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Mobileye: Abbiegeunfälle per Nachrüstsystem preiswert verhindern

Auch dank der Kooperation mit Knorr-Bremse will der israelische FAS-Spezialist Mobileye für eine größere Verbreitung seines Systems sorgen, das günstigen Preis mit hoher Effizienz verknüpfen soll und mit dem sich viele schwere Unfälle vermeiden ließen.

Mit Front- und Seitenkamera lässt sich ein Abbiegesystem darstellen, das sich leicht nachrüsten ließe, etwa an Bussen und Lkw. | Foto: Mobileye
Mit Front- und Seitenkamera lässt sich ein Abbiegesystem darstellen, das sich leicht nachrüsten ließe, etwa an Bussen und Lkw. | Foto: Mobileye
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Anna Barbara Brüggmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Der israelische Spezialist für kamerabasierte Fahrerassistenzsysteme Mobileye will auch dank einer Kooperation mit Knorr-Bremse für eine stärkere Verbreitung seiner FAS-Aftermarket-Lösung inklusive Abbiegeassistent sorgen.

Diverse Studien und Pilotprojekte bei ÖPNV-Unternehmen, Transportunternehmen oder Mietwagenflotten hätten mittlerweile nachgewiesen, dass sich mit dem nachrüstbaren Kamerasystem Mobileye Shield+, das den Fahrer vor beweglichen und "weichen" Hindernissen, wie Fußgängern oder Radfahrern warnt, aber nicht aktiv eingreift, die Unfall- und damit Opferzahlen massiv reduzieren ließen, erklärte der Direktor der Aftermarket-Division der Intel-Tochter Anatoliy Reinhardt bei einem Pressegespräch in München.

Er verwies auf Angaben des Statistischen Bundesamts, das für 2018 in Deutschland 308.000 Unfälle mit Personenschaden registrierte, 87 Prozent davon in Städten und Ballungsräumen. Das Ziel sei es bei der Entwicklung gewesen, ein kosteneffizientes System darzustellen, das durch die Senkung der Schadensquote und der Reduzierung zeitlicher Ausfälle einen schnellen "Return-on-Investment" im Zeitraum bis maximal zwei Jahren ermögliche.

Dieses könne über die Fahrerwarnung hinaus auch zur Prävention beitragen, wenn etwa die Daten der in einem Stadtgebiet kursierenden Fahrzeuge erfasst würden. Mit den anonymisierten Daten könne man, wie ein Pilotprojekt in Düsseldorf und in New York zeigte, auch eine Karte der unfallträchtigen Punkte, ein sogenanntes "Hot Spot Mapping" entstehen. Das wiederum erlaube der städtischen Verwaltung, entsprechend vorzusorgen oder dem Disponenten, die Fahrer entsprechend vor den Stellen zu warnen.

Das System namens Shield+ basiert dabei auf einer Front- sowie einer Seitenkamera und kann im Prinzip an jedem Fahrzeug, ob Nutzfahrzeug oder Pkw, nachgerüstet werden für Gesamtkosten inklusive Einbau von etwa 2.200 Euro. Das auch nur als Frontkamera ohne die Tot-Winkel-Warnung lieferbare System ist nicht abschaltbar, funktioniert bis 65 km/h und ist speziell für Fahrzeuge gedacht, die im urbanen Verkehr unterwegs sind.

Einen aktiven Eingriff in die Bremse oder Lenkung ist dabei nicht vorgesehen. Viele Fahrer hätten in Befragungen angegeben, dass sie das nicht wünschten. Meist genüge eine Warnung, die in mehreren Stufen von orange, rot und akustisch reicht, um Unfälle zu vermeiden, meint Reinhardt. Neben Abbiegeunfällen, die meist schwer ausfielen, nennt er auch die häufigen Auffahrunfälle bei Stauenden, die bei Lkw-Beteiligung oft verheerende Folgen hätten und die sich mit dem Kamerasystem vermeiden ließen.

