Hilfsgüterabwurf: Karton mit Bremsklappen

Smarte Pappboxen von Wings for Aid und Smurfit Kappa sollen Hilfsgüterabwürfe aus Flugzeugen und künftig auch Drohnen erleichtern. Nach Abwurf öffnen automatisch Flügelklappen für sanften Sinkflug. Das hat Potential auch für andere „Offroad“-Logistiken.

Rosinenbomber 4.0: Flügelgleich geöffnete Seitenflächen bringen die neuen Hilfsgüterboxen sanft zu Boden | Abb.: Smurfit Kappa Deutschland
Rosinenbomber 4.0: Flügelgleich geöffnete Seitenflächen bringen die neuen Hilfsgüterboxen sanft zu Boden | Abb.: Smurfit Kappa Deutschland

Rund 100 Millionen Menschen in Katastrophengebieten brauchen Jahr für Jahr Nothilfe. Flugzeuge sind der schnellste — oft auch einzige — Weg, um dringende Hilfsgüter wie Medikamente, Nahrungsmittel, Trinkwasser oder Zelte rasch ins Ziel zu bringen.

Denn aufgrund fehlender oder verminter Straßen sind viele Gebiete per Lkw unerreichbar. Vor allem die so genannte letzte Meile ist oft die Hölle.

Humanitäre Idee, weltweit verfügbarer Karton, 100 Prozent Bio

Das niederländische Startup Wings for Aid Foundation hilft Hilfsorganisationen, schwer zugängliche Gebiete mit Care-Paketen zu beliefern. Gemeinsam mit Verpackungshersteller Smurfit Kappa Deutschland entwickelt Wings for Aid nun Hilfeboxen für Flugzeugabwürfe.

Tests beweisen: Wird eine Packung mit 30 Eiern aus 100 Metern Höhe in solchen Boxen abgeworfen, bleibt sie unversehrt. Denn spezielle Seitenflächen, die am Karton bei Abwurf ausklappen, bremsen und stabilisieren seinen Fall — hundertprozentig ökologisch abbaubar, auch weil die Kartons keine Zusatzpolsterung oder eingebauten Fallschirm brauchen.

Luftfrachtbranche begeistert

Kosteneffizienter und nachhaltiger als derzeitige Luftabwurfboxen erfüllt die neue Hilfebox — dank Smurfit Kappa — alle Industriestandards. Weltweit ist sie überall preiswert herstell-, rasch liefer- und nachhaltig vorhaltbar. Der internationale Luftfrachtverband TIACA (The International Air Cargo Association) verlieh der Box daher den TIACA-Nachhaltigkeitspreis 2019.

Größe und Gewicht der für 20 Kilogramm ausgelegten Flugboxen sind genau auf Bedarfe der Menschen in Not abgestimmt, so Wings-for-Aid-Direktor Barry Koperberg:

„Unser Ziel ist es, innerhalb von 48 Stunden an jedem Ort der Welt dort Nothilfe zu leisten, wo niemand sonst helfen kann. Auch in unwegsamem Gelände können die Boxen gezielt Menschen in Not erreichen, sodass diese sie nur noch einsammeln und sofort nutzen können.“

Im folgenden Video musste zwar das Flugzeug aufgrund technischer Probleme notlanden — aber die Boxen kamen unversehrt an:

Robust genug für Tagebau-, Großbaustellen-, Offroad-Logistik?

Mit Blick auf Festigkeit und einfache Faltbarkeit erforschte Smurfit Kappa zunächst das bestmögliche Material und Design. Das Werk im belgischen Olen half dann die richtigen Maschinen und Tools für Kleinserien von 50 bis 500 Stück pro Lauf zu finden.

Noch für dieses Jahr plant Koperberg den Einsatz diverser „Kits“, bestehend etwa aus Lebensmitteln, Küchenutensilien, Hygieneartikeln oder Arznei:

„Wir sind derzeit in der Lage, Kisten mit einer Kapazität von 20 kg aus 100 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h unbeschädigt an einem vorgegebenen Ort abzuwerfen.“

Für nächstes Jahr plant Koperberg eine Kapazität von zwei Tonnen pro Tag mithilfe mehrerer ferngesteuerter Flugzeuge. Im nächsten Schritt will er die Faltung für Hochgeschwindigkeitsabwürfe mit mehr als 90 km/h auslegen.

Für Higspeed-Abwürfe entwickelte Wings for Aid einen Algorithmus, der die genaue Abwurfposition vorherzusagt. Mit diesem lässt sich der Autopilot füttern, um tennisplatzkleine Abwurfzonen zu treffen. Auch der Abwurf aus Drohnen ist geplant. Frank Sinnige, Customer Experience & Innovative Director für Benelux bei Smurfit Kappa, ist optimistisch:

„Wir haben uns sehr gefreut, bei einem so wichtigen Projekt mitwirken zu dürfen. Es passt perfekt zu unserer Initiative ‚Better Planet Packaging‘ für eine nachhaltigere Welt.“

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