Nord-Ostsee-Kanal: Schiffsladungen rückläufig

(dpa/lno) Im Nord-Ostsee-Kanal hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Jahr 2023 deutlich weniger Ladung und auch weniger Schiffe gezählt. Nun erwartet sie aber für 2024 einen Schub.

Schleswig-Holstein, Beldorf: Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) bei Beldorf. (Foto: Christian Charisius/dpa)
Schleswig-Holstein, Beldorf: Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) bei Beldorf. (Foto: Christian Charisius/dpa)
Christine Harttmann

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist 2023 deutlich weniger Ladung transportiert worden. Die Menge ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent auf knapp 77,12 Millionen Tonnen zurück, wie der Leiter der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt, Eric Oehlmann, am Montag bei der Vorstellung des Jahresberichts sagte. 2022 waren es noch 82,25 Millionen Tonnen gewesen.

„Globale Einflüsse und weitere Beeinträchtigungen haben sich nur geringfügig auf das Verkehrsgeschehen ausgewirkt.“

„Der Nord-Ostsee-Kanal ist weiterhin die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt“, sagte Oehlmann.

Allerdings waren die Schiffe auf dem Kanal im vergangenen Jahr im Durchschnitt kleiner als 2022. Die sogenannte Bruttoraumzahl (BRZ), die rechnerische Gesamtgröße eines Schiffes, sank im Schnitt von 5.945 auf 5.476. Insgesamt befuhren im vergangenen Jahr 26.659 Schiffe den Kanal. 2022 waren es 26.882 gewesen. Damit ging die rechnerische Gesamtgröße der Verkehre um etwa zehn Prozent von gut 133 Millionen auf knapp 119,2 Millionen BRZ zurück.

Durch den Ausbau der sogenannten Oststrecke zwischen Kiel-Holtenau und Großkönigsförde sowie den Bau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel soll der Kanal für die Schifffahrt verlässlicher werden.

„280 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr investiert“, sagte Oehlmann.

Die neue Schleusenkammer in Brunsbüttel kostet 1,2 Milliarden Euro, sie soll Ende 2026 fertig sein.

Einen Schub verspricht sich Oehlmann durch den CO2-Zertifikatehandel.

„Wenn eines in der Logistik zählt, dann ist es der Preis.“

Alle Faktoren, die andere Verkehrs- und Transportwege verteuerten, schlügen in der Schifffahrt nicht in dem Maße zu Buche.

„Aufgrund der großen Tonnage-Zahlen sind ganz andere Frachtraten möglich und damit wird auch weniger Energie pro Frachtrate eingesetzt.“

Weniger Auswirkungen als von der Generaldirektion erwartet brachte die Senkung des Tempos für alle Schiffe auf zwölf Kilometer pro Stunde. Zuvor durften Schiffe bis 8,50 Meter Tiefgang mit Tempo 15 zwischen Nord- und Ostsee unterwegs sein. Statt der erwarteten anderthalb Stunden zusätzlich benötigten die Schiffe nur im Schnitt 45 Minuten mehr für die Passage, sagte der Leiter der Abteilung Seeschifffahrt, Jörg Heinrich.

Grund für das Tempolimit ist der schlechte Zustand der Kanalböschungen. Betroffen sind 100 Stellen mit einer Gesamtlänge von etwa 15 Kilometern, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Nord-Ostsee-Kanal Detlef Wittmüß. Die Sanierungskosten würden 20 bis 30 Millionen Euro betragen, die Arbeiten fünf bis sechs Jahre dauern. Erste vier Schwachstellen seien mit Steinen natürlichen Ursprungs bereits behoben worden.

„Das Geld dafür ist da“, sagte Oehlmann.

Auswirkungen auf den Nord-Ostsee-Kanal hat weiterhin auch das Russland-Embargo. Russischen Schiffen ist es grundsätzlich verboten, Häfen in der EU anzulaufen und Schleusen zu benutzen. Ausnahmen von dieser Regel sind jedoch beispielsweise für landwirtschaftliche, pharmazeutische und medizinische Erzeugnisse oder für Energieträger möglich. Voraussetzung sind Einzelfall-Genehmigungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

2023 haben 807 Schiffe (2022: 1.420) mit Ziel Russland oder von russischen Häfen kommend den Nord-Ostsee-Kanal befahren. Sie hatten 2,629 Millionen Tonnen Ladung an Bord (2022: 5,713 Millionen Tonnen). Zum Vergleich: Vor dem Krieg in der Ukraine waren es 2021 noch 2.700 Schiffe.

Stabil blieb 2023 der Sportboot-Verkehr im Kanal. Im vergangenen Jahr befuhren die Wasserstraße 11.489 Sportboote. Im Vorjahr waren es 11.788 gewesen.

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