Lkw-Fahrerhaus: Künstliches Tageslicht fördert Wohlbefinden

Ein Forscherteam der Daimler AG untersucht mit der Versuchsreihe „Daylight+“ die Auswirkungen von zusätzlichem Licht auf das mentale Befinden und die Leistungsfähigkeit von Lkw-Fahrern.
 Ein Forscherteam der Daimler AG will herausfinden, ob zusätzliches Licht das mentale Befinden des Truckers positiv beeinflusst. (Foto: Daimler)
Ein Forscherteam der Daimler AG will herausfinden, ob zusätzliches Licht das mentale Befinden des Truckers positiv beeinflusst. (Foto: Daimler)
Tobias Schweikl

Hat künstliches Tageslichtlicht einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Lkw-Fahrern? Ein Forschungsteam des Lkw-Herstellers Mercedes-Benz Trucks ging dieser Frage nach. Acht Testfahrer simulierten am Standort Rovaniemi in der finnischen Polarnacht zwei typische Trucker-Arbeitswochen. Jeweils eine Woche fuhren die Trucker im Wechsel in einer Lkw-Kabine mit herkömmlicher Beleuchtung beziehungsweise mit einem sogenannten „Daylight+“-Modul, das während der Fahrt und in Pausen für zusätzliches Tageslicht in der Kabine sorgt. Speziell untersuchte das Team rund um Projekt- und Versuchsleiter Siegfried Rothe Licht mit einer Wellenlänge zwischen 460 und 490 Nanometer. Aufgrund der Bauform einer üblichen Lkw-Kabine erreicht nur ein verhältnismäßig geringer Prozentsatz des natürlichen Tageslichts den Fahrer.

In einer ersten Versuchsreihe mit Ingenieuren aus der Abteilung Fahrversuch fand man heraus, dass sich subjektive Befinden aller Probanden unter dem Einfluss einer zusätzlichen Lichtdosis signifikant verbesserte, egal zu welcher Tageszeit. Zudem fuhren die Testfahrer mit mehr Tageslicht in der Kabine wirtschaftlicher.

Bei der nun durchgeführten zweiten Versuchsreihe in Rovaniemi wurden die Testpersonen mit sich selbst verglichen. Also wie sich die Performance eines Fahrers verändert, wenn er nach fest definierten Bedingungen zusätzlich biologisch wirksames Tageslicht bekommt. Die zusätzliche Gabe erfolgte in drei Formen mit jeweils unterschiedlicher Intensität:

• Als Dauerlicht während der Fahrt, wobei die Intensität der Außenhelligkeit angepasst wird.

• Als intensive Lichtdusche mit maximaler Intensität während der Tests vor und nach der Fahrt.

• Als Lichtliege ebenfalls mit maximaler Intensität während der Pausen, in denen sich der Fahrer in Power-Nap-Position auf seinem Sitz entspannt. In den Nachtstunden schliefen die Probanden im normal abgedunkelten Truck.

Die Versuchsergebnisse dokumentierte das Team mit Hilfe von Elektroenzephalografie (EEG), Elektrokardiografie (EKG) und Elektrookulografie (EOG) und weiteren physiologischen Messungen sowie mit Speichelproben zur Ermittlung der Konzentration des Schlafhormons Melatonin. Die mentale Befindlichkeit und, damit eng verknüpft, die professionelle Leistungsfähigkeit wurden über standardisierte psychologische Testverfahren (Daueraufmerksamkeits- und Reaktionstests am Computer) ebenso überprüft wie mit der Aufzeichnung der Fahrzeugdaten durch das Telematiksystem FleetBoard.

Rothe rechnet damit, dass es nach dem Ende der Versuchsreihe am Polarkreis mehrere Monate dauern wird, ehe das umfangreiche Datenmaterial gesichtet und analysiert ist.

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