Hildegard Müller: Klimaschutz und Industriepolitik zusammendenken

Die Forderung des Europäischen Parlaments, den CO2-Ausstoß um 60 Prozent bis 2030 zu senken, stößt beim Verband der Automobilindustrie (VDA) auf keinerlei Verständnis.

Hildegard Müller (VDA): "Klimaschutz und Industriepolitik müssen zusammengedacht werden.“
Hildegard Müller (VDA): "Klimaschutz und Industriepolitik müssen zusammengedacht werden.“
Christine Harttmann

Auch den Vorstoß der EU-Kommission, die die Emission um 55 Prozent reduzieren will und den das Parlament nun mit seinem Entschluss verschärft hat, kritisiert der Verband. Bisher war lediglich eine Minderung um mindestens 40 Prozent geplant gewesen. Wege, wie die Ziele realistisch erreicht werden können, würden EU-Kommission und -Parlament nicht aufzeigen, moniert der VDA in einer Pressemeldung.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes, betont, dass die deutsche Automobilindustrie „momentan vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte“ stehe. Hersteller und Zulieferer würden sich zu ambitionierten Klimaschutzzielen bekennen und die Transformation der Branche hin zur Klimaneutralität bis 2050 massiv vorantreiben. Zugleich müssten die Unternehmen die verheerenden Folgen der Coronakrise bewältigen, sagt Müller.

„Dafür benötigen wir eine technologieoffene, dem Klimaschutz verpflichtete Industriepolitik, die den Standort Europa stärkt und klimaschonende Technologien zum Exporterfolg macht. Klimaschutz und Industriepolitik müssen zusammengedacht werden.“

Genau dies würden Vorschläge von Kommission und Parlament das jedoch vermissen lassen.

„Vor allem werden keine Wege aufgezeigt, wie diese noch schärferen Ziele realistisch erreicht werden können. Diese Aufgabe hat die EU-Kommission zu leisten.“

Als Beispiel nennt die Präsidentin den Aufbau einer flächendeckenden europaweiten Ladeinfrastruktur, „ohne die die Verbraucher kein Vertrauen in die Elektromobilität aufbauen werden“.

Weiterhin kritisiert Müller, dass das Impact Assessment, also die Folgenabschätzung, fehle. Dieses habe die Kommission zwar immer wieder angekündigt, aber bisher nicht umgesetzt.

„Jede Zielverschärfung sollte mit einer Abschätzung der damit verbundenen Folgen einhergehen. Hier muss nun rasch eine intensive Prüfung stattfinden, deren Ergebnisse transparent zu diskutieren sind. Die geplante massive Verschärfung der CO2-Ziele - ohne eine begleitende Industriepolitik – gefährdet Wachstum, Innovation und Beschäftigung in Europa.“

Laut Müller ist es jetzt wichtig, dass die Hersteller den Marktanteil der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben steigern. Sie VDA-Präsidentin zählt dazu vor allem die Elektromobilität.

„Dafür investieren deutsche Hersteller bis 2024 rund 50 Milliarden Euro“, so Müller.

Die Lobbyistin will aber auch andere Technologien nicht vernachlässigen. Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem dekarbonisierten Energieträger.

„Wasserstoff – ob als Verbrenner oder Brennstoffzelle – wird eine wichtige Rolle in der Zukunft spielen. Auch der Einsatz regenerativer Kraftstoffe, wie Biofuels der 2. und 3. Generation sowie E-Fuels, sind wichtig, um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen. Hier setzen wir uns für ein gezieltes Markteinführungsprogramm auf EU-Ebene ein.“

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