NUFAM: BG Verkehr startet Projekt "Lenken statt ablenken"

Unfallforscher schlagen Alarm: Während die Zahl der schweren Verkehrsunfälle insgesamt sinkt, steigen Auffahrunfälle und Spurwechselunfälle auf Autobahnen mit Lkw-Beteiligung mittlerweile wieder an. Oft spielt Ablenkung eine tödliche Rolle. Mit einer Aktion will die BG Verkehr auf die Gefahren hinweisen.

Mit Plakaten wirbt auch die „Runter vom Gas“- Verkehrssicherheitskampagne im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) seit vergangenem Jahr an Autobahnen für eine sichere und rücksichtsvolle Verkehrsteilnahme. Symbolbild: Runter-vom-Gas
Mit Plakaten wirbt auch die „Runter vom Gas“- Verkehrssicherheitskampagne im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) seit vergangenem Jahr an Autobahnen für eine sichere und rücksichtsvolle Verkehrsteilnahme. Symbolbild: Runter-vom-Gas

Verschiedene Studien zu Verkehrsunfällen verdeutlichen laut BG Verkehr: Ablenkung im Straßen­verkehr gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Je nach Studie sind zwischen 15 und 25 Prozent der Verkehrsunfälle auf Ablenkung zurückzuführen. Eine Sonderaus­wertung aus Baden-Württemberg aus dem Jahr 2018 führt 19,4 Prozent der Getöteten auf Ablenkung zurück. Oder anders ausgedrückt: Allein in diesem Bundesland wurden in einem Jahr 80 Menschen getötet, weil ein Fahrzeugführer oder einer Fahrzeugfüh­rerin nicht bei der Sache war.

2021: Schon 52 tote Lkw-Fahrer am Stauende

Auch im Güterkraftverkehr ist Ablenkung ein heißes Eisen. Insbesondere die Mono­tonie im Fernverkehr verleitet manche manchen Lkw-Fahrer bzw. manche Lkw-Fah­rerin dazu, während der Fahrt anderen Tätigkeiten nachzugehen. Das Schreiben von Textnachrichten auf dem Smartphone ist nicht die einzige Ablenkungsquelle, aber eine besonders gefährliche, weil der Blick von der Straße und die Hände vom Lenkrad genommen werden. Die Folgen sind gravierend: Laut Meldungen aus der Fachpres­se starben in den ersten neun Monaten dieses Jahres 52 Lkw-Fahrer bei Unfällen am Stauende, fünf mehr als im gesamten Jahr 2020. Darin noch nicht enthalten sind andere Verkehrsteilnehmende, die bei solchen Unfällen umkamen.

Steigende Zahl von Auffahr- und Spurwechselunfällen

Bei Auffahrunfällen spielt Ablenkung eine besonders wichtige Rolle. Ein Blick in die bundesweite amtliche Unfallstatistik mit Zahlen von 2015 bis 2018 zeigt bei den von Sattelzugmaschinen-Lenkenden verursachten Auffahrunfällen mit Personenschäden einen steigenden Trend. Die niedersächsische Landesverkehrswacht warnt ebenfalls vor einer steigenden Zahl von Auffahr- und Spurwechselunfällen. Aufgrund der hohen Unfallrelevanz hat sich eine Arbeitsgruppe von Präventionsexperten der BG Verkehr mit dem Thema Ablenkung befasst – unter Mitwirkung von Unfallforschern (VUFO Dresden) und Verkehrspsychologen (Professor Dr. Mark Vollrath und Dr. Anja Kathari­na Huemer von der TU Braunschweig).

„Wenn im Straßenverkehr alles glatt läuft und keine anspruchsvollen Reaktionen erfor­derlich scheinen, kommt eine menschliche Schwäche zum Tragen: Menschen lassen in ihrer Konzentration nach und suchen sich oft Beschäftigung“, fassen die Leiter der Arbeitsgruppe, Michael Fischer und Hans Heßner, zusammen.

Ablenkung beginne dabei nicht mit dem Griff zum Smartphone. Untersuchungen zeigen, dass bereits der Signalton einer eingehenden Nachricht, Gespräche, Einstellungen an Bedienele­menten im Fahrzeug und viele andere Einflüsse die Konzentration auf die Fahrauf­gabe stören. Handlungsmodelle und Experimente mit dem Fahrsimulator zeigen eindrucksvoll, wie empfindlich Menschen in ihrer Konzentration durch zusätzliche Aufgaben gestört werden, die räumlich-koordinative Orientierung erfordern.

„Die Aufmerksamkeit des Menschen ist teilbar, aber nur begrenzt. Im Verkehr nehmen wir auch bei ruhiger Fahrt bereits eine Vielzahl von optischen und akustischen Reizen wahr. Jeder weitere nicht fahrbezogene Reiz verdrängt andere wichtige Informationen, sodass schnell Gefahren übersehen werden“, sagt Dr. Klaus Ruff, stellvertretender Präventionsleiter der BG Verkehr.

Ruff weiter: „Das gefühlte Multitasking ist eine Illusi­on, denn unser Gehirn schaltet kurzzeitig ständig zwischen unterschiedlichen Aufga­ben hin und her. Je mehr Dinge es gleichzeitig zu erledigen versucht, desto schlechter erfüllt es diese Aufgaben. Wer am Steuer abgelenkt ist, nimmt Risiken nicht bzw. nur verzögert wahr.“

Selbst wenn Telefon oder Navi sprachgesteuert werden, koste dies Aufmerksamkeit. Werden Beobachtung und Beurteilung des Verkehrsgeschehens unterbrochen, gehe dies zu Lasten reaktionsschnellen Handelns.

Filme sollen aufrütteln

Um diese Erkenntnisse den Fahrerinnen und Fahrern zu vermitteln, hat die Arbeits­gruppe eine Reihe von Informationsmedien entwickelt, die im Rahmen einer Aktion den Mitgliedsbetrieben und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mehrere Animations-und Kurzfilme zum Thema Ablenkung rütteln auf und zeigen die Mechanismen der Ablenkung. Mit einem Blindflugrechner können Fahrerinnen und Fahrer ausrechnen, welche Strecke sie zurücklegen, während sie eine bestimmte Zahl von Sekunden abgelenkt sind. In einem Podcast tauschen sich ein Lkw-Fahrer, eine Verkehrspsycho­login und ein Unfallforscher darüber aus, wie Ablenkung entsteht und welche prakti­schen Gegenmaßnahmen helfen. Die Medien werden von den Aufsichtspersonen der BG Verkehr in den Mitgliedsbetrieben verteilt. Auch auf der Lkw-Fachmesse NUFAM (30. September - 3. Oktober) und der Arbeitsschutzmesse A+A in Düsseldorf (26. - 29. Oktober) ist Ablenkung ein Schwerpunktthema am Messestand der BG Verkehr.

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