Ford: Geofencing statt Verkehrsschild

Mittels Geofencing ließe sich langsames Fahren automatisieren und das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer in Tempo-reduzieren. In Köln testet Ford die Technologie erstmals mit zwei speziellen, vollelektrischen E-Transit.

Jetzt mal langsam: Ford testet in Köln eine Technologie, die per Geofencing das Tempo von Transportern drosselt. | Foto: Ford
Jetzt mal langsam: Ford testet in Köln eine Technologie, die per Geofencing das Tempo von Transportern drosselt. | Foto: Ford
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

In Europa sind je nach Land bis zu 29 Prozent der Verkehrstoten Fußgänger und Radfahrer. Tempo-30-Zonen gelten daher als eine der wichtigsten Maßnahmen, um in städtischen Gebieten das Unfallrisiko speziell für Fußgänger und Radfahrer zu verringern, da den Autofahrern in gefährlichen Situationen mehr Zeit zum Reagieren bleibt und die potenzielle Aufprallgeschwindigkeit geringer ist. Ford testet daher derzeit zum Beispiel in Köln vernetzte Fahrzeuge mit Geofencing-Technologie - das ist eine Methode zur digitalen Ortsbestimmung, die eines Tages viele Verkehrsschilder überflüssig machen könnte. Das sogenannte Geofencing Speed Limit Control-System von Ford könnte künftig nicht nur die Straßen sicherer machen, sondern auch den Autofahrern helfen, mögliche Bußgelder für versehentliche Geschwindigkeitsüberschreitungen zu vermeiden.

"Die Geofencing-Technologie hat nachweislich das Potenzial, das tägliche Autofahren einfacher und sicherer zu machen - zum Nutzen aller, nicht nur der Person hinter dem Steuer", erklärt Michael Huynh, Manager, City Engagement Germany, Ford of Europe.

Die Einbeziehung von Geofencing könne sicherstellen, dass die gefahrene Geschwindigkeit genau dort reduziert wird, wo dies notwendig ist, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Überdies ließen sich Emissionen und Lärm verringern, wirbt Huynh. Der Hersteller nutzt Geofencing-Technologie bereits im Transit Custom mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (PHEV), um sicherzustellen, dass dieses leichte Nutzfahrzeug automatisch in den emissionsfreien Elektro-Antriebsmodus schaltet, sobald in eine Umweltzone eingefahren wird.

12-monatiger Testbetrieb im Kölner Stadtgebiet

Im Rahmen eines zwölfmonatigen Tests im Kölner Stadtgebiet kommen zwei vollelektrische Ford E-Transit (leichte Nutzfahrzeuge) zum Einsatz, die für den Praxisversuch mit der notwendigen Geofencing-Technologie ausgestattet wurden. Beim Testgebiet handelt es sich um alle Tempo-30-Gebiete im Zentrum der Domstadt sowie darüber hinaus auch um ausgewählte Zonen in anderen Teilen der Stadt. Analysiert werden unter anderem die Auswirkungen von Tempolimits auf den Verkehrsfluss sowie auf die Verringerung des Unfallrisikos. Der Fahrer erhält Geofencing-Informationen über die Instrumententafel seines Fahrzeugs, wobei die jeweils vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung unter der realen Tacho-Geschwindigkeit angezeigt wird. Ist der Fahrer in einer Geofencing-Zone schneller unterwegs, als erlaubt, reduziert das Fahrzeug automatisch die Geschwindigkeit - allerdings kann der Fahrer das System jederzeit deaktivieren.

Auch für Firmengelände oder Niedrigtempozonen geeignet

In Zukunft könnte das Geofencing-Tempokontrollsystem den Fahrern ermöglichen, auch besonders niedrige Geschwindigkeiten von nur 20 km/h einzustellen, etwa für das Befahren eines speziell per Geofencing markierten Firmengeländes. Darüber hinaus ließen sich geschwindigkeitsreduzierte Bereiche auch flexibel festlegen, um beispielsweise vorübergehenden Straßenarbeiten oder der Tageszeit Rechnung zu tragen.

"Unsere Fahrerinnen und Fahrer sollten von der bestmöglichen technischen Unterstützung profitieren, einschließlich Geofencing-basierter Assistenzsysteme, die es ihnen ermöglichen, Tempolimits einzuhalten und sich voll und ganz auf die Straße zu konzentrieren", meint Bert Schröer, Leiter Fahrzeugtechnik und Mobilität der am Versuch beteiligten Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB).

Der Praxistest in Köln läuft bis März 2023. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen dem Ford City Engagement-Team, den Städten Köln und Aachen sowie Ford-Softwareingenieuren in Palo Alto, Kalifornien/USA. Der Kölner Test ist Teil umfassenderer Forschungsinitiativen von Ford in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Norwegen. Das Pilotprojekt baut auf anderen aktuellen Ford-Forschungsprojekten auf, die ebenfalls zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen sollen. Dazu gehören vernetzte Ampeltechnologien, die in Innenstädten automatisch auf Grün schalten, sobald sich ihnen Krankenwagen, Feuerwehren und Polizeifahrzeuge im Blaulicht-Einsatz nähern und möglichst schnell und sicher vorankommen müssen. Außerdem forscht der Herstellern an speziellen Lautsprechern, die den Fahrer darauf hinweisen, aus welcher Richtung sich andere Fahrzeuge und/oder andere Verkehrsteilnehmer nähern.

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