Günstiger und grüner: Digitale Logistikmarktplätze

Softwarebasierte Marktplätze finden zunehmend neue Anwendungsmöglichkeiten in der Transport- und Logistikbranche. Die Studie "Smart logistics will transform trucking through unprecedented efficiency" von Strategy& und dem Technologieanbieter Orbit zeigt erhebliche Effizienzpotenziale in der Einsparung von Kohlenstoffdioxid und barem Geld.

Digitale Logistikmarktplätze machen Gütertransport bei Kosten und Emissionen effizienter. (Foto: Pixabay)
Digitale Logistikmarktplätze machen Gütertransport bei Kosten und Emissionen effizienter. (Foto: Pixabay)
Radosveta Angelova

Der Logistik und Delivery-Berater Orbit und Strategy&, die Strategieberatung von PwC, haben gemeinsam eine Studie zu den Auswirkungen von Onlinebörsen und softwarebasierten Marktplätzen auf das Logistik- und Transportwesen durchgeführt. Der Einsatz neuer Technologien führe zu möglichen Kosteneinsparungen von bis zu 2 Milliarden Euro für die deutsche Gütertransportbranche. Gleichzeitig ließen sich ein bis zwei Megatonnen CO2 durch die Vermeidung von Leerfahrten einsparen, so die Ergebnisse der Studie. Aktuell fahren Lkw in der EU rund 20 Prozent der jährlich zurückgelegten Strecke leer, in Deutschland sogar 22 Prozent mit 6,6 Milliarden Kilometern Fahrtstrecke. Durch den Zugriff auf Routenplanungs- und Frachtdaten und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz können jedoch digitale Marktplätze durch Matching-Modelle optimale Routen identifizieren und die Anzahl der leeren oder halb leeren Fahrten um zehn bis zwanzig Prozent reduzieren, so die Prognose von Orbit und Strategy&. Allein in Deutschland würde das 1,3 Milliarden Kilometer weniger Leerfahrt bedeuten.

„Softwarebasierte Logistikmarktplätze bieten die Möglichkeit, den Lkw-Verkehr unternehmens- und branchenübergreifend zu transformieren und stellen den Gütertransport vor einen beispiellosen Wandel. Beispielsweise drängen Tech-Unternehmen in den Markt, die vor allem in der digitalen Auftragsplanung effizienter sind als etablierte Systeme“, kommentiert Bernd Jung, Partner bei Strategy& Deutschland.  „Auch immer mehr Investoren erkennen die Wachstumschancen: Das Dealsvolumen nimmt seit 2016 kontinuierlich zu und erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 276 Mio. US-Dollar in Europa.“

Der Markt für Gütertransporte sei stark fragmentiert und operiere in weiten Teilen noch immer offline: De führenden sechs Logistikanbieter machen insgesamt weniger als zehn Prozent des europäischen Marktes aus. Dazu kommt, dass etablierte Spediteure beim digitalen Know-how noch nicht auf Augenhöhe mit Tech-Unternehmen stehen. Weiterhin führen niedrige Margen von durchschnittlich zwei Prozent dazu, dass einzelne Unternehmen Schwierigkeiten haben, signifikante Investitionen in digitale Projekte zu realisieren.

Langfristig kommen auch autonome Lkw auf den Plan, die optimal in das entstehende Netzwerk digitaler Logistikmarktplätze integriert werden könnten. Fahrerbezogene Einschränkungen wie Verfügbarkeit, Qualifikationen, Ruhezeiten oder Krankheiten könnten dadurch umgangen werden, sodass der Transport von Waren effizienter vonstattengehen kann. Automobilhersteller arbeiten bereits mit dem Einsatz autonomer Lkw an "Trucking-as-a-Service"-Konzepten und gehen strategische Partnerschaften mit digitalen Spediteuren ein. Wenn Spediteure eine Strategie verfolgen würden, die auf ihren vorhandenen Fähigkeiten aufbaut und entscheidende Lücken in ihren technischen Fähigkeiten schließt, so könnten diese der Konkurrenz durch Tech-Unternehmen und Automobilherstellern weiterhin selbstbewusst entgegentreten.

Dr. Daniel Haag, Director bei Strategy& Deutschland, ergänzt abschließend:

"Der anhaltende Kostendruck, Emissionsregulierungen und der Übergang zum autonomen Lkw werden auch die Nachfrage nach einer neuen Generation effizienterer Marktplätze vorantreiben. Vor allem mit Blick auf den Nachhaltigkeitsaspekt ist die Logistikbranche gefragt, Partnerschaften einzugehen, um neue Technologien zu entwickeln, das notwendige Know-how aufzubauen und die Digitalisierung damit auch für traditionelle Logistikunternehmen nutzbar zu machen."

Die vollständige Studie findet sich unter: https://www.strategyand.pwc.com/de/smart-logistics.

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