Lkw-Maut: DSLV sieht Gefahr für Stückgutverkehr

Der Bundesverband Spedition und Logistik prognostiziert einen sprunghaften Anstieg der Lkw-Mautkosten für das Stückgutgeschäft. Das betreffe vor allem auch den Verteilerverkehr und kurze Strecken.

Der Bundesverband Spedition und Logistik kritisiert die Absenkung der Haushaltsmittel für das KsNI-Förderprogramm und sieht bei der Lkw-Maut ein großes Problem für den Nah- und Verteilerverkehr. Foto: Pixabay
Der Bundesverband Spedition und Logistik kritisiert die Absenkung der Haushaltsmittel für das KsNI-Förderprogramm und sieht bei der Lkw-Maut ein großes Problem für den Nah- und Verteilerverkehr. Foto: Pixabay
Daniela Sawary-Kohnen

Um durchschnittlich 81 Prozent werden die sendungsbezogenen Kosten der Lkw-Maut in der Stückgutlogistik bereits ab 1. Dezember 2023 steigen. Dies geht aus einer vom DSLV Bundesverband Spedition und Logistik in Auftrag gegebenen Untersuchung zu den Auswirkungen der jetzt beschlossenen Mautgesetzgebung auf die Stückgut- und Systemlogistik hervor.

Mit der letzten, noch nicht einmal zehn Monate zurückliegenden Anhebung der Mautsätze zum 1. Januar 2023 ergebe sich sogar ein kumulierter Anstieg der Mautkosten bei den Systemverkehren um durchschnittlich 93 Prozent, so der Bundesverband.

Dabei würden die bei den Sammelgutspeditionen zum Jahresende anfallenden Mautkosten in Spitzen sogar um über 100 Prozent steigen. Die große Varianz sei vor allem abhängig von den Depotstandorten, dem Anteil mautpflichtiger Strecken bei den Nahverkehrstouren und von den in den jeweiligen Netzwerken eingesetzten Fahrzeuggrößen.

Zero Emission Vehicle im Fernverkehr

Mit modernsten EURO VI-Fahrzeugen würden die Systemlogistiker heute Sammeltransporte zwischen den Stückgut-Verteilzentren und Depots im Fernverkehr durchführen. Auch für diese technisch ausgereiften Langstrecken-Flotten stiegen die Mautkosten im Lkw-Hauptlauf zum Jahresende an. DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster:

„Ein schneller Umstieg auf Zero Emission Vehicle im Fernverkehr ist dringlicher denn je, aber immer noch illusorisch. Es fehlt der Strom. Es fehlen die Power Charger. Es fehlen die Flächen. Und jetzt fehlt auch noch die Perspektive für verlässliche staatliche Anschaffungsförderungen, die Grundlage für Investitionen der überwiegend mittelständisch strukturierten Stückgutkooperationen in die drei- bis fünfmal so teuren emissionsfreien Fahrzeugalternativen sind.“

Das Problem Nahverkehrstouren

Diese Kritik gelte auch mit Blick auf die drohende drastische Absenkung der Haushaltsmittel für das KsNI-Förderprogramm. Aus dem jetzt verabschiedeten Dritten Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften würden sich laut Huster auch spürbare Kostensprünge im Nah- und Verteilerverkehr ergeben:

„Aufgrund seiner geringeren Radien ist der Nahverkehr geradezu prädestiniert für die Elektromobilität. Auch hier Fehlanzeige beim schnellen Antriebswechsel. Durch den schleppenden Ausbau grundlastfähiger Stromnetze zu den Stückgut-Verteilzentren und Depots, begleitet von einem realitätsfernen KsNI-Förderproramm kommen viele Unternehmen selbst im Verteilerverkehr über eine elektro-mobile Pilotphase nicht hinaus. Und damit bleiben sie in der Mautkostenfalle stecken.“+#

Eine Nahverkehrstour mit einer Länge von durchschnittlich 200 Kilometer wird heute bereits zu 82,6 Prozent auf mautpflichtigen Straßen durchgeführt. Huster:

„Damit sind Mautausweichverkehre pure Theorie.“

Ab Dezember entfielen 42 Prozent der Gesamtmautkosten einer Durchschnittssendung in der Stückgutlogistik auf den regionalen Verteilerverkehr. Durch eine Änderung der Bemessungsgröße im Mautgesetz von „höchstzulässigem Gesamtgewicht“ in „technisch zulässige Gesamtmasse“ werde der Kreis der mautpflichtigen Nahverkehrsfahrzeuge zum 1. Dezember 2023 noch größer: bislang auf 7,49 Tonnen „abgelastete“ Fahrzeuge würden zum 1. Dezember 2023 als 7,5 Tonnen-Fahrzeuge klassifiziert – und auch 11,99-Tonner spängen in die nächsthöhere und damit teurere Mautklasse.

Zudem würde der nächste Kostenschub schon feststehen, denn ab 1. Juli 2024 müssten auch die kleinsten Zustellfahrzeuge ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse die Lkw-Maut entrichten. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres werde der durchschnittliche prozentuale Kostenzuwachs der Lkw-Maut dadurch von 81 auf 88 Prozent je Sendung springen. 

Daten der Mautkostenanalyse

An der Mautkostenanalyse haben sich laut DSLV zwölf Stückgutnetzwerke mit 42 Depot-Standorten in sämtlichen Regionen Deutschlands beteiligt. Das vom DSLV beauftragte Beratungsunternehmen FORLOGIC hat die Daten von 2.160 Fahrzeugen und Tourenprofilen sowie 230.000 Sendungen ausgewertet.

Ziel der Studie sei es, Transparenz über die betrieblichen Mautkostenstrukturen und -höhen in den Systemnetzen herzustellen, hieß es. Die Mautkosten seien nur ein Teil der Abwicklungskosten einer Stückgutsendung. Auch die Personal-, Sach- und Energiekosten befänden sich im anhaltenden Steigflug.

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