Logistikimmobilien: Berlin ist ein schwieriger Markt

Der Markt für Logistikimmobilien im Großraum Berlin erreicht im ersten Halbjahr 2020 schlechtestes Ergebnis der letzten vier Jahren. Dennoch bleibt der Markt solide.

Schwierige Rahmenedingungen erschweren derzeit den Neubau von Gewerbeimmobilien in Berlin. (Foto. Pixabay)
Schwierige Rahmenedingungen erschweren derzeit den Neubau von Gewerbeimmobilien in Berlin. (Foto. Pixabay)
Radosveta Angelova

Realogis Immobilien veröffentlicht seinen Marktbericht für die erste Jahreshälfte 2020 im Großraum Berlin. Der Flächenumsatz von insgesamt 155.600 Quadratmetern verzeichnet demnach das schlechteste Ergebnis gegenüber der letzten vier Vergleichszeiträume, unter anderem bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Auf den ersten Blick wirkt das Halbjahresergebnis schwach: Das vom Amazon-Mietvertrag (30.000 Quadratmeter) geprägte Vorjahresergebnis wurde um 42 Prozent verfehlt (erstes Halbjahr 2019: 266.900 Quadratmeter) und auch der Flächenumsatz von 75.700 Quadratmetern im Neubausegment ist im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 41 Prozent gesunken (127.400 Quadratmeter). Auf den zweiten Blick wird jedoch sichtbar, dass sich die Corona-Krise nur kurz im Großraum Berlin spürbar gemacht hat: Die Dynamik sei tatsächlich deutlich höher gewesen, sodass einige große Mietverträge in den vergangenen Monaten abgeschlossen worden seien, so Ben Dörks, Geschäftsführer der Realogis Immobilien Berlin. Diese seien jedoch durch Nutzungs- und Baugenehmigungen noch aufschiebend bedingt und würden erst im dritten und vierten Quartal 2020 in die Statistik eingehen.

Ben Dörks erläutert:

„Zählt man diese bereits erfolgten Großabschlüsse hinzu, kommt man auf ein Ergebnis von circa 100.000 Quadratmeter im zweiten Quartal beziehungsweise ein Halbjahresergebnis von rund 200.000 Quadratmeter, was die Kondition des tatsächlichen Marktes und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen besser wiederspiegelt. Damit sind wir voll im Soll.“

Im zweiten Quartal soll Realogis Mietverträge über 35.000 Quadratmeter Fläche vermittelt haben, die allerdings alle aufschiebend bedingt seien – eine neue Entwicklung auf dem Berliner Markt, so Dörks weiter. Im Vergleich zu anderen Top-Logistikmärkten wie Hamburg, München und Stuttgart hätte es in Berlin bisher immer ausreichend verfügbare Flächen gegeben, die zum sofortigen Einzug zur Verfügung gestanden hätten.

Ben Dörks ergänzt im Detail:

„Mittlerweile wird jedoch einerseits die Flächenauswahl bei größeren Einheiten ab 10.000 Quadratmeter knapper, andererseits müssen Vermieter und Nutzer erst drei bis sechs Monate auf eine Bau- oder Nutzungsgenehmigung warten. Das gilt gleichermaßen für den Neubau und für Umbauten, wie beispielsweise die Anpassung einer Logistik- in eine Produktionsimmobilie. Damit verschiebt sich der Bezug und die Aufnahme der Tätigkeiten in den Gebäuden, die erst gebaut oder umgerüstet werden müssen, zeitlich nach hinten.“

Im kleineren Flächensegment sei kurzfristig die Krise spürbar gewesen, dies würde jedoch aktuell durch längerfristigere Immobilienentscheidungen mittelständischer Unternehmen wieder auskompensiert werden, so Ben Dörks. Auch der Zukunft sieht der Geschäftsführer optimistisch entgegen: Der Markt sei in einer guten Verfassung, die aktuellen Gesuche der Unternehmen seien bekannt und die prognostizierte Gesamtperformance von ca. 400.000 bis 450.000 Quadratmeter Mietflächenumsatz bis Jahresende sei durchaus erreichbar – und das ohne Tesla mit einzukalkulieren.

Trotz Pandemie-Bremse stellt weiterhin das Stadtgebiet Berlin mit 55,4 Prozent beziehungsweise 86.250 Quadratmetern in der ersten Jahreshälfte den größten Anteil an Flächenumsatz in Deutschland fest (erstes Halbjahr 2019: 40 Prozent, 107.400 Quadratmeter). Starke Beiträge leisteten Rewe, Vivantes, E-Commerce, Jonas&Redmann und die Flaschenpost, allesamt mit Aufträgen aus den Segmenten „5.000-10.000 Quadratmeter“ und „ab 10.000 Quadratmeter“. In der Größenklasse „3.000 - 5.000 Quadratmeter“ ergab sich mit neun statt zehn Abschlüssen im Vorjahr nur wenig Veränderung. 36 weitere Mitverträge aus dem Segment „unter 1.000 Quadratmeter“ hoben das Gesamtergebnis an. Zu insgesamt 47 Prozent bzw. 72.640 Quadratmeter trug die Branche Handel zu diesem Ergebnis bei, wovon der klassische Handel fast zwei Drittel beitrug. Mit 22 Prozent landet die Logistik auf dem zweiten Platz und das Schlusslicht bildet die Industrie mit 18 Prozent.

Abschließend lässt sich noch vermerken, dass die allgemeinen Mietpreise im Stadtgebiet Berlin angezogen wurden. Die Realogis Immobilien hat die untere Grenze für Lager- und Logistikflächen ab 5.000 Quadratmetern von 5,50 Euro pro Quadratmeter auf 6,00 Euro pro Quadratmeter, und für Lager- und Logistikflächen ab 2.000 Quadratmetern von 6,00 Euro pro Quadratmeter auf 6,50 Euro pro Quadratmeter angehoben. Aktuell notiert die Spitzenmiete bei 7,00 Euro pro Quadratmeter (erstes Halbjahr 2019: 6,90 Euro pro Quadratmeter; +1,45 Prozent) und die Durchschnittsmiete bei 5,80 Euro pro Quadratmeter (erstes Halbjahr 2019: 5,50 Euro pro Quadratmeter; +5,45 Prozent).

Printer Friendly, PDF & Email
Symboldbild Transportjobs

Mehr als 750 aktuelle Jobangebote aus der Transportbranche, vom Lkw-Fahrer über Fuhrparkmanager bis zu Disposition, Teamleitung und vieles mehr mit individueller Suchfunktion und Kartenansicht bieten wir Ihnen ab sofort in unserem Job-Bereich: Ihr nächster Schritt auf der Karriereleiter?

Alle Transport-Jobs anzeigen »