Hafen Hamburg: Fahrrinnenanpassung vollendet

Am 24. Januar 2022 wurde die zweite Stufe der Fahrrinnenanpassung freigegeben. Der Hamburger Hafen soll dadurch tideunabhängig besser erreichbar sein.

Stufe 1 wurde mit den Baggerarbeiten im Frühjahr 2021 abgeschlossen, mit Stufe 2 wurde das Großprojekt nun Ende Januar 2022 finalisiert. (Foto: HHM)
Stufe 1 wurde mit den Baggerarbeiten im Frühjahr 2021 abgeschlossen, mit Stufe 2 wurde das Großprojekt nun Ende Januar 2022 finalisiert. (Foto: HHM)
Anna Barbara Brüggmann

Das Großprojekt der Fahrrinnenanpassung der Elbe konnte am 24. Januar abgeschlossen werden. Ermöglicht werden sollte eine bessere tideunabhängige Erreichbarkeit des Hamburger Hafens. Tideabhängig sind nach Angaben von Hafen Hamburg Marketing (HHM) auch größere Tiefgänge möglich.

Je nach Schiffsabmessung wurde damit HHM zufolge für die ein- und auslaufende Schifffahrt im Vergleich zu vorher eine Tiefgangerhöhung zwischen 1,00 m und 1,90 m erreicht. Nun können beispielsweise Megamax-Schiffe mit einer Breite bis zu 62,50 Meter und einer Länge von 400 Metern tideunabhängig mit einem Tiefgang von bis zu 13,10 Metern den Hafen befahren, vor der Anpassung lag die Grenze bei 11,40 Metern. Tideabhängig ausgehend sind es jetzt 14,10 Meter, einkommend ist ein Tiefgang von 15,40 Meter möglich (statt zuvor 13,60 Meter).

„Wir freuen uns, dass nach Jahren der intensiven Planung das Megaprojekt Fahrrinnenanpassung abgeschlossen werden konnte“, so Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority (HPA), und ergänzt: „Die Zahlen zeigen, dass der Markt die erste Freigabestufe der Fahrrinnenanpassung gut angenommen hat. Von Mai bis Dezember letzten Jahres wurde der Hamburger Hafen von 2.377 Containerschiffen angelaufen. Bei 666 dieser Anläufe hatten die Schiffe einen Konstruktionstiefgang über 13,80 m. Und 96 dieser Schiffe hatten einen Tiefgang, der vor Teilfreigabe der Fahrrinnenanpassung nicht möglich war. Mit der endgültigen Tiefgangsfreigabe rechnen wir nun mit weiteren Zunahmen.“

Michael Westhagemann, Senator der Hamburger Wirtschaftsbehörde, zufolge ist mit dem Abschluss der Arbeiten ein Meilenstein für den Schiffsverkehr nach Hamburg erreicht worden. Für den Hafen bedeute dies bessere Anlaufbedingungen, die es den Reedereien möglich machten, mehr Ladung nach Hamburg zu bringen. Bei idealen Bedingungen könne ein Schiff der Megamax-Klasse so rund 2.450 TEU mehr von und nach Hamburg liefern. Profitieren von der Fahrrinnenanpassung würden vor allem auch große Massengut- und Kreuzfahrtschiffe.

„Neben den nautischen Vorteilen bringen die erweiterten Tiefen einen ökonomischen und ökologischen Mehrwert. Denn mehr Tiefe bedeutet eine bessere Auslastung der Schiffe und führt damit zu weniger Emissionen pro transportierter Tonne“, unterstreicht Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, die Vorteile der neuen Fahrrinne.

Frühzeitig erkannt und gelöst werden sollen potenzielle Konfliktsituationen auf der Elbe und im Hafen durch die Vorausplanung der Nautischen Zentrale der HPA zusammen mit den Revierzentralen des Bundes und in Abstimmung mit dem Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC). Große Mengen Bunker einsparen und somit Schadstoffemissionen reduzieren ließen sich per "Just-in-Time"-Ankunft der Schiffe im Zulauf.

Die Nautische Zentrale der HPA, das HVCC und die Revierzentralen des Bundes können nach Angaben der HHM nach der finalen Fahrinnenanpassung die Verkehrsablaufregelung von der Nordsee bis zum Liegeplatz noch flexibler gestalten und somit weiter optimieren. Vorteile bringen soll zudem die Begegnungsbox, die bereits bei Wedel auf einer Länge von acht Kilometern gebaut wurde.

Schiffe mit einer addierten Breite von weniger als 104 Meter können dadurch aneinander vorbeifahren. Darüber hinaus wurde die Fahrrinne zwischen Wedel und Störmündung von 300 auf 320 Meter erweitert. Dort sollen Schiffe mit einer addierten Breite von weniger als 92 Metern nun sicher aneinander vorbeifahren können.

Auch auf Seiten der Terminalbetreiber stellt die bessere Planbarkeit der HHM zufolge einen Vorteil dar: Die Auslauffenster sind für alle Schiffe neu berechnet worden. Die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) Angela Titzrath sieht in der Verbreiterung und Vertiefung der Elbfahrrinne eine notwendige Maßnahme, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu erhalten.

Die erfolgte Anpassung ermögliche in Kombination mit den von der HHLA Investitionen in Großbrücken und automatisierte Lagertechnik, immer größer werdende Containerschiffe sicher und zuverlässig abzufertigen. Sowohl für die HHLA als auch für deren Kunden bedeute dies ein Höchstmaß an Planbarkeit in der Zulaufsteuerung.

Die Baggerarbeiten zur Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinne wurden im Frühjahr 2021 abgeschlossen. Man entschied sich vorab um eine Anpassung in zwei Schritten. Einerseits um nach Abschluss der Baggerarbeiten auf noch nachlaufende Veränderungen an den Unterwasserböschungen bis in die Fahrrinne hinein reagieren zu können. Andererseits sollten alle Beteiligten die Möglichkeit erhalten, Erfahrungen mit neuen Abläufen zu sammeln.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
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