Hafen Rotterdam: EU-Aufruf zur nachhaltigen Hafenpolitik

Die Port of Rotterdam Authority ruft die zukünftige Europäische Kommission und das Parlament zu einer stabilen Politik, starken Förderung grüner Energie und einer Kreislaufwirtschaft für den niederländischen Seehafen auf.

Die Port of Rotterdam Authority fordert die EU unter anderem zu zusätzlichen europäischen Fördermaßnahmen auf, um die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Kraftstoffe zu erhöhen. Im Bild das Industrie- und Hafengebiet Maasvlakte am Hafen Rotterdam. Foto: Martens Multimedia
Die Port of Rotterdam Authority fordert die EU unter anderem zu zusätzlichen europäischen Fördermaßnahmen auf, um die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Kraftstoffe zu erhöhen. Im Bild das Industrie- und Hafengebiet Maasvlakte am Hafen Rotterdam. Foto: Martens Multimedia
Daniela Sawary-Kohnen

Die Europäische Union stehe vor der Herausforderung, den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft mit der Aufrechterhaltung des Wohlstands zu vereinbaren, so die Hafengesellschaft. Mit dem Fit For 55-Paket und REPowerEU würden die Weichen dafür gestellt. Boudewijn Siemons, CEO Port of Rotterdam Authority:

„Jetzt die Umsetzung des Übergangs in den Mittelpunkt stellen und die europäischen Häfen klug nutzen, um strategische Autonomie zu sichern. Die geopolitischen Spannungen und der zunehmende Druck auf die Industrie erfordern eine entschlossene Haltung der Europäischen Union. Der Hafen von Rotterdam verfügt über einen großen Industriekomplex und ist eine wichtige Drehscheibe für Container, Energie und Rohstoffe. Hier, wie in vielen anderen europäischen Häfen, kommen große Herausforderungen zusammen: den internationalen Verkehr nachhaltiger gestalten, zuverlässige Lieferketten für Unternehmen und Verbraucher schaffen und die Nachhaltigkeit der Industrie beschleunigen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Häfen können und wollen daher eine wichtige Rolle für die Zukunftssicherung Europas spielen. In Rotterdam sagen wir nicht umsonst: Wenn es dem Hafen gut geht, dann geht es auch der europäischen Wirtschaft gut.“

Fördernde Industriepolitik
Die Port of Rotterdam Authority stellt nach eigenen Angaben fest, dass viele Industrieunternehmen in Rotterdam in eine nachhaltigere Produktion investieren möchten, aber noch keine endgültige Investitionsentscheidung getroffen haben. Für sie sei es entscheidend, dass das europäische Investitionsklima ausreichend Sicherheiten und Zukunftsperspektiven biete.

Das europäische Emissionshandelssystem (ETS) ermutige die Industrie, nachhaltiger zu werden, und der Mechanismus zur Anpassung der Kohlenstoffgrenzwerte (CBAM) trage dazu bei, dass weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschten. Eine breit angelegte, fördernde europäische Industriepolitik sei eine notwendige Ergänzung, um die Wirtschaftstätigkeit aufrechtzuerhalten, vor allem wenn Europa seine Abhängigkeiten von anderen Ländern verringern und in der innovativen, nachhaltigen Produktion führend bleiben wolle.

Unterstützung bei der Umsetzung der Energiewende
Mehrere öffentliche und private Projekte in Rotterdam leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Industrie in Nordwesteuropa nachhaltiger zu machen, so die Port of Rotterdam Authority.

Dazu gehörten unter anderem die Speicherung von CO₂ unter dem Meeresboden, der Import und die Produktion von Wasserstoff sowie der Ausbau der Kreislaufwirtschaft. Diese Projekte seien bereits angelaufen und man möchte, dass diese weiterhin von der Europäischen Union unterstützt würden. So würde man es zum Beispiel begrüßen, wenn auf europäischer Ebene dem Zusammenhang zwischen der Energie- und der Rohstoffwende mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde, so die Hafengesellschaft.

Um sicherzustellen, dass die Umsetzung der Energiewende schnell genug erfolgen kann und nicht etwa durch Engpässe im Stromnetz verzögert wird, fordert die Port of Rotterdam Authority die EU auf, an einem gebietsorientierten Beschleunigungsansatz in Industrieclustern wie den Häfen zu arbeiten. Der Hafen befürworte auch den beschleunigten Aufbau von nachhaltigen Energieketten in Nordwesteuropa. Europäische Fonds könnten dazu beitragen.

Wachstum des nachhaltigen Transports
Der Güterverkehr sei das Rückgrat des Binnenmarktes und ermögliche es Unternehmen, Rohstoffe, Einzelteile und Halbfabrikate zu importieren und ihre Produkte auf dem gesamten Kontinent zu verkaufen. Der Hafen von Rotterdam tue alles, um die wachsende Nachfrage nach Transportleistungen zu befriedigen.

Investitionen in die Instandhaltung und Kapazität der Infrastruktur seien dafür in den kommenden Jahren dringend erforderlich. Und der Ausbau der europäischen Schienen- und Binnenschifffahrtskapazitäten spiele dabei eine wichtige Rolle, zumal sich der Klimawandel stark auf die Befahrbarkeit der Wasserstraßen auswirke.

Der Hafen von Rotterdam will in den nächsten Jahren viel in die Nachhaltigkeit des Transports investieren und man hofft, dass sich dies positiv auf den internationalen Sektor auswirken wird. Dabei fordert die Hafengesellschaft zusätzliche europäische Fördermaßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Kraftstoffe zu erhöhen. Die Zusicherung der EU, die Preise für Schiffskraftstoffe im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) festzulegen, sei äußerst wichtig für die Schaffung einheitlicher internationaler Wettbewerbsbedingungen, so die Port of Rotterdam Authority abschließend.

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