nachdem der Markt im Jahr 2020 um 22 % zurückgegangen war. Das Niveau des Jahres 2019, das mit rund 527.100 verkauften Lkw das volumenstärkste Jahr seit 2006 war, wurde 2021 trotz des zweistelligen Zuwachses gegenüber 2020 aber noch um gut 12 % unterschritten. Im Gesamtjahr 2021 entwickelte sich das Heavy-Duty-Segment (Klasse 8, > 15 t) etwas stärker als das Medium-Duty-Segment (Gewichtsklassen 4-7, 6,3 bis 15 t).

Marktkorrektur in China

Im vergangenen Jahr setzte auf dem chinesischen Nutzfahrzeugmarkt eine erwartete Korrektur ein. Im Gesamtjahr 2021 schrumpfte der chinesische Markt um 14 % auf 1.542.500 Einheiten. Damit kam es 2021 zu einer Gegenbewegung, nachdem im Jahr 2020 ein staatliches Flottenerneuerungsprogramm sowie die Mitte des Jahrs 2020 landesweit eingeführte neue Abgasnorm China VI zu einem starken positiven Wachstum beigetragen hatten. Seinerzeit wuchs der Markt im Vergleich zum Jahr 2019 um 37 %. Ungeachtet des Rückgangs im vergangenen Jahr bleibt China mit über 1,5 Mio. abgesetzten Lkw der mit Abstand größte Lkw-Markt der Welt. 

Starkes Wachstum in Indien

Der indische Markt für schwere Nutzfahrzeuge erzielte im Jahr 2021 mit einem Plus von 81 % auf 228.100 Einheiten den stärksten Zuwachs unter den großen Nutzfahrzeugmärkten, nachdem er im Jahr 2020 den stärksten Rückgang verbucht hatte. Dennoch konnte Indien 2021 sein Vorkrisenniveau nicht erreichen; das Niveau von 2019 wurde im vergangenen Jahr noch um 12 % unterschritten. 

Brasilien über den Werten von 2019

Der brasilianische Markt für schwere Nutzfahrzeuge verzeichnete im Jahr 2021 ebenfalls ein deutliches Plus. Gegenüber dem Vorjahr wuchs der Markt um 44 %. Mit 122.100 verkauften Einheiten im Jahr 2021 übertraf Brasilien auch das Niveau von 2019 deutlich (+27 %). Wie in den Vereinigten Staaten stieg in Brasilien das Heavy-Duty- (≥ 15 t) stärker an als das Medium-Duty-Segment (6 bis < 15 t). 

Ausblick für 2022

Der VDA geht davon aus, dass sich die jeweiligen Entwicklungen in den großen Märkten im aktuellen Jahr fortsetzen werden. Für den deutschen schweren Nutzfahrzeugmarkt erwartet der Verband für das aktuelle Jahr ein Plus von 8 % und damit ein leicht stärkeres Wachstum als 2021. Für Europa (EU, EFTA und GB) rechnet er für das Jahr 2022 mit einem Zuwachs in ähnlicher Größenordnung (ebenfalls +8 %).

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