NEE: Keine Verkehrswende auf Schiene

Das Güterbahnen-Verbands Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) kritisiert den lediglich minimalen Zuwachs zusätzlicher Strecken auf der Schiene in 2020.

Zu wenig Schieneneubau sieht der NEE auf den deutschen Strecken. Foto: Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V.
Zu wenig Schieneneubau sieht der NEE auf den deutschen Strecken. Foto: Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V.
Daniela Kohnen

In diesem Jahr hat die DB Netz AG in Deutschland nur rund drei Kilometer zusätzliche Strecken fertig bauen und in Betrieb nehmen können, bemängelt der NEE. Dafür sei der Bund mitverantwortlich. Konkret seien nur zweieinhalb Kilometer neues Gleis auf der Main-Weser-Bahn und drei Überholgleisverlängerungen beim bundeseigenen Schienennetz hinzugekommen. NEE-Vorstandsvorsitzender Ludolf Kerkeling:

„Die vier Maßnahmen sind äußerst sinnvoll, aber viel zu wenig. Für die Klimaschutzziele bleibt das unter der Nachweisgrenze.“

Während das deutsche Straßennetz jährlich um rund 10.000 Kilometer wachse, stagniere der Schienenausbau nicht erst seit diesem Jahr. Im April letzten Jahres hatte der Verband eine Analyse vorgelegt. Sie zeigte, dass ab dem Jahr der Bahnreform 1994 bis 2018 nur 1.709 Kilometer Schiene, aber zeitgleich etwa 250.000 Kilometer Straßen neu gebaut worden seien.

Laut Kerkeling habe man schlicht und einfach zu wenig Infrastruktur. Der Güterverkehr solle wachsen und komme schon heute an neuralgischen Punkten nicht durch. In der Politik werde die Bedeutung der Schiene für den Klimaschutz derzeit betont. Jedoch solle man dann die öffentlichen Gelder auch nicht mehr in Straßen, sondern in den Schienenausbau stecken.

Es gäbe hunderte Einzelvorhaben vom Großprojekt des viergleisigen Ausbaus zwischen Karlsruhe und Basel über kleine Maßnahmen wie ein zweites abzweigendes Gleis in Hagenow bei Schwerin bis hin zur Schließung der Elektrifizierungslücke zwischen Hof und Regensburg. Laut Kerkeling gelinge Bund und DB Netz die Realisierung seit Jahren nicht. Zunehmend drohten die unvollendeten Pläne zum Bremsklotz im Klimaschutz zu werden.

Immerhin lasse sich die Strecke von München über Memmingen nach Lindau ab dem 13. Dezember unter der neu gebauten Oberleitung zum ersten Mal elektrisch und nicht mehr mit dieselbetriebenen Zügen befahren. Allerdings habe die Umsetzung des Prestigevorhabens auf 155 Kilometer vorhandener Strecke seit der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 1992 fast 30 Jahre gebraucht, bemängelt der NEE-Vorstandsvorsitzende weiter.

Anhand dieser Zahl lasse sich ermessen, wie lange es noch bis zur Schließung der über ganz Deutschland verteilten Elektrifizierungslücken dauern würde, wenn der der Bund nicht umdenken würde und den konsequenten und flächendeckenden Ausbau der Schiene nicht neuorganisiere. Ludolf Kerkeling:

„Für neue Strecken, fehlende Oberleitungen und die sogenannten kleineren und mittleren Maßnahmen im vorhandenen Netz sind zuallererst die DB Netz und das Bundesverkehrsministerium verantwortlich. Warum klappt der Tesla-Bau in Grünheide derart schnell und warum funktioniert das beim Eisenbahnausbau nicht?“

Bei den vier Projekten handele es sich um 2,5 Kilometer Gleisneubau im Stadtgebiet von Frankfurt am Main sowie drei Verlängerungen vorhandener Überholgleise in Eschweiler bei Aachen, Hamburg-Bergedorf und Schwarzenbek in Schleswig-Holstein. Auf den im Rahmen des 75 Projekte umfassenden „740-Meter-Programms“ verlängerten Überholgleisen könnten nun normallange Güterzüge schnellere Personenzüge überholen lassen.

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