Hegelmann Group: Grenzschließungen gefährden Lieferketten europaweit

Der Transport- und Logistikdienstleister fürchtet, dass es zu Versorgungsengpässen in Supermärkten und in der Produktion kommen könnte – zumal dann, wenn jetzt Hamsterkäufe on Top dazu kommen sollten.

Von den Grenzschließungen betroffen: Täglich etwa 100 Transporte der Hegelmann Group müssen von Tschechien oder Tirol aus über die deutsche Grenze. (Foto: Hegelmann Group)
Von den Grenzschließungen betroffen: Täglich etwa 100 Transporte der Hegelmann Group müssen von Tschechien oder Tirol aus über die deutsche Grenze. (Foto: Hegelmann Group)
Christine Harttmann

Die Grenzschließungen zum österreichischen Bundesland Tirol und zu Tschechien bringe Lieferketten europaweit in Gefahr, warnt die Hegelmann Group. Kombiniert mit eventuellen Hamsterkäufen könne dies schnell zu Versorgungsengpässen von Supermärkten und Produktionen führen. Auch hinsichtlich der Situation für das Fahrpersonal schlägt das internationale Transport- und Logistikunternehmen Alarm. Schon jetzt führten die schärferen Einreiseregeln zu kilometerlangen Staus.

Zudem müssen die Fahrerinnen und Fahrer für die Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Dafür fehle es derzeit aber an ausreichenden Testkapazitäten. Hegelmann fordert daher eine Ausweitung der Testmöglichkeiten oder eine Ausnahme des Transportpersonals von der Testpflicht, um den Transit zu erleichtern. Siegfried Hegelmann, Managing Shareholder bei der Hegelmann Group, warnt:

„Mit den Grenzschließungen werden die Lieferketten erneut auf eine harte Probe gestellt. Bedarfsgerechte Lieferzusagen sind unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich, sodass es erneut zu Stillständen in der Produktion und leeren Regalen in den Supermärkten kommen könnte.“

Verheerend seien die Auswirkungen aber vor allem für die Fahrerinnen und Fahrer. Aktuell bildeten sich bereits lange Schlangen an den Grenzen, in denen diese bei eisiger Kälte abwarten müssen.

„Einen Teil unserer Kolleginnen und Kollegen versuchen wir daher in Testzentren abseits der Autobahnen zu lotsen, um das Verfahren zu beschleunigen“, sagt Hegelmann.

Die Branche wolle natürlich ihren Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Allerdings müsse der Staat für ausreichend Testkapazitäten sorgen.

„Hinzu kommt, dass die Kosten für die Tests nun auch auf die Speditionen umgelegt werden und kaum kostenlose Tests zur Verfügung stehen“, so Hegelmann.

Täglich sind bei Hegelmann etwa 100 Transporte von den aktuellen Grenzschließungen betroffen. Das Logistikunternehmen versucht daher, die betroffenen Märkte so gut es geht zu meiden. Außerdem werden Alternativrouten in Betracht gezogen. Transporte aus Italien werden über das Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und Slowenien in den Karawanken umgeleitet, tschechische Importe teilweise über Polen.

„Dem Rest bleibt nichts Anderes übrig, als sich in die Warteschlangen zu stellen“, berichtet Hegelmann.

Auch die Kommunikation seitens der Politik kritisiert Hegelmann. Zwischen Ankündigung und Umsetzung hätten nur wenige Tage gelegen.

„Wäre hier mit einem europäischen Konzept gearbeitet worden, zum Beispiel durch die Einrichtung von Testzentren auf den Strecken in mehreren Abschnitten auf beiden Seiten, wäre die Situation sicher entzerrter“, so Hegelmann.

Sollte es zu weiteren Grenzschließungen kommen, sieht er das Ende der Fahnenstange bei vielen Unternehmen erreicht:

„Mit eventuell noch fataleren Folgen für die Wirtschaft, da die Reserven bei vielen Unternehmen im letzten Jahr massiv dezimiert wurden.“

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