Das System sei mit seinen Funktionen Spurhalteassistent, Abstandsüberwachung und -warnung und vorausschauende Kollisionswarnung, sowie Abbiegeassistent so ausgelegt, dass es den Fahrer zudem zu einem defensiven Fahrstil erziehe. Viele Fahrer, die bisher eher aggresiv unterwegs seien, würden per Warnsignalen darauf aufmerksam gemacht und müssten sich anpassen.

Zugleich versucht das FAS, aber nicht zu sensibel zu agieren und erst dann zu warnen, wenn wirklich eine gefährliche Situation vorliegt, so Reinhardt. Einschränkungen gibt es allerdings bei schlechten Sichtverhältnissen oder wenn die Linse verschmutzt ist. Hier müssten die Fahrer aufgeklärt werden, um die Kamera auch funktionstüchtig zu halten. 

Darüber hinaus arbeite man daran, das System auch an die Telematik von Fuhrparkbetreibern anzuschließen, um etwa Fahrstilanalysen vornehmen zu können. Ein mit einem leistungsfähigeren Chip ausgestattetes System Mobileye Connect 8 ist derzeit in der Entwicklung. Es soll neben voller Konnektivität auch eine 3-D-Objekterkennung, Verkehrszeichenerkennung und eine verbesserte Nachtsicht ermöglichen.

Reinhardt begrüßte ausdrücklich die Initiative des Bundesverkehrsministeriums zum Einbau des Abbiegeassistenten. Mit "Ich hab den Assi" habe sich die Sensibilität in der Branche für das Thema deutlich erhöht, so der Aftermarket-Experte. Das Interesse sei anfangs eher verhalten gewesen, der Kostendruck hoch und das Verständnis generell für die Funktionalität von Fahrerassistenzsystemen niedrig, so Reinhardts Analyse.

Mit dem zunehmenden Einbau von Assistenz auch in Privat-Pkw nehme die Bekanntheit aber zu. Außerdem verwies Reinhardt auch auf die Förderungsmöglichkeiten über das "De-Minimis"-Programm sowie etwaige Rabattprogramme von Versicherern. Hierzu wolle man noch im Herbst eine größere Kooperation mit einem Versicherungskonzern bekannt geben.

Auch den jüngsten Test des ADAC mit Lkw-Abbiegeassistenten begrüßte Reinhardt und versprach, nachdem keines der Systeme bisher die EU-Regularien voll erfüllen könne, eine zügige Weiterentwicklung im Hinblick auf die statischen und dynamischen Vorgaben. Im ADAC-Test hatte das Mobileye-System aber die laxeren Vorgaben des Bundesverkehrsministeriums erfüllt und mit einer Fehlerquote von sechs Prozent relativ gut abgeschnitten. Nur das radarbasierte System von Mekra-Lang lag hier noch besser.

Auch für die nächste Stufe der Fahrerassistenz in Richtung autonomes Fahren setzt der Anbieter auf sein visuell basiertes System, das deutlich weniger an Datenvolumen erzeugt und keine aufwändige Sensortechnik aus Radar-, Lidar und Kamera benötigt. Es soll eine einfache Erfassung des Verkehrsgeschehens ermöglichen und sich teils aus festen Daten bereits bekannter Strecken, die in der Cloud gespeichert sind, bedienen, um diese mit den Echtzeitdaten der Kameraerfassung abgleichen.

Der Hersteller spricht hier vom "Road Experience Management" (REM). Hierzu gibt es bereits ein Pilotprojekt, bei dem man gemeinsam mit Volkswagen "Robo-Taxis" im Ride-Hailing in Tel Aviv einsetzt. Die mit zwölf Kameras bewehrten Fahrzeuge agieren auf Level 4, der Fahrer muss also nur noch im Notfall eingreifen. Weitere Sensoren sollen allenfalls später zum Einsatz kommen, um die Systeme redundant zu machen, falls die Kameras ausfielen. 

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