Kombiverkehr: Trendwende ist geschafft

Der Bahnoperateur hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 wieder mehr Güter auf der Schiene transportiert. Mit einem neuen Kundenportal will er nun ab Herbst 2022 den Einstieg in den Intermodalen Verkehr zusätzlich erleichtern und für mehr Datentransparenz sorgen.

Wichtiger Eckpfeiler der Kombiverkehr KG heute und in Zukunft: Die Schnellumschlaganlage MegaHub Hannover Lehrte. (Foto: Kombiverkehr)
Wichtiger Eckpfeiler der Kombiverkehr KG heute und in Zukunft: Die Schnellumschlaganlage MegaHub Hannover Lehrte. (Foto: Kombiverkehr)
Christine Harttmann

Im Geschäftsjahr 2021 hat die Kombiverkehr KG 937.959 Lkw-Sendungen oder 1,88 Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer) auf die Schiene verlagert. Damit schafft das Unternehmen die Trendwende und steigert seine Transportmengen um 9,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Wie das Unternehmen auf der Gesellschafterversammlung am 22. Juni 2022 weiter informierte, erwirtschaftete es im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 421,9 Millionen Euro.

Sowohl Gesamttonnage als auch Transportleistung legten deutlich zu. Um 9,2 Prozent auf insgesamt 22,16 Millionen Bruttotonnen stieg die Transportmenge. Bei einer mittleren Transportentfernung der Sendungen von 833 Kilometer verbesserte sich die Transportleistung sogar um 10,2 Prozent auf 18,46 Milliarden Tonnenkilometer.

Gut für's Klima

Wie der Bahnoperateur vorrechnet, sparten seine Kunden damit 1,1 Millionen Tonnen CO2 ein. Zudem entlasteten die Sendungen, die an den mehr als 110 im Netzwerk enthaltenen Terminals aufgeliefert wurden, die europäischen Fernstraßen um 781 Millionen Fahrzeugkilometer. Bei 251 Verkehrstagen entspricht das durchschnittlich 3.700 Lkw-Fahrten täglich.

Innerhalb Deutschlands wurden 190.521 intermodale Einheiten befördert. Dies entspricht einem Zugewinn von 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit stieg der Anteil des innerdeutschen Verkehrs am Gesamtvolumen auf 20 Prozent. Das Aufkommen im grenzüberschreitenden Verkehr stieg um 7,9 Prozent auf 747.438 Sendungen.

Besonders deutlich fielen die Zugewinne in Ost- und Westeuropa aus, während die Sendungsmengen im Verkehr von und nach Nordeuropa um 2,3 Prozent sanken. In Südeuropa konnte die Kombiverkehr KG die geringen Verluste aus dem vorletzten Jahr wieder ausgleichen. Der im Jahr 2021 neu installierte Vertriebsbereich Benelux-Italien verbuchte bis zum Jahresende mehr als 34.000 Sendungen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien 2021 weitaus geringer ausgefallen als noch 2020, erklärte Geschäftsführer Alexander Ochs:

„Die Nachfrage nach intermodalen Logistikdienstleistungen stieg zwischen März und Juni im Vergleich zum Vorjahr rasant an und stabilisierte sich dann ab dem Sommer mit Zuwachsraten im mittleren einstelligen Niveau.“

Die wirtschaftliche Erholung in ganz Europa habe ebenfalls einen positiven Effekt gehabt – auch wenn sie deutlich geringe ausfiel als ursprünglich prognostiziert, so Ochs

„Allerdings ist festzuhalten, dass im vergangenen Jahr infolge von Störungen im Zugbetrieb mehr als 3.000 Kombiverkehr-Züge ausgefallen sind. Annähernd 90.000 Lkw-Sendungen konnten somit nicht effizient und nachhaltig mit Kombiverkehr auf der Schiene transportiert werden.“

Positiv ins neue Jahr

In den ersten Monaten Januar bis Mai 2022 setzte sich die positive Sendungsentwicklung bei dem Frankfurter Unternehmen fort. Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Entwicklungen, den Auswirkungen der gestörten Lieferketten durch Lockdowns in Asien und den Folgen des Krieges in der Ukraine bleiben die straßenseitigen Herausforderungen wie Fahrermangel und Klimaschutz hoch und lassen die Nachfrage nach intermodalen Transporten aktuell nicht abreißen: Mit über 418.000 Lkw-Sendungen wurden rund 8,0 Prozent mehr befördert.

