Ladungsdiebstahl: Kravag warnt vor Phantomfrachtführern

Nach Angaben der Kravag-Experten kommt es zu immer mehr Betrugsfällen, bei denen Kriminelle unter falscher Identität direkt bei den Unternehmen vorfahren und Ladungsdiebstahl begehen.

Laut Kravag-Juristen verschleiern Kriminelle bei Ladungsdiebstählen häufig ihre Identität, indem sie den Namen einer anerkannten Spedition verwenden. (Symbolbild: Pixabay)
Laut Kravag-Juristen verschleiern Kriminelle bei Ladungsdiebstählen häufig ihre Identität, indem sie den Namen einer anerkannten Spedition verwenden. (Symbolbild: Pixabay)
Anna Barbara Brüggmann

Dem R+V-Tochterunternehmen Kravag zufolge hat seit einem Jahr die Zahl der Betrugsfälle durch sogenannte Phantomfrachtführer massiv zugenommen. Schadenfälle in Millionenhöhe seien dabei keine Ausnahme.

"Bei dieser Masche fahren die Kriminellen direkt bei einem Unternehmen vor, lassen sich den Lkw vollladen und verschwinden dann mit der Ware auf Nimmerwiedersehen", so Kravag-Jurist Alexander Gsell.

Er verweist auf die Angaben von Havariekommissaren, die die Kravag bei den Ermittlungen zu Lkw-Ladungsdiebstählen unterstützen.

Doch wie werde bei solchen Diebstählen vorgegangen? Laut Kravag würden sich dabei die Betrüger gezielt auf zum Beispiel in Online-Frachtbörsen angebotene Aufträge bewerben.

Unter falscher Identität

"Um ihre Identität zu verschleiern, verwenden sie meist den Namen einer anerkannten Spedition", so Gsell.

Dabei handle es sich um Identitätsdiebstahl. Die Kriminellen würden Teile der E-Mail-Adresse des renommierten Unternehmens verändern. Zudem würden fehlende Dokumente wie die Versicherungsbestätigung gefälscht.

Der Aufwand für die Diebesbanden ist dabei laut Gsell sehr gering. Sie müssten dann nur noch einen Auftrag ergattern und die Ware mit dem Lkw abholen.

Verlust in Millionenhöhe

Besonders beliebt seien dabei Metall-Transporte. "Kupfer ist begehrt wie Gold", sagt Gsell. Zwar werde in den Online-Frachtbörsen nicht angegeben, welche Ware transportiert werden soll, aber die Kriminellen könnten sich dies oftmals über die angezeigten Routen erschließen.

"Die Kriminellen wissen genau, wo Kupfer hergestellt wird - und wohin es üblicherweise geliefert wird", warnt der Kravag-Jurist.

Oft gehe es dabei nicht um eine Ladung, sondern um mehrere Lkw, sodass ein Verlust in Millionenhöhe entstehen könnte. Doch neben Metallen wie Kupfer und Messing seien auch andere Produkte begehrt.

"Es gibt Tätergruppen, die sich auf Elektronik spezialisiert haben, andere haben es vor allem auf Lebensmittel abgesehen", betont Gsell. "Für die Ware gibt es eine regelrechte Lagerhaltung wie bei Großhändlern."

Lediglich verderbliche Frischware sei nicht interessant - zu viel Zeitdruck für den Weiterverkauf der Diebesbeute.

Dokumente gründlich prüfen

Die Kravag-Experten verweisen darauf, dass bei innerdeutschen Warentransporten die sogenannte Verkehrshaftungsversicherung Pflicht ist. Diese trete ein, wenn die Ware beschädigt, zerstört oder gestohlen wird.

Voraussetzung sei aber, „dass der Versicherte alle Obliegenheiten erfüllt“. Gsell zufolge habe der Versicherte demnach eine Mitwirkungspflicht. Dazu zählt seiner Aussage nach, Dokumente gründlich zu prüfen.

Auf Fälschungen hinweisen könnten unter anderem wechselnde Schrifttypen in einem Dokument, abgeschnittene Unterschriften oder Adressangaben von Phantasieorten.

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