H2-Mobility Austria: Konsortium forciert Wasserstoffmobilität im Schwerverkehr

Rund 2.000 Brennstoffzellen-Lkw sollen bis zum Jahr 2030 über Österreichs Straßen rollen. Vorbilder und Ideengeber sind das Schweizer Projekt und die deutschen Förderprogramme.

H2-Mobility Austria: Über Österreichs Straßen sollen bis 2030 rund 2.000 wasserstoffbetriebene LKW rollen. (Foto: Pixabay)
H2-Mobility Austria: Über Österreichs Straßen sollen bis 2030 rund 2.000 wasserstoffbetriebene LKW rollen. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Bis 2040 will Österreich klimaneutral werden. Dafür braucht es jedoch ein Bündel an Maßnahmen und Initiativen – auch im Bereich Mobilität. Das Konsortium H2-Mobility Austria, dem einige auch namhafte heimische Unternehmen angehören, fokussiert sich daher auf die zukünftige Rolle des Lkw im Güterverkehr. Um den Fahrplan zu mehr Nachhaltigkeit zu konkretisieren, wurde das Beratungsunternehmen Deloitte beauftragt, eine Studie zur Wasserstoffmobilität mit Fokus auf Schwerlastfahrzeuge zu erstellen. Die Ergebnisse wurden nun in einer Online-Pressekonferenz am 20. Januar 2022 präsentiert.

Zentraler Baustein zur Erreichung der Klimaziele und Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffindustrie sind 2.000 Wasserstoff-Lkw, die bis 2030 über Österreichs Straßen rollen sollen. Dadurch könnten die CO2-Emissionen um 35 Prozent verringert werden, heißt es bei der Vorstellung der Studie. Für Langstecken werde es notwendig sein, Fahrzeuge ohne Verbrennungskraftmaschinen einzusetzen.

„Bei vielen Unternehmen sind zwar bereits batteriebetriebene Fahrzeuge im Einsatz, jedoch erreichen diese nicht das notwendige Ladevolumen sowie die benötigte Reichweite. Wasserstoff-Lkw können hingegen für Fahrten mit einer höheren Reichweite eingesetzt werden und stellen somit ein wesentliches Verbindungsglied zwischen Bahn und Straße dar“, erklärt Alexander Kainer, Partner bei Deloitte Österreich.

Das Beratungsunternehmen rechnet damit, dass in Österreich 80 Prozent der technologischen Mehrkosten in der Tankinfrastruktur und bei den Fahrzeugen gefördert werden könnten. Um bis 2030 rund 2.000 Fahrzeuge auf die Straße zu bringen und dafür auch die notwendige Tankinfrastruktur zu schaffen, würde man laut der Studie rund 460 Millionen Euro an Fördervolumen benötigen.

„Die Wasserstoffproduktion und der Aufbau der Tankstelleninfrastruktur würden dem Standort Österreich eine zusätzliche Wertschöpfung von 475 Millionen bringen. Bei 2.000 Fahrzeugen bedeutet das eine Einsparung von 70 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff, der durch österreichischen grünen Wasserstoff ersetzt wird. Die Wasserstoff-Schwerlast-Lkw würden jährlich zu einer CO2-Reduktion von rund 24.000 Tonnen führen und den Feinstaub um bis zu 50 Prozent senken“, rechnet Deloitte Experte Alexander Kainer vor. „Zudem könnten bis 2030 durch die Initiative 3.000 bis 4.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.“
 

Aktuell übertreffen die berechneten Kosten für Wasserstoff-Lkw und eine flächendeckende Tankinfrastruktur noch jene Kosten der vorhandenen Infrastruktur für die Betankung von Dieselfahrzeugen. In den nächsten zwei Jahren müssten in Kooperation mit der Österreichischen Bundesregierung klare Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diese Kosten für die Wasserstoff-Infrastruktur merklich zu senken und Investitionssicherheit für die Unternehmen zu schaffen.

„Damit wir Emissionen auch im Schwerverkehr reduzieren, müssen wir jetzt in Österreich die Wasserstoffmobilität vorantreiben“, so Peter Umundum, Vorstand der Österreichischen Post AG. „Grüner Wasserstoff muss dabei klar gekennzeichnet sein. Gemeinsam mit anderen großen Unternehmen sind wir als Fuhrparkbetreiber bereit, einen Teil der Mehrkosten zu tragen. Am Beginn der Transformation braucht es aber auch Unterstützung der öffentlichen Hand. Beim Ausbau der E-Mobilität hat sich gezeigt, wie gut das funktioniert“.

Rolf Dreisbach, Geschäftsführer der AVL List, fügt hinzu:

„2.000 Wasserstoff-Schwerlastwagen auf Österreichs Straßen – das ist ein erster Meilenstein. Dies sollte der Startschuss für den Aufbau einer konkurrenzfähigen heimischen Wasserstoffindustrie sein. Die Produktion von grünem Wasserstoff bedeutet ein Insourcing von Treibstoffen in die heimische Produktion von nachhaltigem Strom. Für Unternehmen in Österreich bietet sich die Chance, in den Aufbau der Infrastruktur zu investieren und eine führende Rolle in der weltweiten Lieferkette für die Produktion von Wasserstoff-Lkw einzunehmen“.

Positive Beispiele sieht Wolfram Senger-Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Gebrüder Weiss, bei den Nachbarn in der DACH-Region. Die „machen es vor“, sagt er. Österreich sollte jetzt nachziehen.

„Es gilt die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die heimische Infrastruktur flächendeckend auf- und eine Wasserstoff-Lkw-Flotte auszubauen“, betont Senger-Weiss.

Als ein Beispiel nennt er die Schweiz, bereits jetzt 50 Wasserstoff-Lkw unterwegs sind. Einen Davon betreibt Gebrüder Weiss. Die Erfahrungen die der Logistikdienstleister auf den bisher zurückgelegten 60.000 Kilometern gemacht hat sind positiv.

„Bei Hitze und Kälte hat es immer wunderbar funktioniert“, fasst Senger-Weiss zusammen.

Auch Deutschland setze ein positives Signal: Nachhaltige Mobilitätslösungen bei Fahrzeugen und Infrastruktur werden mit 80 Prozent der Investitionskosten gefördert. Dass sich die Österreichische Regierung daran ein Vorbild nehmen sollte – darin sind sich die Mitglieder des Konsortiums einig.

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