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International Cargobike of the Year: Velove, Radkutsche und Bycilyft gewinnen neuen Award

Nach einem intensiven Test-Procedere einer international besetzten Jury aus Cargobike-Experten sind beim International Cargo Bike Festival (ICBF) in Groningen erstmals die Awards zum "International Cargobike of the Year" vergeben worden. Die in drei Klassen kategorisierten Awards sollen dem Trend zur Lastenradlogistik und Nutzung auch im gewerblichen Bereich Rechnung tragen und werden von der Fachzeitschrift LOGISTRA aus dem HUSS-VERLAG verliehen.

Die Innovationen in der Cargobike-Branche zu pushen, das hat sich der neue Preis "International Cargobike of the Year" auf die Fahnen geschrieben. | Foto: J. Reichel
Die Innovationen in der Cargobike-Branche zu pushen, das hat sich der neue Preis "International Cargobike of the Year" auf die Fahnen geschrieben. | Foto: J. Reichel
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Anna Barbara Brüggmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Der erstmals vom HUSS-VERLAG vergebene Preis "International Cargobike of the Year" findet in den professionell ausgerichteten Cargobikes von Velove Armadillo (Heavy), Radkutsche Rapid sowie dem palettenfähigen Anhänger Bycilift würdige Gewinner. Die Awards werden von  der Fachzeitschrift LOGISTRA, die wie die Zeitung Transport im HUSS-VERLAG erscheint, verliehen und sollen dem Trend zur Lastenradlogistik und Nutzung auch im gewerblichen Bereich Rechnung tragen.

"Wir hoffen, mit dem neuen Award einer noch immer jungen Branche Impulse und Anregungen geben zu können und wollen zugleich die zahlreichen Innovationen, die hier passieren, ins Rampenlicht rücken", erklärte Jury-Chairman Johannes Reichel bei der Preisverleihung, der zugleich ICBF-Organisator Jos Sluijsmans für die Zusammenarbeit bei der Award-Premiere dankte.

Awards in drei Kategorien

In der Kategorie Cargo Bike Trailer setzte sich der BiciLyft aus Frankreich durch. Das Konzept realisiert eine palettentaugliche Anhängerlösung für elektrisch unterstützte Cargobikes, die selbst ohne Antrieb auskommt, aber bis zu 180 Kilogramm Nutzlast bietet, bei einem geringen Eigengewicht von nur 25 Kilogramm. Zudem kann die Palettenware vor Ort mit einem schlichten Hebemechanismus abgesetzt werden. Darüber hinaus hat der Hersteller mittlerweile zahlreiche Box-Aufbauten, etwa mit KEP-Regalen oder für Kleider- oder Lebensmitteldistribution im Angebot, die sich mit dem System kombinieren lassen.

Bei den leichten Cargobikes, die für schlanke Durchfahrtbreite einspurig konzipiert sind, setzte sich der deutsche Anbieter Radkutsche mit seinem Modell Rapid durch, das auf Basis eines Stahlrahmenkonzepts mit großvolumiger Box hohe Agilität und Wendigkeit mit gutem Komfort und genereller Robustheit vereint. Auch der Eezee-Frontantrieb kombiniert mit einer NuVinci-Enviolo-Nabenschaltung überzeugte, dann stufenloser Verstellung und präziser Tretunterstützung. Hinter dem Rapid folgt der niederländische Klassiker von Urban Arrow, die mit einer neuen Plattformvariante des Modells Cargo angetreten waren.

Hier gefiel den Testern vor allem die dank verstellbarer Kunststoffwände offene oder geschlossene Ladeplattform, die viel Stellfläche und Flexibilität bietet. Außerdem gab die NuVinci-Schaltung eine stimmige Kombination mit dem Bosch CX Performance-CX-Antrieb ab. Hinter dem Urban Arrow, das etwas mehr auf gewerbliche Anwender zielt, gefiel das gefederte Riese&Müller Load 75 mit exzellenten Fahreigenschaften und hohem Komfort, musste aber beim Thema Ladevolumen Abstriche hinnehmen.

Zwischen Sitzen und Liegen: Hybrid-Konzept beim Velove

In der "Königsklasse" der schweren Cargobikes setzte sich nach einem spannenden Finish das konsquent auf gewerbliche Anwendungen zugeschnittene, vierrädrige Velove Armadillo durch. Die Tester waren trotz anfänglicher Skepsis im Bezug auf die "Liegerad"-ähnliche und entsprechend niedrigere Hybrid-Sitzposition angetan vom hohen Komfort, der Fahrstabilität, dem exzellenten Geradeauslauf und der unkomplizierten Handhabung des gefederten Bikes. Zudem überzeugte die Einbettung in ein logistisches Gesamtkonzept mit wechselbaren Containeraufbauten. Auch eine Zwei-Container-Version mit Sattelzugkonzept ist hier möglich, um die Transporteffizienz weiter zu steigern.

