MAN: Mit voller Fahrt in die Emissionsfreiheit

Im Jahr 2019 ist MAN SE noch um rund fünf Prozent bei Absatz und Umsatz gewachsen. Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie erwartet der Konzern für das Jahr 2020 ein Minus von mehr als einer halben Milliarde Euro. Eine schnelle Transformation soll den Hersteller zukunftsfest machen.

 MAN-Chef Andreas Tostmann: „Jetzt ist die Zeit zum Handeln.“ (Foto: MAN SE)
MAN-Chef Andreas Tostmann: „Jetzt ist die Zeit zum Handeln.“ (Foto: MAN SE)
Christine Harttmann

Auf der virtuell durchgeführten Hauptversammlung von MAN in München hat Andreas Tostmann, Vorsitzender des Vorstands der MAN SE, über das Geschäftsjahr 2019, die aktuelle Situation und künftige Herausforderungen berichtet. Bei seiner Rede im MAN Bus Forum stellte er fest: „Die Corona-Pandemie wirkt sich drastisch auf unsere Rahmenbedingungen aus. Unsere Werke mussten zeitweise schließen. Die Nutzfahrzeugmärkte sind massiv eingebrochen. Unser Arbeitsalltag in Produktion und Verwaltung sieht völlig anders aus als vor einem Jahr.“

Im Jahr 2019 steigerte die MAN SE den Absatz von Lkw, Bussen und Transportern trotz leichter Eintrübungen im zweiten Halbjahr um fünf Prozent auf rund 143.000 Fahrzeuge. Der Umsatz legte ebenfalls um fünf Prozent zu, auf 12,7 Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis lag um knapp neun Prozent im Plus und erreichte 361 Millionen Euro.

Auch MAN Truck & Bus habe, so Tostmann, die prognostizierten Ergebnisse für Absatz und Umsatz erreicht. Das Operative Ergebnis habe mit 371 Millionen Euro um 31 Millionen Euro und damit um acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Als Grund nannte er den Rückgang beim Lkw-Absatz. Hinzu sei ein schwieriges Marktumfeld für Gebrauchtfahrzeuge gekommen.

„Zusammenfassend gilt für das vergangene Jahr: MAN hat seine Ziele erreicht“, fasst Tostmann das 2019-er-Ergebnis zusammen.

In 2020 hat die Pandemie die Lage jedoch dramatisch verschärft.

„Das hat unsere Geschäftsentwicklung erheblich belastet“, so Tostmann.

Sowohl bei MAN Truck & Bus als auch bei MAN Latin America erwartet der Vorstandsvorsitzende, dass Absatz und Umsatz deutlich unter dem Vorjahreswert liegen werden. Das Operative Ergebnis der MAN Gruppe werde „voraussichtlich im Bereich zwischen minus 550 und minus 750 Millionen Euro liegen. Je nachdem, wie stark die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus die Wirtschaft erneut einschränken“.

Positiv vermerkt Tostmann eine Belebung der Nutzfahrzeugmärkte im dritten Quartal, betont aber auch, dass die Lage weiter „extrem volatil“ bleibe.

Doch trotz Pandemielage – die wichtigen Trends der Nutzfahrzeugbranche nehmen weiterhin Fahrt auf: alternative Antriebe, Digitalisierung und Automatisierung. Insbesondere elektrifizierte Nutzfahrzeuge würden, so Tostmann, mit dem Rückenwind gesetzlicher Vorgaben die Straßen erobern. Die EU verlange für Lkw über 16 Tonnen bis 2030 eine CO2-Reduzierung von 30 Prozent im Vergleich zum aktuellen Niveau. Diese Entwicklungen bedeuten für MAN:

„Jetzt ist die Zeit zum Handeln. Wir müssen dieses Unternehmen konsequent auf die Zukunft ausrichten – und zwar nachhaltig“, so Tostmann.

Für den MAN-Chef steht fest:

„Wir wollen nicht nur die Gegenwart steuern. Wir wollen die Zukunft gestalten.“

Neben Zukunftsorientierung, um die Entwicklungen vorauszusehen, Innovationskraft, um Lösungen für eine neue Zeit zu entwickeln gehörten dazu, sagt Tostmann, die finanziellen Mittel, den Wandel zu stemmen. Dafür solle das operative Ergebnis soll bis 2023 um 1,8 Millionen verbessert werden. Rückenwind verspricht sich der MAN-Chef außerdem von der Integration in die Traton Group. MAN profitiere vom gemeinsamen Einkauf, vom Wissens- und Technologietransfer innerhalb der Gruppe sowie von strategischen Partnerschaften.

Als zentralen Entwicklungs-Schwerpunkt nennt der Konzern-Chef alternative Antriebe. Hier beginne jetzt die entscheidende Phase. Geht es nach Tostmann, dann sind in zehn Jahren mindestens 60 Prozent der neuen MAN-Verteiler-Lkw in Städten emissionsfrei sein. Und für die Langstrecke strebt der Konzern bis 2030 einen Anteil von 40 Prozent emissionsfreier Lkw an. Bis Ende dieses Jahrzehnts will der Hersteller zudem das automatisierte Fahren von Hub zu Hub beherrschen.

„Dass wir gut unterwegs sind, zeigen die Produkte, die wir bereits im Markt haben. Unser E-Transporter eTGE ist seit 2018 bei vielen Kunden erfolgreich im Einsatz. Den Verteiler-Lkw eTGM bauen wir seit diesem Jahr in Kleinserie.“

Auf der Langstrecke will Tostmann auf Wasserstoff setzen. Zur Zero-Emission-Roadmap von MAN Truck & Bus gehöre daher sowohl die Brennstoffzelle als auch der H2-Verbrennungsmotor.

„Im kommenden Jahr testen wir erste Prototypen. Im Anschluss werden wir in die Kundenerprobung einsteigen.“

Abschließend betonte der Truck-Chef noch:

„Die kommenden Jahre werden vielleicht die entscheidendsten in der ereignisreichen Geschichte von MAN sein.“

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