Mit der Inbetriebnahme der Schnellumschlaganlage MegaHub Lehrte im April vergangenen Jahres hat Kombiverkehr das intermodale Netzwerk um einen wichtigen Baustein ergänzt.

„Wir sehen Hannover Lehrte als eine große Chance für Kapazitätserweiterungen.“ so Ochs.

Mehr als 36.000 Lkw-Sendungen wurden im Zeitraum April bis Dezember 2021 über die niedersächsische Drehscheibe abgewickelt.

Der Flaschenhals

Als „Flaschenhals im Güterverkehr“ bezeichnet das Unternehmen die Gleisinfrastruktur und die Terminalkapazitäten. Die verstärkten Baumaßnahmen am Schienennetz würden eine unverhältnismäßig hohe Zahl an Zugverspätungen und -ausfällen verursachen, die sich auf Personaleinsatzplanung, Terminalslots und Wagenumläufe auswirken. Dies müsse schnellstens beendet werden, konstatiert Ochs‘ Geschäftsführerkollege Armin Riedl. Für die Nutzer des Intermodalen Verkehrs fordert er einen Kostenausgleich.

„Es darf nicht sein, dass die aktuellen Probleme der Netz- und Bahnunternehmen die Nutzung des Intermodalen Verkehrs grundlegend in Frage stellen und die Zukunftsfähigkeit des Gesamtsystems gefährden.“

Riedl verwies auch auf die Energiekosten der Bahnunternehmen. In den letzten beiden Jahren hätten sich die verdreifacht.

„Die Schiene zahlt heute die höchsten Abgaben für Energiesteuern, -umlagen und -entgelte im Güterverkehr. Das sind 8,33 Cent pro Kilowattstunde laut der Allianz pro Schiene, 2,68 Cent mehr als der Diesel-Lkw und 6,39 Cent mehr als der LNG-Lkw. Dieser Preistrend kann nur durch eine Strompreis-Bremse gestoppt werden, die schnellstens seitens der Bundesregierung vorbereitet und in Kraft treten muss.“

Mit Service Kunden locken

Das Frankfurter Unternehmen selbst, will die Kunden über besseren Service locken. Im Herbst 2022 soll dafür das Portal meinKombiverkehr kommen. Neben einer modernen Online-Fahrplanauskunft biete es eine zentrale Auftragsübersicht mit allen Detailinformationen im jeweiligen Transportstatus. Jeder Auftrag könne editiert werden und Transportläufe würden durch eine neue Tracking&Tracing-Funktion inklusive Estimated Time of Pick-up angezeigt. Die heutige Online-Buchung wird in das Portal integriert und soll laut Kombiverkehr vereinfacht werden.

„Mit dem neuen Kundenportal werden wir unseren Service auf ein neues Level heben. Das Buchen, Überwachen und Steuern von Transporten mit Kombiverkehr wird zukünftig noch einfacher und die Transparenz der Informationen wird um ein Vielfaches erhöht werden“, sagt Ochs.

Neu ist außerdem die Gesellschaft DX Intermodal GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen aus den sechs Gesellschaftern, Hoyer Group, Hupac Intermodal, Kombiterminal Ludwigshafen, Lokomotion, Paneuropa Transport und Kombiverkehr. Mit ihr hat das einstige Forschungsprojekt „Digitalisierung intermodaler Lieferketten – KV 4.0“ endgültig den Übergang in die Praxis geschafft. Die neue Datendrehscheibe kreiert europaweit eine eindeutige Sendungs-Identifikation. Nutzer erhalten so über eine Datenschnittstelle Zugang zu sämtlichen Informationen aller Akteure in der intermodalen Transportkette.

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