Außerdem bietet der Hersteller Leasing- und Full-Service-Verträge an, um gewerbliche Kunden zu überzeugen. Aus Sicht der Jury rechtfertigen diese Vorteile auch den hohen Preis von über 10.000 Euro. Die stattliche Länge von 3,12 Meter wird durch eine auch bei Pollersperren taugliche Breite von nur 86 Zentimeter aufgewogen. Auch die geschmeidig und wohldosiert den Tretprozess unterstützende Kombination eines Bafang-Mittelmotors mit einer 14-Gang-Rohloff-Nabenschaltung und die eigens gestalteten stahlspeichenlosen Felgen konnten bei den Testern punkten. 

US-Power: Das RadBurro sprengt die Fesseln der sinnfreien Limitierung

Hinter dem Velove fuhr überraschend der neue Anbieter RadPower mit dem RadBurro aufs Podest. Das junge US-Start-up-Unternehmen aus Seattle setzt bei seinem Trike-Konzept bei Reifen, Felgen und Bremsen auf robuste Komponenten aus dem Motorrad-Bereich und setzt sich mit einem Konzept ab, das bewusst in das Feld der Leichtelektrofahrzeuge vorstößt. Die Klassifizierung des RadWagon erfolgt nach der L2E-Norm, wodurch der Anbieter nicht an die für gewerblich genutzte E-Cargobikes unpassende Limitierung auf 250 Watt Dauerleistung gebunden ist.

Entsprechend lässt sich das wuchtige, bis auf 415 Kilo Gesamtgewicht beladbare Stahlrahmen-Trike (103 kg Leergewicht ohne Fahrer) mit 1.500 Watt Leistung aus seinem mittig verbauten, getrennt auf die Hinterachse wirkenden Elektromotor bis auf 35 km/h beschleunigen, nötigenfalls auch ohne Tretunterstützung, die sich in fünf Stufen regulieren lässt. Geschaltet wird über eine preiswerte Shimano-Altus-Kettenschaltung, die E-Unterstützung erfolgt in Abhängigkeit von der Pedalfrequenz.

Pro&Contra: L2E-Zulassung, aber sensationeller Preis

Dadurch ist das Trike auch für schwierige Topographien gewappnet. Auch ein Rangier- und Manöviermodus ist in dieser Klasse möglich und bis 6 km/h üblich. Trotz der Problematik der Zulassung- und Versicherungsfragen und der Abhängigkeit von lokaler "Duldung" als Lastenrad gefiel der robuste Trike aufgrund seiner von Grund auf gewerblich gedachten Machart. Nicht zuletzt überzeugte der äußerst attraktive Preis von 6.199 Euro, mit Stahlblech-Aufbau 7.300 Euro, der die Wirtschaftlichkeit im Bereich der noch immer eher teuren E-Cargo-Bikes stark verbessert.

Ebenfalls überraschend auf den dritten Rang fuhr das Trike-Modell des jungen deutschen Anbieters XCYC. Der soziale Betrieb aus dem Nordschwarzwald überzeugten bei ihrem ohne Aufbau 99 Kilo schweren Modell mit einer generell robusten Machart samt gekonnt geschwungenem Alu-S-Rahmen, Doppelbrückenfedergabel sowie cleveren Details wie im Sitzen verstellbarer Sattelstütze oder der per Gummizug realisierten "Handbremse" bei ehrlicher Nutzlast von 120 Kilo (Ges.Gewicht: 300 kg) und verwenden ebenfalls teilweise Motorradkomponenten, etwa beim Vorderrad oder den speichenlosen Hinterrädern.

Newcomer aus dem Nordschwarzwald: XCYC legt starke Premiere hin

In Verbindung mit kompakter Länge von 2.90 Meter und einem Bosch-Performance-CX-Antrieb, noch etwas unpassend kombiniert mit einer Shimano-Deore Kettenschaltung (Nabenschaltung und Radnabenantrieb in Planung) ergibt sich ein bereits jetzt stimmtiges und ein für ein Trike ebenso stabiles wie recht agiles Handling. Zudem überzeugt der günstige Preis von 6.666 Euro ohne Aufbau. Hier ist sowohl eine Cargobox wie ein Plane-Spriegelaufbau ab Werk verfügbar, weitere Varianten in Vorbereitung.

Der Fachjury gehören neben dem LOGISTRA-Ressortleiter Test+Technik Johannes Reichel ausgewiesene Fachleute und Praktiker der Cargobike-Branche an: Thomas H.L. Schmitz, Radlogistik Verband Deutschland e.V. (stellv. Vorstand) und Geschäftsführer der Schmitz & Bramer GmbH (VeloCARRIER Mainz), Satish Kumar Beella, Lector engineering & Product development in The Hague University of Applied Sciences sowie die Unternehmerin Marieke Snoek, CEO of Cycloon Post & Fietskoeriers und Co-Gründerin von Fietskoeriers.nl. Neben der theoretischen Begutachtung hat die Jury vor Ort intensive Testfahrten mit Beladung durchgeführt, um sich eine fundierte Meinung über die Eigenschaften der Fahrzeuge zu bilden.

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