Fahrermangel: Wenn Anton nicht darf und Peter nicht will

Beim „Netzwerk der Logistik“ von BGL, SVG und Kravag ging es neben Energiekrise und alternativen Antrieben auch um den Mangel an Berufskraftfahrern.

Dunkle Zeiten für die Transportbranche? Zumindest setzen hohe Energiepreise und Fahrermangel den Firmen erheblich zu. (Symbolbild: Pixabay)
Dunkle Zeiten für die Transportbranche? Zumindest setzen hohe Energiepreise und Fahrermangel den Firmen erheblich zu. (Symbolbild: Pixabay)
Nadine Bradl

Zum 75-jährigen Jubiläum des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) gab es ein Novum: Erstmals lud man zusammen mit SVG und Kravag gemeinsam nach Berlin zum „Netzwerk der Logistik“. Am Rande der Veranstaltung, die unter anderem mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion mit Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär im BMDV; Udo Schiefner, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag; Martina Englhardt-Kopf, Mitglied des Verkehrsausschusses; Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der DB Cargo AG sowie Prof. Dr. Dirk Engelhardt, BGL-Vorstandssprecher lockte (wir berichten ausführlich in der nächsten Ausgabe der Transport), war auch Zeit über die Themen zu sprechen, bei denen der Branche der Schuh drückt.

Energiekrise: Keine Hilfe für den Mittelstand

Ganz vorne mit dabei natürlich: die hohen Belastungen durch die Energiepreise. Für eine Branche, die in solchem Maße auf Kraftstoff jeglicher Art angewiesen ist, existenziell. Umso schlimmer, dass dies bei der Politik so gar nicht ankomme, wie Englhardt im Gespräch berichtete:

„Es ist sehr ernüchternd. In den ganzen Hilfspaketen ist nichts für den Mittelstand enthalten.“

Bis heute gebe es keine Lösung für das LNG-Problem. Ganz im Gegenteil sogar: Die Firmen, die man durch finanzielle Anreize zu LNG-Lkw gelockt habe, ließe man nun im Regen stehen. Und das werde weitreichende Auswirkungen haben, meint Englhardt.

„Ich kenne keinen, der jetzt in alternative Antriebe investiert, wenn das nicht geklärt ist.“

Fahrermangel: Es braucht Änderungen

Und selbst wenn: „Dann hätten wir saubere Fahrzeuge aber keine Fahrer“, meint der BGL-Vorstandssprecher. Doch um dem Fahrermangel zu begegnen brauche es vielfältige Maßnahmen. So wäre etwa Mehrsprachigkeit bei den Prüfungen dringend vonnöten, so Thomas Heinbokel, stellvertretender Vorsitzender BGL-Aufsichtsrat. Denn während die Pkw-Prüfung in 13 Sprachen abgelegt werden kann, zählt beim Lkw nur eines: deutsch. Ebenso unerlässlich: die Anerkennung von Fahrpraxis und Qualifikationen bei Wohnortwechsel. In anderen Ländern kein großes Problem – in Deutschland: unmöglich.

Anton darf nicht auf den Bock

Das musste auch Horst Kottmeyer, Vorsitzender BGL-Aufsichtsrat, leidvoll erfahren. Er hätte nämlich einen von so vielen Firmen heiß ersehnten Fahrer gehabt: Anton. Anton ist jung, hat Berufserfahrung, will unbedingt Lkw fahren. Das Problem: Anton ist aus der Ukraine. Bei Kriegsausbruch war er für seine ukrainische Firma mit dem Lkw unterwegs. Seine Familie floh, er kam nach mehreren Monaten ebenfalls in Bad Oeynhausen bei Kottmeyer an. Wollte nichts lieber, als dort wieder Lkw zu fahren. Doch das geht nicht. Denn Anton werden seine Qualifikation und der Führerschein in Deutschland nicht anerkannt. Er müsste eine neue Qualifikation mit Praxis- und Theoriestunden erlangen – alles auf Deutsch und damit unmöglich. Andere Länder, andere Sitten: Denn wie Kottmeyer berichtet, ist es in einigen anderen Ländern völlig üblich einfach neue Papiere ausstellen zu lassen. „Wir brauchen überall die gleichen Regeln“, betont der Spediteur. Doch so ist es – zumindest derzeit – nicht. Und Anton?

„Der arbeitet jetzt bei uns im Lager“, erzählt Kottmeyer, „Lkw fahren darf er ja nicht.“

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