Gütertransport in Zeiten des Coronavirus

Der Schienengüterverkehr könnte im Zuge der europaweiten Eindämmung des Coronavirus seine Stärken ausspielen. Davon sind europäische Logistik- und Bahnverbände überzeugt. Ihre Argumente haben sie in einem offenen Brief dargelegt.

Kann der Ausbreitung des Virus entgegenwirken: Ein einzelner Lokführer kann mit einem Zug des Kombinierten Verkehrs viele Container bewegen, ohne dass sich Lkw-Fahrerquer durch Europa bewegen müssen. (Foto: Pixabay)
Kann der Ausbreitung des Virus entgegenwirken: Ein einzelner Lokführer kann mit einem Zug des Kombinierten Verkehrs viele Container bewegen, ohne dass sich Lkw-Fahrerquer durch Europa bewegen müssen. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Einer der großen Vorteile des Schienengüterverkehrs ist, beschreibt NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger, dass wenige Menschen große Mengen transportieren.

„Damit gibt es weniger Übertragungsmöglichkeiten für das Corona-Virus als im Straßengüterverkehr“, so Westenberger weiter.

Der vom Güterbahnverband Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) in Berlin veröffentlichte Brief empfiehlt aus diesem Grund in der aktuellen Situation den Schienengüterverkehr als das „am wenigsten vom Corona-Virus gefährdete Verkehrsmittel“.

Der Verband habe, so heißt es, schon frühzeitig Empfehlungen herausgegeben, wie die Ansteckungsgefahr unter den Mitarbeitern weiter reduziert werden könne. Die Vorgabe kamen von einzelne Mitgliedsunternehmen, sie sich auch mit der DB Cargo AG abgestimmt hatten. So soll beim Lokführerwechsel zunächst der abzulösende Lokführer aus dem Führerstand absteigen, bevor die Ablösung in das Fahrzeug einsteigt. Damit wird eine Begegnung auf engstem Raum vermieden. Westenberger stellte zudem heraus, dass ein einzelner Lokführer mit einem Zug des Kombinierten Verkehrs bis zu 40 Lkw-Sattelauflieger befördern kann, ohne dass sich die Lkw-Fahrer vom Ausgangsort bis zum Ziel quer durch Europa bewegen.

Auch an den Umschlagterminals bestehen weniger Risiken als im reinen Straßengüterverkehr, weil die Lkw-Fahrer ihre Kabinen nur selten verlassen müssen und bis auf den eventuellen Austausch von Frachtpapieren keinen physischen Kontakt mit den Terminalmitarbeitern haben. Die Container, Sattelauflieger und Wechselbrücken werden mit Kränen aus sicherer Entfernung umgeladen. Dadurch, dass die Lkw auf der ersten und letzten Meile nur einen Umkreis von höchstens 150 Kilometern bedienen – im Regelfall eher 50 Kilometer – besteht praktisch keine Gefahr großräumiger Virus-Übertragungen. Bei Ganzzügen – zum Beispiel für Getreide- oder Treibstofftransporte –, die von Gleisanschluss zu Gleisanschluss fahren, gibt es sogar noch weniger physische Kontakte zwischen Menschen. „Der Schienengüterverkehr ist im wahrsten Sinne des Wortes ein ‚gesunder‘ Verkehrsträger, das zeigt sich jetzt mehr denn je“, betont Westenberger.

Er sieht in der aktuellen Krise sogar eine Innovationschance für die Branche:

„Wenn das Corona-Virus dazu führt, dass die letzten Lücken bei elektronischen Frachtpapieren und digitalen Logistikprozessen im Schienengüterverkehr schneller geschlossen werden, ist sogar etwas für die Zukunftsfähigkeit der Schiene gewonnen.“

Westenberger rief Krisenstäbe und Gesundheitsbehörden auf, mit Umsicht zu agieren und kontraproduktive Eingriffe in den Schienengüterverkehr zu vermeiden.

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