Grenzkontrollen: Belastung für die Lieferketten befürchtet

Sollten die Kontrollen aufgrund der Flüchtlingsproblematik verschärft werden, dürfte das erhebliche Auswirkungen auf den Güterverkehr haben. Deren Ausmaß ist laut dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) heute noch nicht absehbar.
(Foto: HUSS-VERLAG)
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Bisher kommt es laut BME durch sporadische Kontrollen, etwa an der Grenze zu Österreich, nur zu geringen Wartezeiten. Hier seien vor allem kleinere Lieferfahrzeuge betroffen. Bei ihnen sei die Gefahr besonders hoch, dass sie als potenzielle Schleuserfahrzeuge genutzt werden. „Bislang aber haben Spediteure und Verlader die Auswirkungen im Griff“, sagt Gunnar Gburek, Leiter der BME-Sektion Logistik. Kurze Verzögerungen würden zwar bereits den Transport, seien aber noch beherrschbar.

Mit der Dauer der Verzögerungen steigen die Folgekosten aber exponentiell an. Gburek: „Aus wenigen Stunden wird schnell ein halber Tag oder mehr. So kann es vorkommen, dass Anschlussverkehre verpasst werden.“ Hinzu komme, dass Lkw-Fahrer nach neun Stunden Lenkzeit gesetzlich dazu verpflichtet sind, Raststätten zur Einhaltung ihrer Ruhezeiten aufzusuchen. Auch das koste wertvolle Zeit. Beim kombinierten Verkehr oder auch auf längeren Strecken, etwa in die Türkei, sind die Transporte nach Mitteilung des BME mittlerweile „streng durchgetaktet“. Wird der Anschluss an zwischengeschaltete Verkehrsmittel verpasst, bleibt die Ware bis zur nächsten freien Kapazität stehen. Oder die Wartezeit verdoppelt sich, weil zum Beispiel Fähren verpasst oder der bereitstehende Fahrer, an den übergeben werden soll, auf das Fahrzeug warten muss.

Weil drohende Mehrkosten nicht nur zeitlicher Natur sind, sondern auch mit dem Handling der Kontrollen zusammenhängen, sei das wahre Ausmaß der logistischen Beeinträchtigungen bislang noch nicht absehbar. Gburek: „Unsicher ist beispielsweise, ob die Kontrollen in beide Richtungen erfolgen, aber auch, in welcher Art und Weise die ‚grüne Grenze‘ mit einbezogen wird.“ Dabei gehe es um Nebenstrecken, an denen es innerhalb der EU eigentlich keine Grenzanlagen mehr gibt. Aber auch auf den Autobahnen mangele es angesichts des heutigen Verkehrsaufkommens an ausreichender Infrastruktur.

„Es muss ganz klar zwischen Waren- und Personenkontrollen getrennt werden“, fordert Gburek. Im Regelfall sollte seiner Meinung nach für Kontrolleure der Zutritt zum Laderaum tabu sein. Aus Zeitgründen dürfe es nur bei einem konkreten Verdacht zu einer genaueren Untersuchung kommen. Sofern die Ladung am Ursprungsort durch zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (Authorised Economic Operator, AEO) verladen und im weiteren Verlauf zuverlässig vor Zugriffen geschützt wurde, sollte ein schneller Blick in die Kabine und in die Papiere des Fahrers ausreichen. Denn Laderaum wird am Ursprungsort verplombt und kann so bis zum Zielort nicht unkontrolliert geöffnet werden.

Sollte die vom AEO angebrachte Plombe am Grenzübergang gelöst werden müsse, bestehe nicht nur ein zusätzliches Sicherheitsproblem. Es komme auch zu einem weiteren Kostenanstieg. „Im Durchgangsverkehr müsste das Siegel unter Umständen sogar mehrfach geöffnet werden. Fraglich ist, wie die Versicherungen dann damit umgehen“, so Gburek. Außerdem sieht er das Problem, dass die Ware wegen heutiger Verladeprinzipien unter Umständen gar nicht zugänglich ist. Wenn zum Beispiel mehrere Container auf der Ladefläche Tür an Tür aufgereiht sind, bleibt der Zugang physisch versperrt. Um damit effizient umgehen zu können, seien Umladungen erforderlich, oder es müssten aufwendige und damit auch kostenintensive Verfahren wie etwa Röntgentechnik oder Wärmebildkameras eingesetzt werden.

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